Das speziell für junge Menschen vom Land Vorarlberg initiierte Programm „Wohnen550“ kommt nur langsam voran: Das Interesse der Gemeinden ist überschaubar, ein zentrales Projekt in Feldkirch ist seit fast einem Jahr durch einen Rechtsstreit blockiert. Immerhin: In Hohenems, Dornbirn und Hard werden die ersten leistbaren Wohnungen bald fertiggestellt.
Mit dem üblichen Brimborium hat die Vorarlberger Landesregierung im November 2023 das Programm „Wohnen550“ der Öffentlichkeit vorgestellt: An insgesamt zehn Standorten sollen 300 günstige Zweizimmerwohnungen, die nicht mehr als 550 Euro pro Monat kosten, entstehen – ein Angebot speziell für junge Menschen. Heute, knapp drei Jahre später, ist immer noch kein einziger Wohnungsschlüssel übergeben worden.
Nachbar sieht seine Photovoltaikanlage entwertet
Was auch daran liegt, dass es für das geplante Vorzeigeprojekt in Feldkirch-Nofels nach wie vor keinen rechtskräftigen Baubescheid gibt. Grund dafür ist der Einspruch eines Nachbarn, der sich gegen die hohe Baunutzungszahl – die Anlage soll 30 Einheiten umfassen – wehrt. Sein Rechtsanwalt argumentiert, dass das hohe Gebäude die Sonneneinstrahlung für die Photovoltaikanlage seines Mandanten beeinträchtigen würde, was zu finanziellen Einbußen führe. Der Fall liegt seit beinahe einem Jahr beim Verwaltungsgerichtshof in Wien, wann das Projekt tatsächlich realisiert werden kann, steht in den Sternen.
‘Wohnen550‘ ist ein freiwilliges Angebot, das allen Gemeinden offensteht. Wir wollen dort unterstützen, wo vor Ort Bedarf besteht.
Marco Tittler, Landesrat
Erste Wohnungen ab 2027 bezugsfertig
Immerhin: Ein kompletter Rohrkrepierer ist „Wohnen550“ nicht. In einer Anfragebeantwortung an den Grünen-Wohnbausprecher Bernie Weber kündigte der zuständige Wirtschaftslandesrat Marco Tittler (ÖVP) die Fertigstellung von drei Projekten im kommenden Jahr an. Ab Februar 2027 sollen in Hohenems 18 Starterwohnungen für eine monatliche Miete von 550 Euro zur Verfügung stehen. Im Juli folgen dann weitere 26 Wohneinheiten im Dornbirner Stadtteil Hatlerdorf. Beide Wohnanlagen befinden sich bereits im Bau. Ein weiteres Projekt in Hard mit 37 Wohnungen soll bis Ende 2027 fertig sein. Der Baubescheid ist schon da, der Baubeginn steht kurz bevor. Ebenfalls in der Pipeline ist eine Anlage in Bludenz (28 Einheiten), diese könnte bei optimalem Verlauf im Frühjahr 2028 finalisiert werden.
Weitere Standorte in Prüfung, Suche oft schwierig
Zusätzlich zu den bereits fixierten Projekten prüft das Land derzeit zwei weitere Standorte für das „Wohnen550“-Programm. In Wolfurt könnte eine Anlage mit 28 Einheiten entstehen, an einem zweiten Standort in Feldkirch sind 30 Wohnungen vorgesehen. Generell gestaltet sich die Suche nach passenden Grundstücken allerdings kompliziert. Laut Tittler habe man mit acht weiteren Gemeinden Gespräche geführt, am Ende konnten jedoch keine geeigneten Flächen gefunden werden.
Tittler wehrt sich gegen den Vorwurf, dass die Umsetzung nur im Schneckentempo voranschreite. Bauvorhaben würden typischerweise mehrere Jahre von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung benötigen. Das sei bei ‚Wohnen550‘ nicht anders, zudem sei bei diesem neuen Konzept die Abstimmung mit den Gemeinden besonders wichtig. Es handle sich schließlich um ein freiwilliges Angebot, jedes Projekt werde an die jeweiligen lokalen Bedürfnisse angepasst.
Weber: „Doppelter schwarzer Bremsklotz“
Mit dieser Argumentation kann Grünen-Wohnbausprecher Bernie Weber allerdings wenig anfangen: „Es ist die Verantwortung der Landesregierung, für leistbaren Wohnraum zu sorgen. Den Stillstand mit dem Argument zu begründen, dass viele Gemeinden sich nur schwer vorstellen können, Projekte für leistbare Startwohnungen umzusetzen, ist nicht akzeptabel.“ Zudem ortet Weber ein hausgemachtes Problem innerhalb der Volkspartei: „Es sind einmal mehr die eigenen ÖVP-Bürgermeister, die auf der Bremse stehen. Gemeinsam mit der ÖVP-geführten Landesregierung ergibt das einen doppelten schwarzen Bremsklotz, der leistbares Wohnen für junge Menschen ausbremst“, schimpft der Grünen-Wohnbausprecher.
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