Mit seiner achten EM-Teilnahme in Folge seit 2010 steigt Andreas Vojta bei den Titelkämpfen in Birmingham zum „Europarekordler“ auf. Nur drei weitere Athleten schafften diese großartige Serie, die für den Niederösterreicher aber nur ein „witziges, statistisches Schmankerl“ ist. Vojta: „Für mich zählt nur das Gesamtbild dieser 16 Jahre. Am Ende des Tages steht das Performen auf einem guten Level in einer langen Zeit.“ Das ist dem 37-Jährigen bestens gelungen.
In Birmingham schließt sich für ihn mit dem Start über die klassischen 42,195 km ein Kreis. Begonnen hatte er bei seiner Premiere über 1500 m, dann folgten Starts über 5000 m, 10000 m und im Halbmarathon. Jetzt also der Marathon. „Damit habe ich alles von unten bis oben durchprobiert. Es ist eine Freude und Ehre für mich, diese Bandbreite geschafft zu haben. Ich habe mich immer motiviert und es gut geschafft, mich an neue Ziele heranzutasten.“
„Ein Zufallsprodukt des Ganzen“
So schaffte Andreas Vojta, der Mann mit dem langen Atem, seine achte EM-Teilnahme. In Folge seit 2010 haben dies nur der 35 Jahre alte norwegische Hammerwerfer Eivind Henriksen (2022 EM-Bronze) und der 44 Jahre alte griechische Dreispringer Dmitíos Tsíamis (2018 EM-Bronze) geschafft. Hinzu kommt der italienische Marathonmann Daniele Meucci (EM-Gold 2014), der von 2006 bis jetzt auf acht EM-Teilnahmen kommt. Vojta: „Es war aber nie mein Ziel, eine derart lange Serie aufzustellen. Das hat sich so ergeben, quasi ein Zufallsprodukt des Ganzen.“
2010 auf Anhieb ins Finale
Bei seiner ersten EM-Teilnahme in Barcelona 2010 hätte er nun wirklich nicht ahnen können, dass die Reise bis 2026 weitergehen würde. „Das war was Besonderes für mich, gerade auf der Bahn war es mein Durchbruch, meine erste große Meisterschaft. In Spanien vor so viel Leuten zu laufen, das war spannend. So etwas war man ja aus Österreich nicht gewohnt.“ Er erinnert sich alles ganz genau: An den Aufwärmplatz, die Fahrten mit dem Bus, das „Krone“-Interview mit mir im Teamhotel. Und an seinen großen sportlichen Erfolg. „Mit einem guten Endspurt hatte ich mir den Einzug ins Finale gesichert.“ Dort belegte er bei seiner Premiere den starken elften Platz. „Als junger Bursch hat diese EM Lust auf mehr gemacht.“ Nachsatz: „Dass so viele Europameisterschaften kommen würden, hätte ich nicht gedacht…“
In Helsinki Medaille zum Greifen nahe
Die Titelkämpfe bis jetzt brachten, wie kann es anders sein, Höhen und Tiefen. Obwohl er auch 2012 in Helsinki das 1500-m-Finale erreichte, zählt diese EM im Nachhinein eher zu seinem (kurzen) Kapitel der (kleinen) Enttäuschungen. Grund: Als Schnellster aller Vorläufe war er ins Finale aufgestiegen. „Ich war in der Form, eine Medaille gewinnen zu können.“ Doch circa 250 m vor Ziel, in aussichtsreicher Position liegend, stürzten er und der Deutsche Florian Orth „in einer dicht gedrängten Schlussrunde“. Statt einer greifbar nahen Medaille blieb Platz 10, seiner bis heute besten EM-Platzierung.
„Wunderbares Sammelsurium“
Tiefpunkt seiner EM-Karriere seien sicher die 1500-m-Sarts in Zürich 2014 und in Amsterdam 2016 („Ich war da einfach schlecht“) und das 10.000-m-Finale in München 2022 („Da hatte ich mir zuvor irgendwas eingefangen und bin dann während des Rennens komplett gestorben“). Bis heute aber unvergessen, wie er sich im Olympiastadion durchgekämpft hat, an ein Aufgeben hat er niemals gedacht. Er sagt: „Wenn es an einem Tag nicht funktioniert, gehört das halt dazu. Wenn man seine eigenen Zielsetzungen nicht hat erfüllen können, tut das am meisten weh, weil man selbst am besten weiß, welchen Aufwand, welches Training dahintersteckt.“
Das Positive bleibt bestehen: „Ich habe in dieser Zeit so viele nationale und internationalen Athleten kennengelernt, die Leichtathletik ist ja wie eine Familie. Ich habe sportlich wie auch menschlich sehr viele coole Eindrücke gesammelt, dieses gesammelte Sammelsurium an Eindrücken zählt und ist wunderbar.“
EM-Marathon mit 700 (!) Höhenmetern
Seinem ersten EM-Marathon blickt er mit Freude, aber auch mit großem Respekt entgegen: „Es ist mein erster Meisterschafts-Marathon, das ist halt was anderes als ein City-Marathon.“ In Birmingham geht es nicht um eine gute Zeit, sondern auf dem extrem schwierigen Kurs im Zentrum der Stadt um eine möglichst gute Platzierung. „Mein Ziel ist es, besser als auf meinem Rang in der Entry List abzuschneiden.“ Dies ist der 33. Platz.
Aber dieser Marathon mit seinen acht Runden hat es in sich. Insgesamt müssen 700 Höhenmeter bewältigt werden. Ein Wahnsinn für eine Europameisterschaft. „Das wird zwar attraktiv und spannend für die Zuschauer, aber für die Läufer und Läuferinnen extrem herausfordernd. Es geht ständig rauf und runter. Ich muss gerade am Anfang viel Kraft sparen, mich nicht mitreißen lassen. Ich kann am Ende viel verlieren – aber auch viel gut machen, wenn ich mir das Rennen gut eingeteilt haben.“ Was ihm, dem „Europarekordler“, bei seiner achten EM-Teilnahme nur zu gönnen ist.
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