




Riesiges Glück hatten zwei Insassen eines Klein-Lkw am Donnerstag, die sich aus den Überresten des Fahrzeuges nach einer Kollision mit einer Lok der Franz-Josefs-Bahn noch selbst befreien konnten. Fahrgäste mussten evakuiert werden, die Bahnstrecke wurde mehr als acht Stunden gesperrt.
„Da reichen ein paar nicht mehr – die beiden hatten 1000 Schutzengel!“, heißt es in der Gemeinde Sigmundsherberg nach einem schweren Zugunglück, das zum Glück aber kein Leben kostete: Auf der Franz-Josefs-Bahn erfasste am Donnerstag, 18. Juni, kurz nach Mittag der Zug einen Kastenwagen bei Kainreith im Bezirk Horn mit voller Wucht.
Nach dem tragischen Unglück in Allentsteig ist das der nächste Zugunfall auf der Bahnstrecke im Waldviertel innerhalb weniger Wochen.
Schwere Gehirnerschütterung und Knochenbrüche ...
Der Lenker dürfte dabei das Lichtsignal wegen der grellen Sonne übersehen haben. Der Kastenwagen einer Installateursfirma aus dem heimischen Bezirk wurde dabei im hinteren Teil regelrecht zerfetzt. Wie durch ein Wunder konnten sich beide Insassen – ein Geselle und Lehrling – selbst noch aus dem Klein-Lkw befreien. Ersten Meldungen zufolge kam der Geselle mit einer schweren Gehirnerschütterung und der Lehrling mit einem oder mehreren Knochenbrüchen an den Extremitäten (Arme oder Beine) davon.
Werkzeug und Material des Kastenwagens wurden bis zu 200 Meter weit weg geschleudert.

Unterabschnittskommandant Roland Kloiber schildert, wie es am Unfallort aussah.
Bild: FF Sigmundsherberg
Unterabschnittskommandant Roland Kloiber unterstützte die Einsatzleitung vor Ort. „Die Fahrzeuginsassen hatten ein riesiges Glück. Wären Sie nur eine Millisekunde später dran gewesen, hätte der Zug die Fahrgastzelle erfasst“, sagt der Feuerwehr-Chef. Werkzeug und Material seien dort bis zu 200 Meter weit weg geschleudert worden, sagt er zum Unglücksort. Ein Werkzeugkoffer bohrte sich sogar in die Front der Lok hinein (siehe Foto unten).
30 Zuginsassen evakuiert
An der Ortsausfahrt von Kainreith, wo der Zug gewöhnlich mit 120 km/h vorbeibraust, wurde der Wagen im hinteren Bereich erfasst und die Ladezone dabei völlig zerrissen. Die Feuerwehren evakuierten etwa 30 Zuginsassen und brachten sie zum Bahnhof Sigmundsherberg, wo die ÖBB die Weiterfahrt sicherstellten. Weder die Passagiere noch der Lokführer wurden bei der Kollision verletzt.





Gleisschäden machten längere Sperre nötig
Die Franz-Josefs-Bahnstrecke musste dennoch ab dem Unfall bis 20.30 Uhr im Abschnitt zwischen Hötzelsdorf-Geras und Sigmundsherberg gesperrt werden. „Die Strecke musste länger gesperrt werden, weil auch Schäden am Gleis entstanden sind“, erklärte ÖBB-Sprecher Christopher Seif dazu.
Seif warnt zudem: „Wenn bei einer Eisenbahnkreuzung aufgrund der Sonneneinstrahlung keine guten Sichtverhältnisse vorherrschen, die die Wahrnehmung der Signalanlagen erschweren, ist noch größere Vorsicht und Aufmerksamkeit geboten.“ Denn – wie die „Krone“ schon oft berichtete – ein Zug kann keinesfalls mehr rechtzeitig an einer solchen Kreuzung stehen bleiben. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass die Sicherungsart an einer Eisenbahnkreuzung durch die zuständige Eisenbahnbehörde bei einer Verhandlung vor Ort individuell festgelegt werde, was in aller Regel nicht die ÖBB sei.
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