Sport zwischen Gräbern

Der Friedhof darf nicht zum Wurstelprater werden!

Wien
11.06.2026 14:01

Stolz präsentiert die Stadt nun wieder Maßnahmen für die einstigen Orte der Stille – am Friedhof in Meidling gibt es jetzt sogar eine Mucki-Bude zwischen Trauernden und Grabsteinen. Wir sagen: Das geht viel zu weit. Und was ist Ihre Meinung?

Friedhöfe waren seit jeher Orte der Ruhe, des Gedenkens und des stillen Abschieds. Bis sich die Stadt dazu entschlossen hat, die letzten Ruhestätten aus wirtschaftlichen Gründen zu vermarkten. Am Zentralfriedhof finden etwa Konzerte, Disco-Abende und Yogaeinheiten statt, es gibt dort auch eine offizielle Laufstrecke und sogar einen E-Bike-Verleih. Auch Garteln und Gemüse auf den Friedhofsflächen anbauen sind nichts Neues mehr.

Friedhöfe Wien-Chefin Renate Niklas, Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankel (SPÖ) mit ...
Friedhöfe Wien-Chefin Renate Niklas, Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankel (SPÖ) mit Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) setzten am Friedhof in Meidling auch einen Hibiskusstrauch.(Bild: Martin A. Jöchl)

Am Donnerstagvormittag wurde am Friedhof Meidling jedoch ein „neues, innovatives Nutzungskonzept“ vorgestellt. Neben einem Friedhofswäldchen und Hamsterinseln ist mitten zwischen den Grabsteinen auch eine Mucki-Bude entstanden: „Silent Fit – Bewegt sein und in Bewegung sein“. Heißt: Testosteron-Gebrülle neben Trauernden. Pietätloser geht es wirklich nicht mehr.

Stadträtin Ulli Sima spricht von einer „sehr guten Initiative“. Auch Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankel (beide SPÖ) zeigte sich begeistert. Friedhöfe-Wien-Geschäftsführerin Renate Niklas verkauft es „als Beitrag zu Gesundheit und Bewegung“, doch bei vielen Wienern stößt die neueste Idee auf Unverständnis.

„Tod gehört zum Leben. Daher soll das Leben zum Friedhof gehören“
„Der Tod gehört zum Leben. Daher soll auch das Leben zum Friedhof gehören“, legt die Chefin von 46 Ruhestätten kühl nach. Gehören Fitnessgeräte und Freizeitangebote wirklich neben Gräber? Soll der Friedhof ein Ort der Stille bleiben oder sich zu einem zweiten Wurstelprater wandeln? Wir sind auf die Meinung unserer Leser sehr gespannt.

Schreiben Sie uns: wien@kronenzeitung oder an Wien Krone, Muthgasse 2, 1190 Wien

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