Vorschriftswidrig?

Pumpen am Friedhof: Verantwortlichen droht Ärger

Wien
21.06.2026 16:00

Die Aufregung um die umstrittene neue Fitness-Anlage am Meidlinger Friedhof in Wien geht weiter. Während der Bezirk zu unangenehmen Fragen dazu auf Tauchstation geht, könnte die Aktion für die Verantwortlichen unangenehme Folgen haben: Vielleicht war sie von Anfang an vorschriftswidrig.

Mit dem neuen, umstrittenen „Nutzungskonzept“ am Meidlinger Friedhof sorgte die Stadt für einen ordentlichen Aufschrei. Mitten zwischen den Gräbern wurde dort eine Mucki-Bude errichtet – wir berichteten. Der medienwirksame Auftritt von SPÖ-Stadträtin Ulli Sima, Friedhöfe-Chefin Renate Niklas und Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) ging ordentlich nach hinten los. Es hagelte heftige Kritik.

„Ein Verstoß gegen die Bestattungsordnung!“
Unzählige Zuschriften erreichten die „Krone“-Redaktion. Dutzende Leser sprechen von „Pietätlosigkeit“ und „Respektlosigkeit“ gegenüber einem Ort, der eigentlich Trauernden und dem stillen Abschied gewidmet ist. Die ÖVP Wien startete sogar eine Petition samt Unterschriftenaktion. Ausgestanden ist die pikante Affäre jedenfalls noch lange nicht. Der langjährige Meidlinger Bezirksrat Franz Schodl (Pro Hetzendorf) überlegt jetzt sogar, rechtliche Schritte einzuleiten.

Zankl, Niklas und Sima präsentierten die Fitnessgeräte zwischen den Gräbern zuletzt stolz als ...
Zankl, Niklas und Sima präsentierten die Fitnessgeräte zwischen den Gräbern zuletzt stolz als Teil des neuen Nutzungskonzepts für den Meidlinger Friedhof.(Bild: Martin A. Jöchl)

„Niklas, Sima und Zankl lieferten unzulässigerweise in Wort und Tat Rahmenbedingungen, gegen gesetzlich verankerte Bestimmungen der Wiener Bestattungsanlagenordnung (BAO) zu verstoßen!“, kritisiert Schodl scharf. Paragraf 7 dieser Verordnung besagt nämlich, dass „das Verhalten während des Aufenthalts auf den Friedhöfen dem Ernst, der Würde und der Widmung eines Friedhofes“ zu entsprechen habe: „Es sind daher insbesondere das Lärmen sowie das Betteln verboten“, heißt es darin.

Unangenehme Fragen für Bezirkschef „unzulässig“
Im Zentrum steht aus Schodls Sicht damit die Frage, ob die Errichtung beziehungsweise Bewerbung der Anlage mit den Vorschriften für Bestattungsanlagen vereinbar sei. Schodl will außerdem wissen, wie viel die neuen Sportgeräte gekostet haben. Und ob vorab mit Kirchenvertretern ein Informationsgespräch geführt wurde. Er fordert jedenfalls die sofortige Demontage.

In der Meidlinger Bezirksvertretungssitzung am vergangenen Freitag hat Bezirkschef Zankl jedenfalls alle Vorwürfe zurückgewiesen, sämtliche Fragen zu der Causa unbeantwortet gelassen und sie für „unzulässig“ erklärt.

FPÖ-Gemeinderat Lukas Brucker kündigt gegenüber der „Krone“ an, dass die blaue Fraktion im Rathaus eine Anfrage an die zuständige Stadträtin Sima einbringen wird. Für die Beantwortung der 46 Fragen hat sie dann sechs Wochen Zeit. Auch die Freiheitlichen wollen die Mucki-Bude neben den Grabstätten lieber heute als morgen für immer begraben.

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