Wifo-Chef im Interview

Ist die Produktion bei uns tot, Herr Felbermayr?

Oberösterreich
21.06.2026 14:00

Gabriel Felbermayr ist Direktor des Wirtschaftsforschungsintituts Wifo und seit Kurzem auch Wirtschaftsweiser in Deutschland. Mit der „Krone“ spricht er über sein Heimatbundesland, die Industrie und die „besten Dieselmotoren der Welt“.

„Krone“: Sie sind gebürtiger Oberösterreicher, genauer gesagt aus Steyr. Das ist mit dem BMW-Werk eine der industriellen Hochburgen. Wie blicken Sie heute auf Ihr Heimatbundesland?
Gabriel Felbermayr: Immer noch mit großem Stolz. Ich glaube, man kann mit Zuversicht und mit Optimismus auf die Transformation blicken. Steyr ist ein schönes Beispiel: Im BMW-Werk wurden die besten Dieselmotoren der Welt gebaut. Und jetzt werden eben E-Motoren in Steyr gebaut, zum Beispiel für das weltweit geyhpte neue Modell ix3.

Weniger optimistisch klang eine Aussage des neuen indischen KTM-Eigentümers aus dem Vorjahr, der behauptet hat, die europäische Produktion sei tot. Stimmt das?
Er kann sich maximal bezogen haben auf das Produzieren von Kleinmotorrädern in Mattighofen und Umland. Das mag sein. Aber zu sagen, die industrielle Produktion insgesamt in Oberösterreich sei tot – da würde ich auf jeden Fall widersprechen.

Wieso?
Weil die Grundlagen, auf denen industrielle Stärke gewachsen ist, nach wie vor da sind. Das hat zu tun mit den gut ausgebildeten Arbeitskräften, mit dem Unternehmergeist, mit Forschung und Entwicklung sowie Innovationstätigkeit.

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Industriestärke ist in Summe eher ein Vorteil.

Gabriel Felbermayr

Ein Viertel der gesamten österreichischen Warenausfuhren kommt aus Oberösterreich. Hat sich OÖ durch diesen extremen Exportfokus nicht zu abhängig gemacht, Stichwort US-Zölle?
Ja schon. Wenn man sich fragt, warum das regionale Wachstum in Wien jetzt höher als in OÖ war, dann hat das viel mit dem Gewicht der Industrie zu tun. Und die Industrie ist exportlastig. Wenn man sich zum Beispiel auf Bestandteile von Flugzeugen spezialisiert, wie FACC: Wie soll das auch anders gehen, als dass man exportiert nach Hamburg oder nach Seattle, wo diese Dinge in Flugzeuge verbaut werden? Aber Industriestärke ist in Summe eher ein Vorteil. So sind Industriearbeitsplätze in vielerlei Hinsicht besonders wertvoll.

Das Land OÖ subventioniert den Flug von Linz nach Frankfurt mit bis zu 36 Millionen Euro. Braucht der Wirtschaftsstandort denn tatsächlich einen dermaßen teuer subventionierten Airport?
Wenn es gelingt, den Weg nach Schwechat schneller und günstiger zu gestalten, kann man wahrscheinlich auf eine Direktverbindung verzichten. Der Flughafen ist aber auch ein Statussymbol. Das darf man nicht unterschätzen. Ein Industrieland, das weit entfernt ist von großen Verkehrskreuzen, hat ein Problem, sich international darzustellen.

Sie wurden in den Rat der deutschen Wirtschaftsweisen berufen. Wenn Sie die deutsche Wirtschaftspolitik vergleichen mit der eher hemdsärmeligen in OÖ – was kann Berlin von Linz lernen?
Die oberösterreichische Politik ist in der Lage, mit den Unternehmen ziemlich maßgeschneiderte Wege zu finden. Das geht in OÖ mit eineinhalb Millionen Einwohnern. Das geht in Bayern mit 13 Millionen Einwohnern nicht. Da haben wir einfach einen Vorteil in der kleineren Struktur.

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