Premiere in Österreich: Die Tiroler Marktgemeinde Kundl darf künftig selbstständig Tempokontrollen durchführen. Möglich macht das eine neue Rechtslage in der Straßenverkehrsordnung. Das Land Tirol hat nun die erste Übertragungsverordnung erlassen – weitere Gemeinden könnten folgen.
Kundl (Bezirk Kufstein) macht ernst gegen Temposünder: Als erste Gemeinde Österreichs erhält die Unterländer Marktgemeinde die Befugnis, Geschwindigkeitsmessungen eigenständig durchzuführen. Auf allen Straßen im Ortsgebiet – ausgenommen die Autobahn – wird künftig an sieben fix festgelegten Standorten geblitzt.
Wir sind überzeugt, dass die Einführung der Radarüberwachung einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit leisten wird.

Kundls Bürgermeister, Anton Hoflacher
Bild: Christof Birbaumer
Zahlreiche Unfälle im Ortsgebiet
„Mit der ersten Übertragungsverordnung in Tirol ist uns ein verkehrspolitischer Meilenstein gelungen“, betont Verkehrslandesrat René Zumtobel. Ziel sei es, die Verkehrssicherheit vor allem dort zu erhöhen, wo viele Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Mehr als 60 Prozent der Unfälle mit Verletzten und Todesopfern passieren im Ortsgebiet.
Es soll zu keinem Radarwildwuchs auf Tirols Straßen kommen, weshalb mit einer Übertragungsverordnung auch ein intensiver Vorbereitungsprozess einhergeht.

Tirols Verkehrslandesrat René Zumtobel
Bild: Christof Birbaumer
Die Standorte für die neuen Radar-Anlagen wurden laut Gemeinde nicht zufällig ausgewählt. „Die Wahl erfolgte auf Grundlage eines verkehrstechnischen Gutachtens und wurde vom Land geprüft und freigegeben“, erklärt Kundls Bürgermeister Anton Hoflacher.
Für die Gemeinde stehen dabei nicht die Strafgelder im Vordergrund. „Strafen sind kein vorrangiges Ziel, sondern die nachhaltige Bewusstseinsbildung für die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkungen“, so Hoflacher.
Der Weg zur Übertragungsverordnung
Hintergrund der Neuerung: Seit einer StVO-Novelle können Gemeinden die Kompetenz für punktuelle Geschwindigkeitsmessungen vom Land übertragen bekommen. Bisher waren Radarkontrollen grundsätzlich Polizei und Behörden vorbehalten. Das Interesse ist groß – viele Tiroler Gemeinden haben bereits ihr Interesse an eigenen Tempokontrollen bekundet.
Die Zahlen sprechen für sich: Allein 2025 wurden in Tirol mehr als 865.000 Geschwindigkeitsübertretungen festgestellt. Experten sehen in konsequenter Überwachung einen wichtigen Beitrag für mehr Sicherheit auf den Straßen.
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