16-Jähriger attackiert

Mordversuch-Prozess: „Mogli hatte Riesenglück“

Oberösterreich
05.08.2026 14:00

Ein 23-jähriger Libanese musste sich am Mittwoch wegen versuchten Mordes am Landesgericht Linz verantworten. Er soll im Dezember des Vorjahres bei einer Auseinandersetzung vor einem Asylheim mit einem Messer mehrfach auf einen erst 16-Jährigen eingestochen haben. Vor Gericht sprach er von Notwehr. 

„Das Opfer hatte Riesenglück. Dass er noch lebt, ist der Kunst der Ärzte zu verdanken“, schildert die Staatsanwältin die Verletzungen des 16-jährigen Irakers, der von allen nur Mogli genannt wird. Denn als der Bursch am 17. Dezember 2025 nach einer Auseinandersetzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde, wies er mehrere Stichverletzungen im linken Oberkörper und zwei am Kopf auf. Eine Notoperation rettete das Leben des 16-Jährigen.

Drei Mädchen zu Gast
Doch zur Vorgeschichte: An jenem Tag sollen drei Mädchen und ein Freund in der Wohnung des Angeklagten (23) in einem Asylheim in Leonding zu Gast gewesen sein. Dort sei Alkohol getrunken worden, der 23-Jährige habe auch Drogen konsumiert. Am Abend riefen die Mädchen einen Freund an, weil sie sich abholen lassen wollten.

Messer mitgenommen
Schon bei diesem Videotelefonat sei es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Freund und dem Angeklagten gekommen. Als gegen 20.30 Uhr drei Männer mit dem Auto vor der Unterkunft eintrafen, wurden sie vor dem Haus schon von dem Libanesen erwartet. Im Hosenbund trug er ein dolchartiges Messer, das zuvor in seiner Wohnung als Deko aufgehängt gewesen war.

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Ich war daneben, wusste nicht, was ich gemacht habe.

Der Angeklagte vor Gericht

Widersprüchliche Aussagen
Über den weiteren Verlauf des Abends gibt es zwei unterschiedliche Varianten. Der Angeklagte behauptet, das 16-jährige Opfer hätte ihn mit einem Faustschlag zu Boden gebracht. Von dort aus habe er einmal aus Notwehr mit dem Messer zugestochen. An Details könne er sich nicht erinnern: „Ich war daneben, wusste nicht, was ich gemacht habe.“ Das Messer habe er „aus Angst vor den Besuchern“ mitgenommen und weil er einen Streit erwartet habe.

Zweite Person verletzt
Zeugen und Opfer hingegen sagten aus, Opfer und Täter seien im Zuge einer Rangelei zu Boden gestürzt. Daraufhin habe der Angeklagte seinen Dolch gezückt und mehrfach auf den 16-Jährigen eingestochen. Ein Anwesender soll sich noch schützend über den Burschen geworfen haben, wurde ebenfalls verletzt.

Tatwaffe verschwunden
„Warum lügt Ihr Freund?“, will der Richter vom Angeklagten angesichts der widersprüchlichen Aussagen wissen. „Ich weiß es nicht“, so die Antwort. Nach der Attacke soll der 23-Jährige in die Unterkunft zurückgekehrt sein, wurde dort laut eigenen Angaben von Mitbewohnern entwaffnet – von dem rund 20 Zentimeter langen Messer fehlt bis heute jede Spur.

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Er hat seither eine Angststörung, schämt sich für seine lange Narbe im Brustbereich.

Vertreterin über das Opfer

Opfer fordert Schmerzensgeld
Das Opfer hat sich dem Prozess mit einer Schmerzensgeldforderung angeschlossen. „Er hat seither eine Angststörung, schämt sich für seine lange Narbe im Brustbereich“, schildert seine Vertreterin. Während sie über die Folgen der Attacke spricht, bricht der anwesende Bruder des 16-Jährigen in Tränen aus.

Urteil am Freitag
In zwei Prozesstagen sollen zahlreiche Zeugen und Sachverständige zu Wort kommen. Ein Urteil ist für Freitagabend zu erwarten. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Angeklagten zehn bis zwanzig Jahre oder lebenslange Haft.

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