Wahres Milliardengrab

Stuttgart 21: Neuer Aufschub für Desaster-Projekt

Deutschland
26.06.2026 16:17
Porträt von krone.at
Von krone.at

Stuttgart 21 ist wohl das größte Pannen-Projekt in Deutschland. Die Eröffnung des riesigen Bahnhofkomplexes muss erneut verschoben werden. Ursprünglich hätte das Milliardengrab der maroden Deutschen Bahn 2019 seine Pforten öffnen sollen.

Eine neue Verschiebung, eine neue Milliarden-Rechnung: Der Stuttgarter Hauptbahnhof wird durch eine weitere Verzögerung um drei Milliarden Euro teurer. Die Gesamtkosten dürften nun auf 14,5 Milliarden Euro hinauslaufen, erklärte die Deutsche Bahn (DB) am Freitag infolge einer Untersuchung der Konzernrevision. „Der Bericht zeigt gravierende Defizite in Planung, Steuerung und Risikomanagement.“ Das bisherige Prozessmanagement habe nicht ausgereicht, um ein solch komplexes Großprojekt sicher zu steuern.

Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte, sie sei „erschüttert über die Ergebnisse“. Die zuletzt für Ende 2026 angepeilte Inbetriebnahme sei unrealistisch gewesen. Das Projekt soll von 2027 bis 2033 etappenweise an den Start gehen.

Kosten um 225 Prozent höher
Der Bahnhof sollte eigentlich schon 2019 eröffnet werden. Für das Mammutprojekt waren einst drei Milliarden Euro plus Risikopuffer von 1,45 Milliarden eingeplant gewesen. Stellt man die neue Preisprognose gegenüber, entspricht das einer Kostensteigerung von etwa 225 Prozent. Palla sagte, die Entscheidung zur neuen Inbetriebnahmeplanung sei der Bahn außerordentlich schwergefallen.

Ein Großteil des Bahnhofes wird unter der Erde sein.
Ein Großteil des Bahnhofes wird unter der Erde sein.(Bild: Markus Mainka)

Man wisse um die Hoffnungen, die viele Menschen in das Projekt setzten. „Wir haben die Erwartungen an frühere Termine nicht erfüllt, das bedaure ich sehr.“ Das neue Management bei S21 habe einen Plan erarbeitet, der sich von unrealistischen Prämissen verabschiedet habe.

Bahn will „Vertrauen“ zurückgewinnen
Risiken seien umfassend analysiert und neu bewertet worden. „Ehrlichkeit und Realismus sind im Projekt eingezogen – nur so können wir verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückgewinnen.“

Die Eisenbahngewerkschaft EVG forderte eine ehrliche Aufarbeitung. „Stuttgart 21 ist ein Desaster“, sagte EVG-Chef Martin Burkert. „Ich will genau wissen, ob einer der Verantwortlichen schon zu einem früheren Zeitpunkt gewusst hat, was sich da anbahnt und dazu geschwiegen oder gar gelogen hat.“ Bei der nächsten Aufsichtsratssitzung des Konzerns müsse das Thema auf die Tagesordnung.

Stuttgart 21 sieht im Kern eine Verlegung des Kopfbahnhofs unter die Erde und eine Anbindung an Hochgeschwindigkeitsstrecken durch Tunnel vor. Auch der Stuttgarter Flughafen soll so eine Verbindung bekommen. Am Standort der bisherigen Station sollen die Flächen im Stuttgarter Talkessel unter anderem für Wohnungen genutzt werden.

Die Bahn steckt in einer tiefen Krise. Sie soll profitabler, zuverlässiger und pünktlicher werden – und muss dabei ihr marodes Netz bis 2035 umfassend sanieren. Große Widersprüche müssen also vereint werden.

Die angestrebte Zuverlässigkeit wird aber immer wieder durch größere Pannen im Betriebsablauf untergraben. So standen diese Woche bundesweit zwei Stunden lang alle Züge still. Zu diesem beispiellosen Vorfall kam es, weil das digitale Funksystem bei einer Überarbeitung Probleme bereitete.

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