Sie stahlen in Vorarlberg aus unversperrten Autos Bankomatkarten und Bargeld, klauten E-Bikes und Scooter aus Kellerabteilen und begingen Sachbeschädigungen. Am Donnerstag mussten sich die fünf zum Teil einschlägig vorbestraften jungen Herrschaften am Landesgericht Feldkirch verantworten.
„Es ist wirklich tragisch. Jetzt sind sie alle noch so jung und stehen schon wieder vor Gericht“, sagt der Vorsitzende Richter Martin Mitteregger gleich zu Beginn. Es ist ein Satz, der über diesem Verhandlungstag schwebt. Denn was sich vor dem Schöffensenat abspielt, ist die Geschichte einer Gruppe junger Männer, die trotz Haft, Ermahnungen und wiederholter Chancen immer noch ein Leben auf der schiefen Bahn führen.
Der Jüngste ist gerade einmal 15 Jahre alt. Die anderen Angeklagten sind 16, 17 und 21 Jahre alt. Die meisten von ihnen kennen das Gefängnis bereits von innen. Schon bei früheren Verfahren hatten sie sich vermeintlich einsichtig gezeigt, Besserung gelobt und von einer strahlenden Zukunft gesprochen. Und doch sitzen sie erneut im Gerichtssaal – zwei von ihnen werden sogar direkt aus der Untersuchungshaft vorgeführt.
Es ist wirklich tragisch. Jetzt sind sie alle noch so jung und stehen schon wieder vor Gericht.
Richter Martin Mitteregger
„Autobingo“ in der Dauerschleife
Die Liste der Vorwürfe ist lang: Mehr als 100 Delikte wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten vor. Im Zentrum stehen etliche schwere gewerbsmäßige Einbruchsdiebstähle – in wechselnden Konstellationen oder als Einzeltäter. Immer wieder sollen Fahrzeuge aufgebrochen und durchsucht worden sein. Teilweise wurden dabei auch Fahrzeugschlüssel gefunden und Autos unbefugt in Betrieb genommen. Drei dieser Fahrten endeten laut Anklage mit einem Unfall. Auch E-Bikes und E-Scooter sollen gestohlen worden sein. Dazu kommen Urkundenunterdrückung, schwere Sachbeschädigung und weitere Eigentumsdelikte. Einem Angeklagten werden darüber hinaus Nötigung und ein Delikt nach dem Notzeichengesetz vorgeworfen.
Eine Tat führte zur anderen
Ins Rollen kam der Fall durch gestohlene Bankkarten. Videoaufzeichnungen brachten die Ermittler auf die Spur der Beschuldigten. Nach und nach konnten zahlreiche Taten zeitlich und örtlich dem Quintett zugeordnet werden. Vor Gericht zeigen sich die arbeitslosen Angeklagten geständig. Die Verteidiger verweisen auf familiäre Probleme sowie Drogen- und Alkoholmissbrauch. Der 15-Jährige erklärt: „Nach meiner ersten Haft habe ich versucht, neu anzufangen. Ich war clean und hatte alle Auflagen eingehalten.“ Doch dann hätte er wieder den Halt verloren. „Ich habe mein Leben verbockt.“ Auch der 21-Jährige räumt ein, sein Leben „weggeschmissen“ zu haben. Nachdem ihn seine Eltern hinausgeworfen hätten, sei er in die Drogenszene geraten und habe Geld gebraucht.
Urteile bereits rechtskräftig
Die Urteile sind schnell gefällt: Der 15-jährige Erstangeklagte erhält eine Zusatzstrafe von neun Monaten. Der Zweitangeklagte fasst 14 Monate Zusatzstrafe aus. Für den zunächst mit einer Diversion bedachten Drittangeklagten gibt es vier Monate Haft auf Bewährung samt Bewährungshilfe. Der vierte Angeklagte erhält fünf Monate Haft auf Bewährung und ebenfalls eine Bewährungshilfe. Der Fünftangeklagte wird zu drei Monaten Haft verurteilt. Weil er diese bereits in Untersuchungshaft verbüßt hat, kann er das Gericht als freier Mann verlassen. Die Urteile sind rechtskräftig.
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