Die Kommunalpolitik in Leoben kommt nicht zur Ruhe: Nach dem Platzen der Dreier-Koalition (die Partner haben sich mittlerweile aber wieder angenähert), wirft nun SPÖ-Vizebürgermeisterin Birgit Sandler das Handtuch. Ihr Verhältnis zum Stadtchef Kurt Wallner scheint zerrüttet zu sein.
Es sind turbulente Zeiten in der Leobner Politik: Bei der Gemeinderatswahl im Vorjahr verlor die SPÖ ihre absolute Mehrheit, Bürgermeister Kurt Wallner schmiedete eine Allianz mit der grünen Gemeinderätin Susanne Sinz und den zwei Mandataren der Liste Reiter, darunter Walter Reiter, ein streitbarer Kommunalpolitiker, die die Sozialdemokraten jahrelang scharf kritisiert hatte.
Das konnte nicht lange gutgehen, meinten viele. Tat es auch nicht. Im März zerbrach die Allianz, Walter Reiter beendete die Zusammenarbeit. Ein Spiel der freien Kräfte im Gemeinderat begann. In der jüngsten Zeit scheinen sich Reiter und die SPÖ aber wieder näher gekommen zu sein, was sich auch aus den öffentlichen Aussagen von Reiter herauslesen lässt.
Bereits rund um diese Turbulenzen tauchten Gerüchte auf, dass das Verhältnis zwischen Wallner und seiner SPÖ-Vizebürgermeisterin Birgit Sandler zerrüttet sei. „Wir werden unsere Konflikte intern lösen“, sagte Wallner damals zur „Krone“.
Sandler könnte im Gemeinderat bleiben
Am Donnerstag dann der Knalleffekt: Birgit Sandler teilte in einem Schreiben an die Gemeinderatsfraktionen mit, dass sie ihr Amt als Vizebürgermeisterin spätestens am 10. Juli zurücklegen wird. Ob sie als Gemeinderätin weitermacht, wird sie in nächster Zeit „ausschließlich mit meiner Familie und meinem engsten Freundeskreis“ besprechen. Falls Sandler als freie Mandatarin im Gemeinderat bleibt, hätte die SPÖ auch mit Grünen und der Liste Reiter keine Mehrheit mehr.
Sie sei seit 2014 durchgehend für die SPÖ in öffentlichen Ämtern gewesen, so Sandler. „Ich habe immer wieder Entscheidungen mitgetragen, von denen ich nicht immer überzeugt war, aber die von der Mehrheit meiner Fraktion anscheinend so gewollt war.“ Nun sei allerdings eine Grenze erreicht, „die von Stadtrat Mautner oft zitierte rote Linie, die ich nicht mehr überschreiten kann und/oder will“. Für sie sei aber auch klar, dass sie nicht gegen ihre eigene Fraktion stimmen werde.
Rücktritt kam für Helga Ahrer „völlig überraschend“
Helga Ahrer, dritte Landtagspräsidentin aus Leoben, teilt am Donnerstag mit: „Der Schritt von Birgit Sandler kam völlig überraschend, ich war darüber auch nicht vorab informiert. Ihre persönliche Entscheidung ist zu respektieren, alles Weitere muss nun parteiintern aufgearbeitet werden.“
Dieses politische Trauerspiel muss endlich ein Ende haben.

Florian Wernbacher (FPÖ)
Bild: FPÖ Steiermark
FPÖ fordert erneut Wallners Rücktritt
Scharfe Kritik kommt von FPÖ-Vizebürgermeister Florian Wernbacher: „Leobens Kommunalpolitik wird mittlerweile ausschließlich durch den sturen Machterhalt von Bürgermeister Kurt Wallner gelähmt. Statt endlich Verantwortung zu übernehmen, klammert er sich mit aller Kraft an sein Amt und nimmt dafür den völligen Stillstand unserer Stadt in Kauf.“ Erneut fordert Wernbacher Wallner zum Rückzug auf.
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