Jene jungen Tiroler, die filmten, als sie das Leben von Samtpfote „Schmotzer“ auf brutale Art und Weise auslöschten, kamen im Prozess mit ihrer Verantwortung durch. Die Aufregung ist nach den vier Freisprüchen groß. Tierschützer und Anwälte fordern indes härtere Strafen für Tierquälerei und einen Tierschutzbeauftragten in der Justiz, der tierischen Opfern eine Stimme gibt.
Die Aufregung um die rechtskräftigen Freisprüche im Fall des in Tirol von vier jungen Männern brutal getöteten Katers „Schmotzer“ ist groß. Der „Krone“-Bericht zu den Urteilen im Prozess um Tierquälerei hatte innerhalb weniger Stunden mehr als 1000 Leser-Kommentare.
Einer, der sich seit Jahrzehnten für den Tierschutz einsetzt, ist der bekannte Wiener Rechtsanwalt Rudolf Mayer. Gemeinsam mit vielen seiner Kollegen spricht er sich für härtere Strafen für Tierquäler und eine Gesetzesreform aus. Aktuell drohen diesen maximal zwei Jahre Haft, wobei die Urteile in der Praxis fast immer bedingt ausgesprochen werden.
Strafen haben nicht nur die Funktion abzuschrecken, sondern sie drücken auch die Wertehaltung in einer Gesellschaft aus.

Anwalt Rudolf Mayer fordert einen Tierschutzbeauftragten in der Justiz.
Bild: Mario Urbantschitsch
„Strafen haben nicht nur die Funktion abzuschrecken, sondern sie drücken auch die Wertehaltung in einer Gesellschaft aus“, sagt er, „alles, was in die Richtung geht, dass ein Tier wie eine Sache bewertet wird, gehört radikal geändert.“
Eine Handykamera filmte jene Szenen mit, die das Leben von Kater „Schmotzer“ qualvoll beendeten. Was ist darauf dokumentiert?
Es beginnt damit, dass einer der Freigesprochenen den am Wiesenrand liegenden Kater festhält. Er trägt schwarze Handschuhe. Ein anderer setzt das Bolzenschussgerät an der Stirn des Katers ab und drückt ab. Im Hintergrund ist Gelächter zu hören.
Dann schlägt einer der Männer mit einer Schaufel mehrmals auf den rot-weiß-gefleckten Kater ein. Immer wieder trifft er mit voller Wucht und unter Kommentaren der anderen den Kopf des Tieres. Der Kater zuckt am ganzen Körper. Es wirkt so, als würde „Schmotzer“ versuchen, mit letzter Kraft wegzulaufen. Sein Kopf ist blutüberströmt.
So etwas wie „Schieß no einmal drauf bitte“ ist im Hintergrund zu hören. Die Beine der Fellnase bewegen sich immer noch. Ehe einer der jungen Männer der Samtpfote mit einem Messer die Kehle durchschneidet.
Mayer schlägt daher vor, dass ein Tierschutzbeauftragter im Bereich der Justiz installiert werden sollte. Dieser sollte in Prozessen als Opfervertreter der gequälten Lebewesen auftreten dürfen: „Das hätte den Vorteil, dass jemand für ein Tier einschreitet, auch wenn es keinen menschlichen Besitzer gibt. Damit das Tier im Gericht eine Stimme hat.“ Neben höheren Strafen fordert Mayer auch, dass Tierquäler mit Geldstrafen zur Kasse gebeten werden: „Die jetzigen Regelungen entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist.“
Tierschützer fordern Konsequenzen
Das sehen auch jene Tierschützer so, die sich am Dienstag vor dem Landesgericht Innsbruck zur Mahnwache versammelt haben. Nach den vier Freisprüchen im Fall um den getöteten Kater „Schmotzer“ war die Enttäuschung groß – sie forderten Gerechtigkeit. Zumal das Video, das den Todeskampf der Samtpfote zeigt, eine eindeutige Sprache spricht.
Aus Sicht der Demonstranten wurde keines dieser Anliegen erfüllt. Als sie das Urteil hörten, zeigten sich viele fassungslos. Die Tierschutzaktivistin und Organisatorin der Mahnwache, Barbara Graf meinte dazu: „Wenn selbst das Leid der Katze im Gerichtssaal den Menschen so gleichgültig ist, was passiert dann mit den Nutztieren? Die haben dann überhaupt keine Rechte mehr.“ Sie sprach außerdem vom „schwärzesten Tag für den Tierschutz“ und warnte zudem vor möglichen Nachahmern.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.