Ein sicherer Hafen

Jugendnotschlafstelle „anker“ zieht Bilanz

Vorarlberg
18.06.2026 17:25
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Familiäre Konflikte, Gewalt oder plötzliche Obdachlosigkeit: Wenn Jugendliche keinen Ausweg mehr sehen, bietet die Dornbirner Notschlafstelle „anker“ einen sicheren Rückzugsort. Zum fünfjährigen Bestehen ziehen die Verantwortlichen Bilanz über ein Angebot, das mehr als nur ein warmes Bett bietet. 

Niemand verlässt sein Elternhaus mitten in der Nacht grundlos. Wenn Jugendliche den Weg in die Jugendnotschlafstelle „anker“ in Dornbirn suchen, liegt hinter ihnen meist ein schwerer familiärer oder persönlicher Bruch. Seit genau fünf Jahren bietet die Einrichtung jenen Halt, die in diesem Moment keinen anderen Ausweg mehr wissen. Zum Jubiläum ziehen die Verantwortlichen eine beeindruckende Bilanz: 643 Jugendliche fanden hier seit dem Start am 16. Juni 2021 Schutz, Orientierung und professionelle Begleitung. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 4013 Nächtigungen verzeichnet.

Einrichtungsleiterin Tanja Tschabrun.
Einrichtungsleiterin Tanja Tschabrun.(Bild: koje)

„Viele Jugendliche kommen nicht zu uns, weil sie möchten, sondern weil sie in diesem Moment keine andere Lösung sehen“, beschreibt Einrichtungsleiterin Tatjana Tschabrun die oft dramatische Realität der jungen Menschen. Die Gründe für die akuten Notlagen sind vielschichtig: Sie reichen von eskalierenden familiären Konflikten und psychischen Krisen bis hin zu offener Gewalt im direkten Umfeld.

Niedrigschwellige Hilfe als Erfolgsrezept
Neben einem warmen Bett und einem sicheren Rückzugsort für die Nacht deckt der „anker“ auch die existenziellen Grundbedürfnisse ab. Die Jugendlichen erhalten Zugang zu Nahrung, sanitären Anlagen, frischer Kleidung und psychosozialer Beratung. Dass der Bedarf weit über das reine Übernachten hinausgeht, zeigt die Statistik der sogenannten Basisversorgungen: 1466 Mal wurde Jugendlichen geholfen, die zwar keinen Schlafplatz in Anspruch nahmen, aber tagsüber dringend auf Unterstützung oder Beratung angewiesen waren.

Lukas Gstrein ist der stellvertretende Leiter der Einrichtung.
Lukas Gstrein ist der stellvertretende Leiter der Einrichtung.(Bild: koje)

Der Schlüssel zur erfolgreichen Arbeit liegt im Konzept der Einrichtung. „Entscheidend ist der niedrigschwellige und wertschätzende Zugang“, betont der stellvertretende Leiter Lukas Gstrein. Nur wenn sich die jungen Menschen ohne Vorurteile angenommen fühlen, gelinge es, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, sie emotional zu stabilisieren und an passende, weiterführende Hilfseinrichtungen zu vermitteln. 

Kooperation mit anderen Netzwerkpartnern
Damit aus einer akuten Krise eine nachhaltige Zukunftsperspektive werden kann, setzt der „anker“ auf eine enge Kooperation mit regionalen Netzwerkpartnern wie dem Familienkrisendienst, dem ifs (Institut für Sozialdienste), der ARGE Wohnungslosenhilfe Vorarlberg sowie der Kinder- und Jugendhilfe. Ermöglicht wird das Angebot durch die finanzielle Unterstützung des Sozialfonds, des Landes Vorarlberg, der Gemeinden sowie durch zahlreiche private Spenden.

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