Extreme Hitze hat sich in Europa um das Zehnfache verstärkt. Das fanden Grazer Klimaforscher rund um Gottfried Kirchengast mit einer bahnbrechenden, neuen Berechnungsmethode heraus. Sie „zeigt den Einfluss des menschengemachten Klimawandels in einer Eindeutigkeit, wie ich sie selber bisher noch nicht gesehen habe“, sagt Kirchengast.
Nicht weniger als bahnbrechend ist jene Nachricht, die am Montagvormittag vom Wegener Center der Universität Graz kommt: Der renommierte Klimaforscher Gottfried Kirchengast hat gemeinsam mit Stephanie J. Haas und Jürgen Fuchsberger eine neue Methode zur Berechnung von Gefahren durch Extremereignisse entwickelt. Damit kann man in allen Regionen der Welt die Gefahr für Hitzewellen, Hochwasser und Dürren berechnen – und zwar mit so vielen Informationen wie bisher noch nie. Die Studie wurde im Fachjournal „Weather and Climate Extremes“ veröffentlicht.
„Unsere neue, universell nutzbare Methode eignet sich für alle Gefahrenmaße, die durch die Überschreitung kritischer Schwellenwerte definiert sind. Mit ihr lassen sich für Extremereignisse gleichzeitig deren Häufigkeit, Dauer, Stärke, räumliche Ausdehnung und weitere Maße bis hin zur Kombination aller Größen in der Gesamtextremität berechnen“, erklärt Gottfried Kirchengast vom Wegener Center und Institut für Physik der Uni Graz, Hauptautor der Arbeit.
Wichtige Grundlage für Klima-Klagen gegen Staaten und Unternehmen
Das Verfahren lässt sich für verschiedene Bereiche anwenden. Einerseits erhält man Daten zu Wetterextremen, um die Folgen von Klimawandel analysieren zu können. Außerdem hilft es bei der Berechnung, in welchem Ausmaß Akteure wie Staaten oder Unternehmen für steigende Klimaschäden und Risiken verantwortlich sind – das kann bei Klima-Klagen bedeutend sein.
Europa von Hitze geplagt
Wenn man die Methode nun für Europa und Österreich anwendet, zeigt sich, dass die Hitze vielfach extremer geworden ist. „Wir fanden heraus, dass sich die Gesamtextremität der Hitze in Österreich und den meisten Regionen Zentral- und Südeuropas im aktuellen Klimazeitraum 2010 bis 2024 im Vergleich zu 1961 bis 1990 um rund das Zehnfache verstärkt hat“, sagt Kirchengast. Als „extrem“ gelten etwa in Österreich über 30 Grad, in Südspanien über 35 Grad, in Finnland rund 25 Grad. Die Hitzewellen sind häufiger und dauern länger, sind heißer und räumlich weiter verbreitet.
Kirchengast: „Diese massive Verstärkung in der Gesamtextremität reicht weit über ihre natürliche Variabilität hinaus und zeigt den Einfluss des menschengemachten Klimawandels in einer Eindeutigkeit, wie ich sie selber bisher noch nicht gesehen habe.“
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