Bei innerstädtischen 35 Grad flüchten sich die Wiener am Wochenende ins kühle Nass. Schon am Vormittag klingelten die Bäderkassen ordentlich, zeigte ein „Krone“-Lokalaugenschein.
„Gorgias“ heizt uns ganz schön ein. Denn der Dichter und Philosoph aus dem antiken Griechenland ist zugleich Namensvetter des aktuellen Hochdruckgebiets, das die heißen Luftmassen zu uns lenkt. Übersetzt bedeutet „Gorgias“ aber auch „der Schreckliche“.
Für manche wohl eine passende Beschreibung des aktuellen Hitzeeinbruchs mit Temperaturen weit über 30 Grad. Schutz vor dem „Schrecklichen“ suchten die Wiener am Samstag vor allem in den Freibädern.
„Es ist auch im Schatten schon zu heiß“, sagen Josef (20) und Fabian B. (21), die gerade auf der schon leicht bräunlichen Liegewiese im Ottakringer Kongressbad ihr Lager für den Tag aufschlagen. Ausgestattet mit Kühltaschen, wollen sie bis zum Abend bleiben.
Anna (40) und Erika S. (68) hingegen werden den Heimweg relativ früh antreten. „Um 14 Uhr bin ich wieder weg“, sagt Erika S., ihre Tochter nickt zustimmend. Seit acht Uhr früh lassen es sich die Kabinenmieter gut gehen – mit Sekt und kleinen Snacks. „Das Sportbecken schätze ich am meisten hier“, so Anna S. Deshalb ist das Kongressbad für sie an den Wochenenden im Sommer ein Fixpunkt, meint sie.
„Wir haben hier eine Kabine gemietet. Das Kongressbad ist unser Favorit, vor allem wegen des Sportbeckens. Wir kommen aber meistens nur vormittags, weil da weniger los ist.“

Anna und Erika S. (40 und 68)
Stammgäste im Kongressbad
Bild: Gerhard Bartel
Nicht mehr nur Nobel-Bad
Ortswechsel in das Krapfenwaldlbad in Grinzing. Über den Dächern Wiens liegend, hat es sich über die Jahre den Ruf des Nobel-Bads erarbeitet. Doch es ist nicht mehr nur die Schickeria, die hier ihre Wochenenden verbringt. „Es ist schon viel durchgemischter“, sagt Kellnerin Xenia der „Krone“.
Es kämen auch immer mehr Touristen. So etwa Camilla K. (28) und Lucrizia L. (28) aus Italien. Am Krapfenwaldlbad gefällt ihnen vor allem die Aussicht, aber auch die vielen Schattenplätze. „Die Hitze merkt man hier gar nicht so“, freuen sie sich.
„Wir kommen aus Italien. Hier merkt man die Hitze gar nicht so. Es ist toll, dass es so viele Schattenplätze gibt.“

Camilla K. und Lucrizia L. (beide 28)
Besucher des Krapfenwaldlbades
Bild: Gerhard Bartel
Kompromiss bei Preisen
Wirft man einen Blick auf die Speise- und Getränkekarten, unterscheiden sich die Preise hier nicht groß von jenen in anderen Bädern. Eine Schnitzelsemmel bekommen Gäste für 6,10 Euro und Frankfurter mit Brot für 6,50 Euro. Zum Vergleich: im Kongressbad ist die Schnitzelsemmel ebenso für 6,10 Euro zu haben. Frankfurter kosten hier aber doch nur 5,90 Euro.
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