Die Vorarlberger Sozialdemokraten fordern ein sofortiges Umdenken der Landesregierung bei der geplanten Spitalsreform. Statt über teure Strukturen zu debattieren, sollten konkrete Schritte erfolgen, um das Spitalspersonal zu entlasten und die Gesundheitsversorgung für die Vorarlberger zu verbessern.
Scharfe Kritik an der gesundheitspolitischen Weichenstellung der schwarz-blauen Regierung übten SPÖ-Gesundheitssprecherin Manuela Auer und Krankenhaus-Betriebsrätin Patricia Zangerl am Freitag. Sie warfen der Landesregierung vor, Millionen an Steuergeldern in eine Spitalsreform zu stecken, für die es kein langfristiges Konzept über das Jahr 2030 hinaus gebe. Gleichzeitig würden wirksame Maßnahmen zur Entlastung der Kliniken und des Personals verschleppt. „Die Kosten explodieren bereits jetzt. Das ist keine zielgerichtete Reform, sondern vielmehr ein planloses Herumdoktern – und das auf Kosten der Patientinnen und Patienten“, erboste sich Auer.
Acute Community Nurses
Als zentralen Hebel zur Entlastung der Spitäler sieht die SPÖ das Modell der sogenannten Acute Community Nurses (ACN). Dabei handelt es sich um diplomiertes Pflegepersonal mit einer Zusatzausbildung im Notfallsanitätswesen. Diese mobilen Kräfte könnten Patienten nach der Entlassung direkt zu Hause betreuen – etwa für Infusionstausche oder Katheterwechsel. „Für solche Routineeingriffe müsste niemand extra ins Krankenhaus. Das verhindert unnötige Wiedereinweisungen und entlastet auch die Hausärzte“, erklärte Betriebsrätin Zangerl. Obwohl der Landtag bereits 2025 einem entsprechenden SPÖ-Antrag zustimmte und auch der Landesrechnungshof das Modell empfahl, passierte in Vorarlberg nichts. Andere Bundesländer wie Niederösterreich oder Salzburg seien hier längst Vorreiter.
Erstversorgungszentren nur „Wahlzuckerl“
Ein weiteres Versäumnis ortet die SPÖ bei den Erstversorgungsambulanzen (EVAs), die den Spitälern eigentlich die Patientenströme vom Hals halten sollen. Die vor der Landtagswahl in Bregenz etablierte EVA sei laut Zangerl ein reines „Wahlzuckerl“ geblieben. „Bis auf die Beschilderung hat sich für die Beschäftigten kaum etwas verändert.“ Die Ambulanz sei noch immer nicht räumlich ausgelagert, sondern in den alten Provisorien untergebracht, wodurch das eigentliche Potenzial komplett verloren gehe. Das rote Duo fordert von der Landesregierung einen raschen Kurswechsel: Investitionen in funktionierende Erstversorgungsambulanzen, Telemedizin und der sofortige Start eines Pilotprojekts für die mobilen Akut-Pfleger (ACN) müssten Vorrang vor millionenschweren, unklaren Strukturreformen haben.
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