Es soll eine besonders brutale Festnahme gewesen sein: Um einen Ukrainer (54) am Boden zu fixieren, soll sich ein Wiener Polizist auf seinen Hals und Nacken gekniet haben. Laut Gutachten der Grund, warum er im Polizeianhaltezentrum im 9. Bezirk einen Schlaganfall erlitt. Die Beamten dort hat das laut Anklage wenig interessiert. Ihnen drohen in einem Prozess nun lange Haftstrafen.
Die Emotionen bei den ukrainischen Demonstranten kochten hoch: Am 9. Mai 2024 fand eine Kranzniederlegung zur Ehren der Soldaten der Sowjetarmee statt. Etwas, was auch dem 54-jährigen Ukrainer wegen des Angriffskriegs durch Russland nicht passte – und das tat er lautstark kund. Beamte forderten ihn mehrmals auf, die Rufe und das Herumfuchteln einzustellen. Ohne Erfolg; es kam zur Festnahme.
Auf Hals von Opfer gekniet
Und das laut Anklage der Staatsanwaltschaft Korneuburg auf eine besonders brutale Art und Weise. Zur Fixierung soll sich der 44-Jährige auf den Nacken und Hals des Mannes gekniet haben. Die schwerwiegenden Folgen waren nicht sofort klar. Doch in der Zelle des Personenanhaltezentrums Roßauer Lände im 9. Bezirk erlitt der Festgenommene einen Schlaganfall. Alle typischen Symptome traten auf: Er konnte schwer atmen, kaum sehen oder sprechen, musste erbrechen und mehr.
Polizisten riefen nicht die Rettung
Zwei Polizeibeamten, denen das laut Anklage aufgefallen sein muss, habe das nicht interessiert – sie sollen sich geweigert haben, die Rettung zu rufen. In einem Rollstuhl hätten sie den 54-Jährigen zum zuständigen Polizeijuristen gebracht, denn der Festgenommene konnte nicht einmal mehr gehen. Auch dem sei der Zustand völlig egal gewesen.
Entgegen der Behauptung der Staatsanwaltschaft waren die Anzeigen eines Schlaganfalls nicht zu erkennen.

Anwältin Astrid Wagner vertritt den angeklagten Polizeijuristen
Bild: Klemens Groh
Opfer sei im Rollstuhl vor die Tür gesetzt worden
Nachdem dem Ukrainer in einem fraglichen Verhör 262,50 Euro Geldstrafe bzw. fünf Tage Ersatzfreiheitsstrafe aufgebrummt wurden, rollten ihn zwei Polizisten im Rollstuhl einfach vor die Türe des Gebäudes. Die Rettung musste der 54-Jährige selbst rufen.
Der Polizist, der das Opfer festgenommen hatte, ist nun wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt, ihm drohen bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe. Denn der Gerichtsmediziner kann den Schlaganfall mit der Fixierung am Hals und Nacken in Einklang bringen. Seine drei Kollegen aus der Roßauer Lände müssen wegen Quälen oder Vernachlässigen eines Gefangenen vor Gericht. Sollten sie anklagekonform verurteilt werden, kann es bis zu fünf Jahre Gefängnis setzen.
Der Prozess startet am Mittwoch im Wiener Landl. Es sind zahlreiche Zeugen geladen. Die Beamten beteuerten im Vorfeld, von dem Gesundheitszustand des Ukrainers nichts mitbekommen zu haben. „Das belegt auch das von der Verteidigung eingeholte Privatgutachten“, sagt Anwältin Astrid Wagner, die Verteidigerin des Polizeijuristen, zur „Krone. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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