Jede Kriegstragödie ist auch von Possen begleitet wie jene des braven Soldaten Schwejk. So eine Schwejkiade – allerdings todernst und auf höchster Ebene – spielt sich zwischen Polen und der Ukraine ab: der Krieg der Orden. Und der geht so:
Der Portier des Präsidentenpalais in Warschau bekommt ein Paket zugestellt. Absender ist Präsident Selenskyj, der seinen höchsten polnischen Orden fein säuberlich und öffentlich verpackt der Post anvertraut hat. Auch die ehemaligen Ukraine-Präsidenten Kutschma, Juschtschenko und Poroschenko schicken ihre Orden zurück.
Ursache: Der Orden war Selenskyj von Polens Präsidenten Nawrocki entzogen worden. Der Grund: Eine ukrainische Armee-Einheit bekam den Namen der Partisanenarmee UPA, die im Zweiten Weltkrieg gegen die Sowjetunion gekämpft, aber auch Zehntausende Polen ermordet hat.
So heikel ist Geschichte, wenn sie nie richtig aufgearbeitet wurde. Die Wunden sind nur oberflächlich vernarbt.
Polen zählt zu den größten Unterstützern des ukrainischen Verteidigungskampfes. Wenn es aber zum Belastungstest kommt, zeigt sich, dass die Hilfe vor allem als Schutzmauer gegen Russland gedacht ist.
Beide Staaten werden nun von nationalistischen Aufwallungen geschüttelt. Gegenseitige Vorurteile feiern fröhliche Urständ. Wer die Vergangenheit verdrängt statt annimmt, ist dazu verurteilt, sie immer wieder zu erleben.
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