„Krone“-Interview

Stefan Maierhofer: „Ich bin so, wie ich immer war“

Unterhaltung
26.06.2026 05:00

Ohne die kundige wie humorige Expertise des Ex-Fußballprofis und -Teamspielers Stefan Maierhofer wäre die Fußball-WM-Berichterstattung auf krone.tv (täglich ab 8.30 Uhr) gar nicht mehr denkbar. Wir haben bei ihm nachgefragt, was er in seiner neuen Profession gelernt hat, welche Experten er selbst schätzt und wie er mit Kritik umgeht.

„Krone“: Herr Maierhofer, Sie führen seit ein paar Wochen Ihre Tätigkeit als Fußball-Experte im „WM-Studio“ von krone.tv aus – wie geht es Ihnen mit der Aufgabe?
Stefan Maierhofer:
 Es macht mir großen Spaß, weil die Fachkompetenz mit dem „Krone“-Personal richtig gut ist und man sich wunderbar austauschen kann – auch wenn die Uhrzeit für mich ungewohnt ist und ich sehr früh aufstehen muss. Andererseits bin ich froh, wenn ich bei diesen Temperaturen zur Mittagszeit daheim bin.

Was blieb Ihnen bislang besonders gut in Erinnerung?
Die Geschichte nach dem Ausscheiden der Türkei ging bei uns durch die Decke, weil die „Krone“ sehr viele türkische Fans hat, die lesen oder zuschauen und ihren Unmut über das Ausscheiden kundgetan haben. Die WM ist so lange, da kann man jeden Tag über Themen diskutieren und sich austauschen. Der Fußball verbindet und es macht auch Spaß, sich über Reizthemen zu unterhalten.

Wie sieht Ihr Tagesrhythmus aus, jetzt, wo Sie so früh bereits im „Krone“-Dienst sind?
Ich war heute zum ersten Mal in eurer Kantine frühstücken und habe mir eine Eierspeise gegönnt, weil ich gestern noch mit Freunden Fußball schauen und erst um Mitternacht daheim war. Um 6 Uhr läutet der Wecker. Ich stehe auf, wenn meine Frau und die Kinder noch schlafen, aber meist kriege ich eine schöne Sprachnachricht, wenn ich auf dem Weg in die Redaktion bin. Auf der Nordbrücke ist oft stockender Verkehr, aber in 35 bis 40 Minuten bin ich da und dann geht’s los.

Wie bereiten Sie sich bestmöglich auf das „WM-Studio“ vor?
Ich kann dadurch daheim das gute Argument bringen, dass ich mehr Fußballschauen muss. (lacht) Das passt gerade gut rein.

Sie sind ehemaliger Profifußballer, Teamspieler und heute Fußballtrainer – ich denke, Ihre Frau ist es gewohnt, dass daheim dauernd Fußball laufen wird?
Das schon, aber ich gehe auch viele Kompromisse ein. Wenn wir Serie schauen und sie einschläft, schalte ich auf das Finish der Champions League. Aber es ist immer was. Wenn gerade keine WM ist, dann DFB-Pokal, Bundesliga, Champions League oder Europa League. Meine Frau ist immer noch verblüfft, dass es jeden Tag um Fußball geht, aber das Wochenende ist derzeit ganz für meine Familie. Wir wollen dann auch mal was gemeinsam unternehmen, das ist sehr wichtig.

krone.tv-Experte und Ex-Fußballprofi Maierhofer im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert ...
krone.tv-Experte und Ex-Fußballprofi Maierhofer im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Gerhard Bartel)

Wenn Ihre Analysen in der Früh beginnen, sind oft noch WM-Spiele im Gange, die von uns aus gesehen mitten in der Nacht stattfinden …
Deshalb bin ich in der Früh gleich früher im „Krone“-Studio, um mich vorzubereiten und mir die Spielhighlights von der Nacht anzuschauen. Dafür wende ich ungefähr 45 Minuten auf. Für das letzte Österreich-Gruppenspiel gegen Algerien stehe ich natürlich auf, um es mir um 4 Uhr früh anzusehen. Dann werde ich nach dem Kick eine Runde schwimmen gehen und dann ins Studio fahren.

Was ist Ihnen in der Rolle des TV-Experten wichtig?
Man darf nicht alles zu eng sehen. Wir wollen auch unterhalten und Schmäh einbauen und vielleicht Sachen sagen, die jemand anders vor der Kamera nicht gleich sagt. Es ist wichtig, dass man authentisch rüberkommt und sich nicht verstellt. Jeder ist bei uns im Team wie er ist, und das sagt mir sehr zu.

Sie kennen das Geschäft als ehemaliger Profifußballer von der anderen Seite …
Das is die nächste deppate Frage. (lacht)

…und somit können Sie nun Ihre aktuelle Rolle anders bewerten. Wie fällt diese Bewertung aus?
Man kriegt natürlich einen anderen Blickwinkel auf die Situation. Als Spieler war ich sehr ehrgeizig und verbissen, dass ich vor allem bei Niederlagen und persönlich nicht so guten Spielen oft schlecht drauf war. Mittlerweile sehe ich das lockerer, denn jeder macht seinen Job. Jetzt bin ich auf der anderen Seite und muss schmunzeln, wie ich in der Vergangenheit als Spieler teilweise agiert habe. Heute sehe ich das mit einem gewissen Augenzwinkern.

Schauen Sie sich heute noch gerne Interviews von sich selbst an?
Früher habe ich das öfter gemacht, mittlerweile gar nicht mehr. Meine Frau schaut genauer und erzählt mir dann Dinge, wo ich mich oft frage, ob ich das wirklich so gesagt habe. Manche Leute verstehen vielleicht nicht den Inhalt und Schmäh in meinen Aussagen und da muss ich vor allem beim Podcast dann Dinge geraderücken. Das Hin und Her funktioniert bei uns im Team aber sehr gut und wir bekommen von außen auch viele Komplimente. Im Zuge einer WM kann man sich da vielleicht auch ein bisschen abheben, weil viele Menschen zuschauen und zuhören.

Jeder Mensch hat eine Meinung zu Fußballexperten, das wird auch Ihnen nicht verborgen geblieben sein. Wie gehen Sie mit Kritik um?
Ich komme ursprünglich aus der Gastronomie und war schon immer so, wie ich heute bin. Ich bin so erzogen worden, dass ich auf Leute zugehe und immer offen und ehrlich bin. Natürlich muss man oft gerade bei politischen Dingen ein bisschen aufpassen, aber ich war 18 Jahre lang Profi-Fußballer und habe jetzt eine Trainerkarriere begonnen – ich habe meine Meinung zu Dingen im Leben und die sage ich auch. Mich kritisieren oft Leute, die können nicht mal meinen Namen richtig schreiben - auf sowas gehe ich gar nicht erst ein.

Ich bin jetzt bald 44, Familienvater, war Profikicker, habe zwei gelernte Berufe, eine Trainerausbildung und ein Sportevent-Management abgeschlossen. Ich habe viel erlebt und kann das in meine Expertise einfließen lassen. Wenn jemand anderes eine andere Meinung hat, ist das okay, aber dafür muss man niemanden beschimpfen und runtermachen. Auf Social Media in Kommentaren Hass ablassen und verbreiten, damit kann ich gar nicht umgehen.

Der „Major“ tritt das Laberl – letztes Jahr probierte er sich als Kicker bei den Vienna Vikings ...
Der „Major“ tritt das Laberl – letztes Jahr probierte er sich als Kicker bei den Vienna Vikings im American Football aus.(Bild: Hannes Jirgal / Vienna Vikings)

Beantworten Sie konstruktive Kritik von außen?
Das kommt auf das Niveau der Kritik an. Ich habe schon TV-Expertenerfahrungen gemacht beim ORF, bei ServusTV und auch bei Puls 4. Das war immer lehrreich, weil ich mit anderen Menschen zusammengearbeitet habe und jeder eine andere Sicht auf die Dinge hat. Früher habe ich schneller was rausgeschossen, heute bin ich in meiner Arbeit ruhiger und bedachter. Nach der Österreich-Niederlage gegen Argentinien war ich aber auch 16 Stunden später noch sauer, weil ich Patriot bin. Ich habe 19-mal für unser Nationalteam gespielt und fiebere immer noch mit ihm mit. Ich war vom Auftreten einfach enttäuscht, weil ich der Meinung bin, wir können das besser.

Experten gibt es viele, genauso viele verschiedene Rollen haben sie im TV inne. Schauen Sie sich von den etablierten Experten für Ihre eigene Rolle viel ab?
Man kann sich von allen und überall etwas mitnehmen – das ist meine Auffassung. Der eine sagt mir natürlich mehr zu als ein anderer, ab ich möchte immer so bleiben, wie ich bin. Ich bin ehrlich und emotional.Das hat mich groß gemacht, das war meine Mentalität früher am Platz. Ich bin demütig und weiß genau, woher ich komme. Das vergessen viele Leute in meiner Berufswelt. Am Ende des Tages sind wir alle nur Menschen und sollten schauen, dass es uns gutgeht.

Bei Österreich geht es in der Nacht auf Sonntag gegen Algerien darum, zweiter oder dritter in der Gruppe zu werden. Glauben Sie, das Team wird taktieren?
Werden wir Gruppenzweiter, wartet ziemlich sicher Spanien und da haben wir kaum eine Chance. Die spielen noch einmal einen anderen Fußball, aber als Spieler gehst du in jedes Spiel mit der Absicht zu gewinnen. Gegen Spanien verlierst du in zehn Versuchen wahrscheinlich neunmal, aber das heißt nicht, dass wir automatisch ausscheiden würden. Natürlich kann es anders passieren, aber die Burschen werden nicht auf einen dritten Platz taktieren, auch wenn wir bis zu unserem Spiel genau wissen werden, welches Ergebnis wofür nötig ist. Viele sprechen schon von einer „Schande von Gijon 2.0“ – die wird i 

Hat sich Ihr Weltmeistertipp seit dem Beginn der WM verändert?
Ich hatte nie einen richtigen Favoriten und würde in keinem Wettbüro zehn Euro auf eine Nation setzen. Meine Favoriten sind ziemlich gleichberechtigt Spanien, Argentinien, England und Frankreich – danach würde ich vielleicht die Holländer und Portugal reihen, die teilweise sehr guten Fußball spielen.

Als Kicker war er hauptverantwortlich für den bislang letzten Meistertitel von SK Rapid Wien ...
Als Kicker war er hauptverantwortlich für den bislang letzten Meistertitel von SK Rapid Wien 2008.(Bild: GEPA pictures, Krone.tv)

In dieser Aufzählung fehlen mir mit Brasilien und Deutschland zwei entscheidende Player …
Brasilien steigert sich gerade von Spiel zu Spiel. Die Deutschen sind eine Turniermannschaft, aber ich glaube nicht, dass es für den ganz großen Wurf reicht. Obwohl sie mit Undav einen Stürmer haben, der mich total überrascht, aber Teamchef Nagelsmann hat so seine Probleme mit ihm.

Wollen Sie selbst auch in Zukunft verstärkt als TV-Experte in Erscheinung treten?
Wenn die Anfragen kommen und es zeitlich in mein Leben passt, dann gerne. In erster Linie möchte ich aber als Trainer arbeiten. Mit einer Mannschaft in eine Vorbereitung gehen, Wochenende für Wochenende Spiele gewinnen und mir neue Ziele stecken. Bislang war von den Angeboten noch nichts dabei, was zu mir und meiner Familie gepasst hätte, deshalb warte ich einmal ab. Schauen wir mal, wohin die Reise geht.

Da bleibt dann keine Zeit mehr für Ihre Football-Karriere bei den Vienna Vikings?
Nein, aber da bin ich sowieso raus. Ich war letztes Jahr dort und bekam einen tollen Einblick. Es war ein cooles Learning. Auch zu sehen, wie das Trainerteam mit einem 60-Mann-Kader umgeht – das ist verrückt. Vor allem ist jede Position ein bisschen ihre eigene Welt.

Von all den vielen TV-Experten, die der ORF und ServusTV bei dieser WM aufbieten – wer ist von außen her gesehen Ihr Favorit und warum?
Ich schaue wenig österreichisches Fernsehen und bin da eher bei den Deutschen daheim. Bei Sky hat mich früher Alfred Tatar begeistert, weil er einen ganz anderen und eigenen Zugang zur Thematik hatte. Er war anders und cool mit seiner Herangehensweise. Ich bringe manchmal auch ein paar sonderbare Floskeln mit ein.

Die WM findet für Sie also nicht im ORF statt?
Nein, denn wenn ich die Expertise von gewissen Leuten höre, muss ich umschalten. Zu den Deutschen oder zu ServusTV.

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