Eine Vorverlegung der Sommerferien ist für manche die Lösung des Hitzestaus in Klassenzimmern, andere sehen darin nur eine Verschiebung der Probleme.
Die Sommerferien nahen. In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ist es Ende dieser Woche so weit. In der Steiermark und dem restlichen Österreich erst am 10. Juli. In Wien hat Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) letzte Woche den Vorstoß gemacht, die Ferien vorzuverlegen. Grund: Der immer heißere Juni, der zu wahren Hitzestaus in Klassenzimmern führt (wir berichteten). Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) ließ verkünden, den Vorschlag zu prüfen. Doch wie ist die Stimmungslage zu früheren Sommerferien in der Steiermark?

Elternvertreterin: „Haben Glaspaläste errichtet“
Hannes Schuster, Direktor des BORG Bad Radkersburg, würde einen früheren Ferienbeginn begrüßen. „Das wäre leicht umzusetzen“, meint er. Ilse Schmid, Elternvertreterin der steirischen Pflichtschulen, sieht das anders: „Eine Vorverlegung der Ferien würde das System auf den Kopf stellen. Und wir haben keine Garantie, dass das Wetter sich immer entscheidet, im Juni so heiß zu sein. Was, wenn dann der September plötzlich heißer ist?“
Schmid hält die Idee für kurz- statt langfristig gedacht. Sie fände es wichtiger, dass die Schulgebäude baulich nachjustiert werden. „Wir haben riesige Fensterfronten ohne Außenbeschattung, wir haben wahre Glaspaläste geschaffen und wundern uns jetzt, dass es dort heiß ist“, kritisiert sie.
Spätere Hitzewelle nicht ausschließen
„Sollte es seitens des Bundes konkrete Überlegungen geben, stehen wir einem konstruktiven Austausch offen gegenüber“, sagt Bildungslandesrat Stefan Hermann (FPÖ) auf Nachfrage zur „Krone“. Die Regelung der Schulzeiten sei immerhin Sache des Bundes. Doch auch Hermann gibt zu bedenken, dass „sich Hitzewellen nicht nur auf den Juni beschränken, sondern auch der Spätsommer zunehmend von hohen Temperaturen geprägt sein kann.“
Änderung bräuchte Vorlaufzeit
Würde es tatsächlich zu einer Veränderung der Ferienzeiten kommen, brauche es jedenfalls eine Vorlaufzeit. „Familien müssen ihre Sommerurlaube und die Kinderbetreuung langfristig planen“, meint Hermann.
Ich erlebe als Lehrerin viele Themen, die dringlicher wären als eine Verlegung der Sommerferien.
Chiara Glawogger
Auch SPÖ-Bildungssprecherin Chiara Glawogger bringt sich in die Debatte ein: „Als Lehrerin erlebe ich täglich viele andere Probleme, die dringender zu behandeln wären“, meint sie. Es könne nicht sein, dass bei Schulassistenz und Nachmittagsbetreuung gekürzt wird und es in Klassen über 30 Grad hat. „Dort sollten wir ansetzen, bevor wir über eine Ferienverschiebung diskutieren“, so Glawogger.
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