Der Generaldirektor und sein 13-köpfiges Führungsteam sind bestellt. Wie viel die neuen ORF-Chefs verdienen werden, weiß aber derzeit noch niemand. Auch ob es die Jobs nach dem September überhaupt weiter gibt, ist unklar.
Am 12. Juni wurde Clemens Pig nach einer 15 Stunden lange dauernden Marathon-Sitzung zum neuen ORF-Generaldirektor bestimmt. Einen Monat später brachte der bisherige Manager der Nachrichtenagentur APA auch sein Team beim Stiftungsrat durch. Der neue Generaldirektor und seine vier Manager treten ihren Job am 1. Jänner 2027 am Küniglberg an, neun Direktoren übernehmen zum selben Termin die Landesstudios. Mutmaßlich!
Denn es gibt ein paar Unwägbarkeiten. Keiner aus der neuen Mannschaft hat bisher einen Vertrag erhalten. Keiner weiß, wie viel er oder sie ab 1. Jänner verdienen wird, ja nicht einmal, ob der Job da noch existiert. Im Rahmen eines Konvents will die Regierung im September grundsätzlich darüber beraten, wie die Zukunft des ORF ausschauen soll. Und: Sehr wahrscheinlich ist, dass alle neuen Direktoren gar keinen Vertrag über die volle Periode von fünf Jahren bekommen werden wie ihr Vorgänger, sondern nur für gut den halben Zeitraum.
Früher Formalie, jetzt heikel
Es ist keine Besonderheit, dass im ORF eine neue Führungsspitze bestellt wird, die Details aber erst später ausgehandelt werden. Auch in der Ausschreibung für die Tätigkeit als Generaldirektor steht: „Die Entscheidung über die Vertragsgestaltung erfolgt gesondert von der Bestellung des Generaldirektors bzw. der Generaldirektorin unter Berücksichtigung eines internationalen Vergleichs und der Vorgaben der Vergütungsarbeitsgruppe.“
Was früher mehr oder weniger eine Formalie war, ist heuer heikel. Denn am 10. und 11. September findet ein ORF-Konvent statt. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) will dabei in großer Runde beraten, wie es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk weitergehen soll. Ein großes Thema wird dabei auch Geld sein und damit zusammenhängend das Personal. Ob es nach dem Konvent noch ein Direktorium etwa für „Programm und Brands“ oder für „Audience und Plattformen“ geben wird, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Ob jedem Landesstudio ein eigener Direktor oder eine Direktorin zugestanden wird, oder ob man mit einer Chefredaktion das Auslangen findet, ist ebenfalls ungewiss.
Was wird das Spitzenteam verdienen?
Erwartbar ist, dass der Konvent eher mit Absichtserklärungen zu Ende gehen wird, die Pläne müssen danach erst in Gesetze gegossen werden und das kann dauern. Aber auch das hat Konsequenzen. Am 24. September findet die nächste Sitzung des Stiftungsrates statt. Es wird darin auch um die Direktionsverträge gehen, denn ein paar Tage danach tagt der sogenannte „Vergütungsausschuss“. In diesem Gremium wird festgelegt, was das künftige Spitzenteam verdienen wird.
Es geht um viel Geld. Der Transparenzbericht 2025 des ORF weist für den damaligen Generaldirektor Roland Weißmann ein Jahresgehalt von 427.500,04 Euro auf, Finanzchefin Eva Schindlauer kam auf 279.972 Euro, Waltraud Langer (Salzburg) erhielt als bestbezahlte Landesdirektorin 265.561 Euro.
Verträge nur bis zum Wahljahr 2029?
Der „Vergütungsausschuss“ besteht aus fünf Stiftungsräten, wie beim Stiftungsrat an sich führt auch hier Heinz Lederer den Vorsitz. Die FPÖ soll in dem Gremium keinen Sitz haben. Aber Peter Westenthaler, Vertreter der Blauen im obersten ORF-Lenkungsorgan, forderte am Dienstag bereits, dass die künftigen Verträge der Direktoren eine Laufzeit von maximal zwei Jahren haben sollten. Das ist auch politisch brisant, denn „zwei Jahre“ bedeutet, dass sie 2029 auslaufen, dem Jahr der Nationalratswahl mit einem möglichen Kanzler Herbert Kickl. Das böte einer potenziellen blauen Regierung die Möglichkeit, die ORF-Führung auszutauschen.
Abgesehen davon, genießt die zeitliche Beschränkung der Verträge auch unter anderen Stiftungsrats-Mitgliedern durchaus Sympathien. Denn wenn tatsächlich das ORF-Gesetz geändert wird und es ein paar Jobs danach nicht mehr gibt, müsste den Betroffenen andernfalls die gesamten fünf Jahre Laufzeit abgegolten werden. Es geht um Millionen auf einen Schlag. Um das zu verhindern, könnte es Dreijahresverträge mit einer an die Vorgaben geknüpften Option auf zwei weitere Jahre geben.
Aus dem Umfeld des Ausschusses ist jedenfalls zu hören, dass die Vereinbarungen an klare inhaltliche Zielvorgaben gebunden werden sollen. Im Falle des Programmdirektors etwa, wie viele österreichische Produktionen im Fernsehen laufen. Im Falle der Finanzdirektorin, wie viel eingespart wurde. Zu hören ist, dass 30 Prozent der Gagen erfolgsabhängig sein könnten, also mit konkreten Zielen verküpft werden. Man wolle sich zudem an „internationalen privatwirtschaftlichen Standards“ orientieren, heißt es.
Damit findet eine These einen neuerlichen Beleg: Der ORF trägt auch außerhalb des Programms durchaus zur Unterhaltung bei.
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