Die Flüsse versiegen

Niedrigwasser zwingt Fracht von Schiffen auf Lkw

Österreich
14.08.2026 10:46
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die anhaltende Hitze lässt die Pegelstände von Rhein und Donau auf historische Tiefstände sinken. Frachtschiffe können nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren, teilweise lohnt sich die Fahrt gar nicht mehr. Deutschland setzt deshalb Fahrverbote für Lastwagen aus, in Österreich ist dies derzeit kein Thema. Doch die vermeintliche Notlösung bringt neue Probleme  – und kann fehlende Schiffe nicht ersetzen.

Der Rhein gilt als wichtigste Wasserstraße Europas. Doch ausgerechnet an einem der bedeutendsten Nadelöhre wird das Wasser knapp. Am Pegel Kaub zwischen Mainz und Koblenz wurden zuletzt nur noch 17 Zentimeter gemessen. Der Pegelstand entspricht zwar nicht unmittelbar der tatsächlichen Tiefe der Fahrrinne, bestimmt aber, wie stark die Schiffe beladen werden dürfen.

Rhein in zwei Transportwege getrennt?
Sinkt der Pegel weiter, könnte der Rhein faktisch in zwei voneinander getrennte Transportwege zerfallen. Im Norden wären Fahrten zwischen den großen Seehäfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen sowie dem Raum Köln weiterhin möglich. Im Süden blieben unter anderem Main, Mosel, Neckar und der Main-Donau-Kanal befahrbar. Die entscheidende Verbindung dazwischen würde jedoch wegbrechen.

Bereits jetzt müssen laut „Verkehrsrundschau“ viele Frachter ihre Ladung drastisch reduzieren, damit sie weniger Tiefgang haben und nicht auf Grund laufen. Dadurch sind mehr Fahrten notwendig, während die Preise für den Transport steigen. Besonders betroffen sind Rohstoffe, Treibstoffe, Chemikalien, Baustoffe, Erze und Agrarprodukte.

Das Liniendiagramm zeigt den Pegelstand des Rheins bei Kaub im Jahresverlauf in Zentimetern. Der Wert für 2026 liegt zeitweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt und erreicht im August ein Rekordtief von 15 Zentimetern. Der Schwankungsbereich zwischen Minimum und Maximum von 2000 bis 2025 ist grafisch hervorgehoben. Quelle: dpa/Pegelonline/WSV.

Gefahr vor Engpässen wächst
Damit wächst auch die Gefahr von Engpässen in der Industrie. Viele Betriebe entlang des Rheins sind darauf angewiesen, große Mengen an Rohstoffen kostengünstig per Schiff zu erhalten. Gleichzeitig verteuert das Niedrigwasser den Transport von Benzin und Diesel. Regional könnten dadurch auch die Preise an den Tankstellen steigen.

Ein Binnenschiff ersetzt je nach Größe etwa 100 bis 150 Lkw. Die Folge: Der Ausfall von ...
Ein Binnenschiff ersetzt je nach Größe etwa 100 bis 150 Lkw. Die Folge: Der Ausfall von Schifffahrtskapazitäten lässt sich auf Straße und Schiene kurzfristig nicht kompensieren.(Bild: AFP/INA FASSBENDER)

Transporte auf Straße verlagert
Mehrere deutsche Bundesländer haben deshalb zumindest bis Ende August das Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lastwagen vorübergehend gelockert oder vollständig ausgesetzt. Transporte, die nicht mehr per Schiff durchgeführt werden können, sollen zumindest teilweise auf die Straße verlagert werden. Doch: Es fehlen Lastwagen und auch Fahrer. Dazu kommen höhere Kosten, mehr Verkehr und zusätzliche Belastungen für Straßen und Umwelt.

Sinkt die Transportleistung auf dem Rhein um 25 Prozent, könnten monatlich rund drei Millionen ...
Sinkt die Transportleistung auf dem Rhein um 25 Prozent, könnten monatlich rund drei Millionen Tonnen Fracht ausfallen. Das entspräche etwa 120.000 Lastwagenladungen.(Bild: AP/APA/dpa/Thomas Frey)
Kommt Lkw-Verbot?
Die aktuelle Lage in Österreich

Doch nicht nur der Rhein leidet unter Hitze und ausbleibendem Regen. Auch die Donau führt außergewöhnlich wenig Wasser. In den freien Fließstrecken Österreichs lagen die Pegelstände Anfang August rund 60 Zentimeter unter dem langjährigen Niederwasserwert. In der Wachau waren in der Tiefenrinne noch zwei Meter Fahrwassertiefe vorhanden, östlich von Wien lediglich 1,8 Meter.

Beladungen reduziert
Die Güterschifffahrt sei weitgehend zum Erliegen gekommen, teilte das österreichische Verkehrsministerium mit. Auch Kreuzfahrtschiffe seien deutlich eingeschränkt. Behördliche Sperren gebe es zwar nicht, Frachter müssten ihre Beladung aber derart stark reduzieren, dass Transporte per Bahn oder Lastwagen wirtschaftlich attraktiver würden, so das Bundesministerium für Klimaschutz in einer Aussendung.

Die aktuelle Lage ist mit den historischen Niedrigwasserjahren 2003 und 2018 vergleichbar. Im ...
Die aktuelle Lage ist mit den historischen Niedrigwasserjahren 2003 und 2018 vergleichbar. Im Jahr 2018 brach das Transportaufkommen auf der österreichischen Donau um 25,1 Prozent ein. Statt 9,6 Millionen Tonnen wurden nur noch 7,2 Millionen Tonnen befördert. Im Bild: ein freigelegtes Kriegsschiff(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Keine Lockerung von Lkw-Fahrverboten in Österreich
In Österreich ist eine generelle vorübergehende Aufhebung des Wochenend- und Feiertagsfahrverbots für Lkw trotz Niedrigwasser auf der Donau derzeit kein Thema. Zuletzt waren die Verbote während der Coronapandemie von April bis Ende Dezember 2020 gelockert worden.

Verlagerung auf Schiene funktioniert
Für einzelne Fahrten können Unternehmen jedoch bei der jeweiligen Landesregierung eine Ausnahmebewilligung beantragen. Ob diese wegen eines außergewöhnlich niedrigen Wasserstands der Donau erteilt wird, muss im Einzelfall geprüft werden. Das Verkehrsministerium gab bekannt: Die Verlagerung von Gütern auf Schiene und Straße funktioniere dank des gut ausgebauten österreichischen Bahnnetzes einwandfrei. 

Dabei war der Güterverkehr auf der Donau bereits im Vorjahr auf einen Tiefstand gesunken. Im Jahr 2025 wurden 5,8 Millionen Tonnen transportiert. Das waren 11,6 Prozent weniger als 2024, wie „Statistik Austria“ meldete. Die Transportleistung ging sogar um 20 Prozent auf 5,2 Milliarden Tonnenkilometer zurück. 

Um die Schifffahrt möglichst lange aufrechtzuerhalten, werden Seichtstellen laufend ausgebaggert. Zudem erprobt der Wasserstraßenbetreiber viadonau eine sogenannte flexible Infrastruktur. Sie sollen das Wasser gezielt in die Fahrrinne lenken und dort neue Ablagerungen verringern.

voestalpine, Felbermayr: Keine Verschiffung mehr
Schwerguttransporte sind kaum ersetzbar. Große Transformatoren, Industrieanlagen, Kräne oder andere Bauteile mit mehreren Hundert Tonnen können oft nicht einfach auf Lastwagen oder Bahn verladen werden.

Die voestalpine hat ihre Transporte über die Donau vollständig auf die Schiene verlagert. Normalerweise kommen rund 20 Prozent der in Linz verarbeiteten Rohstoffe per Schiff, etwas mehr als elf Prozent der ausgehenden Waren werden auf der Donau transportiert. Auch die Welser Firma Felbermayr verschifft keine großen Industriegüter mehr.

Jährlich 30 Millionen Euro für Wasserstraßen
Österreich investiert jährlich rund 30 Millionen Euro in die Erhaltung der Wasserstraße. Doch die Maßnahmen können die fehlenden Niederschläge nur begrenzt ausgleichen. Zudem tritt die aktuelle Niedrigwasserperiode ungewöhnlich früh auf. Normalerweise erreichen die Pegel erst im Spätsommer oder Herbst ihre Tiefstände.

Die Krise reicht über Deutschland und Österreich hinaus: In Ungarn musste das Kernkraftwerk Paks wegen der warmen Donau und der erschwerten Kühlung seine Leistung reduzieren. 

Langfristig braucht die Binnenschifffahrt Schiffe mit geringerem Tiefgang, besser ausgebaute Engstellen, genauere Pegelprognosen und leistungsfähige Verbindungen zu Bahn und Straße. Denn wenn Hitze und Trockenheit häufiger auftreten, wird aus dem derzeitigen Ausnahmezustand ein wiederkehrendes Problem für Europas Wirtschaft.

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