Eröffnung 2028

Haus der Geschichte kommt fix ins Museumsquartier

Kultur
09.01.2026 15:47

Kulturminister Andreas Babler gibt nach Evaluierung grünes Licht für die geplante Übersiedlung des Hauses der Geschichte von der Hofburg ins MQ. Die Eröffnung des neuen Standortes soll unter Budgetvorbehalt im Herbst 2028 stattfinden.

Seit mehr als 100 Jahren ist das „Haus der Geschichte“ bereits Thema in der heimischen Kulturpolitik. 2018 wurde es schließlich zum 100-jährigen Republiksjubiläum eröffnet, doch die Standortdiskussion riss nicht ab. Nun soll es tatsächlich von der Neuen Burg ins Museumsquartier (MQ) übersiedeln und ein eigenständiges Bundesmuseum werden, wie Kulturminister Babler (SPÖ) nun nach einer internen Evaluierung bekannt gab. Somit hat das jahrzehntelange Tauziehen ein Ende – und das Haus der Geschichte Österreich (hdgö) ein neues Zuhause.

Die Eröffnung des neuen Standorts ist an sich für 2028 geplant, „der faktische Baubeginn steht allerdings noch unter Budgetvorbehalt“, heißt es aus dem Ministerium, auch wenn die Planungen „weit gediehen“ und eine Baugenehmigung „in Vorbereitung“ seien.

So soll er nach der Errichtung des neuen Eingangs ins Haus der Geschichte Österreich aussehen.
So soll er nach der Errichtung des neuen Eingangs ins Haus der Geschichte Österreich aussehen.(Bild: Filippo Bolognese Images)
So sieht der Klosterhof im Museumsquartier derzeit aus.
So sieht der Klosterhof im Museumsquartier derzeit aus.(Bild: Museumsquartier/Thomas Meyer)

„Führer-Balkon“ wird ein Ort der Erinnerung
Für Babler bietet der Standort mit 3.000 m² Fläche „auch die Möglichkeit, sich intensiv dem düstersten Kapitel der österreichischen Zeitgeschichte zu widmen, der Shoah“. Der Holocaust sei „Teil der Geschichte Österreichs und damit auch im Kontext eines mittelfristig eigenständigen Bundesmuseums Haus der Geschichte Österreich zu denken“. Zuletzt war auch die Schaffung eines Holocaust-Museums diskutiert worden.“

Trotz des Umzugs soll der Altan der Neuen Burg, im Volksmund „Führer-Balkon“ genannt, ein „Ort für die demokratiepolitische Bildung werden“.

Monika Sommer ist seit 2017 Direktorin im Haus der Geschichte, das derzeit in der Neuen Burg ...
Monika Sommer ist seit 2017 Direktorin im Haus der Geschichte, das derzeit in der Neuen Burg untergebracht ist..(Bild: HDGÖ/Julia Stix)

Holzbau im kleinen Klosterhof
Im Ministerratsvortrag vom November 2023 seien die Kosten auf 39,29 Millionen Euro geschätzt worden. Das derzeit in den Verband der Nationalbibliothek eingegliederte Haus soll laut Regierungsprogramm ein eigenständiges Bundesmuseum werden.

Die Pläne stammen vom Berliner Architekturbüro O&O Baukunst, das 2024 als Gewinner der Ausschreibung präsentiert wurde. Vorgesehen ist ein Holzbau im kleinen Klosterhof als neuer Eingang.

Haus der Geschichte: Chronologie

  • 1919: Der Staatsrat denkt erstmals an die Einrichtung einer „Geschichtskammer“. 1946: Im Leopoldinischen Trakt der Hofburg soll ein „Museum der Ersten und Zweiten Republik“ errichten, das nur teils realisiert wird.
  • 1980-2000: Am Albertinaplatz wird ein „Haus der Republik“ debattiert, ebenso ein „Haus der Toleranz“ im Palais Epstein sowie die Erweiterung des Heeresgeschichtlichen Museums.
  • 2008: Ein Museumsberatungsunternehmen soll die Planung für das „Haus der Geschichte“ angehen.
  • 2015: Redimensionierung des Weltmuseums für ein „Haus der Geschichte“ in der Neuen Hofburg. Historiker Oliver Rathkolb leitet wissenschaftlichen Beirat.
  • 2016: Das hdgö wird der Nationalbibliothek zugewiesen. Monika Sommer tritt 2017 als Direktorin an.
  • 2018: wird das hdgö mit „Aufbruch ins Ungewisse. Österreich seit 1918“ eröffnet.
  • 2019: Expertenteam spricht sich für einen Neubau am Heldenplatz aus. Standortdiskussion entflammt neu.
  • 2023: Pläne für Übersiedlung ins Museumsquartier werden bekannt gegeben. Insgesamt geht man von Kosten von 39,3 Mio. Euro aus.
  • 2024: Das Berliner Architekturbüro O&O Baukunst wird als Gewinner der Ausschreibung präsentiert. Vorgesehen ist ein Holzbau im kleinen Klosterhof als Eingang. Eröffnung soll 2028 sein. Das Kindertheater Dschungel soll neue Räume unter dem Hof bekommen.
  • 2025: hdgö soll eigenständiges Bundesmuseum werden, Prominente und Historiker sind gegen das MQ. Der Umzug wird erneut evaluiert.
  • 2026: Bekanntgabe, dass es bei den Plänen für die Übersiedlung ins MQ bleibt. 

Die Reaktionen auf den Entscheid, den hdgö-Standort wie vorgesehen zu wechseln, sind durchweg positiv. „Die Klarstellung unterstreicht die Bedeutung eines zukunftsfähigen Ortes für die zeitgeschichtliche Auseinandersetzung im Zentrum Wiens“, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung von hdgö und Nationalbibliothek (ÖNB).

hdgö-Direktorin Monika Sommer zeigte sich erfreut, „die laufende Arbeit an einer neuen Hauptausstellung fortsetzen können“ und verwies auf das „spannende Programm in der Neuen Burg am Wiener Heldenplatz“ bis zur endgültigen Übersiedlung ins Museumsquartier. Dessen Geschäftsführerin Bettina Leidl bezeichnete das hdgö via Aussendung als „ein zentrales Museumsprojekt für die demokratische Erinnerungskultur unseres Landes“, die nunmehrige Entscheidung schaffe die notwendige Planungssicherheit für das Museumsquartier.

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