Wenn andere Bundesländer als Wien gerade über die Hitze stöhnen, meinen sie damit einen Juli, wie ihn die Bundeshauptstadt vor rund 100 Jahren hatte. Und vor allem: Das Hitze-Plus der Bundeshauptstadt im Vergleich zum Rest des Landes nimmt weiter zu.
Eine neue Langzeit-Auswertung des arbeitnehmernahen Momentum Instituts mit Daten von GeoSphere Austria zeigt: Unter allen Bundesländern ist Wien mit Abstand jenes mit der höchsten Temperatur. Ein durchschnittlicher Juli in Wien ist mit 22,7 Grad Celsius inzwischen 5,1 Grad wärmer als der österreichische Durchschnitt, und sogar 5,3 Grad, wenn man ihn mit dem Mittelwert aller anderen Bundesländer ohne Wien vergleicht.
Gesundheitgefahr steigt mit jedem Zehntelgrad mehr
Versiegelung, Verkehr und mehr lassen den Temperatur-Abstand zu weniger dicht besiedelten Gegenden zudem ständig wachsen: Allein seit der Jahrtausendwende ist das Wiener Hitze-Plus gegenüber dem Rest des Landes um 0,4 Grad gewachsen, obwohl auch dort der Klimawandel zuschlägt: In den letzten 25 Jahren ist die Sommertemperatur österreichweit fünfmal so stark gestiegen wie in den 150 Jahren davor (siehe Grafik unten).
Das Momentum Institut mahnt zu bundesweiten gesetzlichen Schritten gegen die Versiegelung und klimaschädliche Subventionen, denn auch in Österreich werde Klimaschutz zusehends zum Schutz von Menschenleben: Die Hitze nimmt zu, die Belastbarkeit des menschlichen Organismus bleibt jedoch gleich.
Modellrechnungen zeigen: Allein ein weiterer Anstieg um 1,5 Grad würde die Zahl der Hitzetoten in Österreich fast verdoppeln. Ab ungefähr 3,5 Grad mehr würde die Zahl der Hitzetoten die Zahl der Kältetoten zu übertreffen beginnen. Und ein Plus von vier Grad würde die Zahlen sogar vervierfachen. Am meisten betroffen davon wäre Wien.
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