Die Sportfreunde Stiller haben Grund zu feiern: Die deutsche Indie-Rock-Gruppe gibt es nun seit drei Jahrzehnten, und am Freitag erscheint das neue Album mit dem passenden Titel „Happy Birthday“. „30 Jahre – das ist für uns selbst ein bisschen unglaublich. Jetzt sind wir als alte Säcke immer noch als Band unterwegs und haben fast die beste Zeit unserer ganzen Karriere“, sprühte Sänger und Gitarrist Peter Brugger im APA-Interview vor Freude.
Den neuen Songs hört man diese Freude an. „Wir konnten ganz gut die positive Atmosphäre festhalten, die gerade zwischen uns herrscht“, sagte dazu der 53-Jährige. „Es ist voll schön, dass wir uns nach unserer Krise so wiedergefunden haben und jetzt auch gefühlt anders dastehen. Das kann man gar nicht richtig beschreiben, aber irgendwie hat sich jeder ein bisschen von der Band emanzipiert. Somit muss die Band für jeden Einzelnen von uns nicht so viel tragen, sondern wir tragen jetzt mehr die Band. So lässt es sich freier Musik machen.“
Schwere Krise durchtaucht
Nach dem Album „Sturm & Stille“ von 2016 war es wegen persönlicher und kreativer Krisen bis zum „Comeback“ 2022 mit „Jeder nur ein X“ nach außen eher still um die Gruppe gewesen, hinter den Kulissen ging es hingegen stürmisch zu. Doch nun geht es den Sportis „als Band wieder sehr gut“, wie Brugger versicherte. „Natürlich hat jeder seine Tagesform oder seine privaten Sachen, die einen beschäftigen. Aber geht es einem gerade nicht so gut, ist dieser Sportfreunde-Vibe sofort da, wenn wir zusammenkommen – auch mit unserer Crew. Da reißt es einen schon wieder gut raus.“
„Happy Birthday“ versprüht bei allen textlichen Zwischentönen grundsätzlich gute Stimmung. Optimismus gehört bei den Sportfreunden dazu. „Das kann man so sagen“, bekräftigt der Sänger. „Wir halten es selber schlecht aus, wenn unsere Lieder mal hinten raus schlecht ausgehen. Das haben wir schon öfters festgestellt, dass wir einen Hang zum Happy End haben. Das liegt in uns, den Fokus darauf zu legen, wie man ein Lied in diese Richtung bringen oder was man positiv gestalten kann. Irgendwie zieht es uns immer mehr dahin als zum dunklen Rest.“
Es geht um den Sportfreunde-Sound
Musikalisch kann man das Album als „typisch Sportfreunde“ umschreiben, aber es gibt feine Unterschiede im Sound der jeweiligen Songs – von Anleihen an Grunge, 80er-Jahre oder NDW. „Da haben wir auch immer Bock drauf“, betont Brugger. „Wenn wir drei Musik machen, kommt immer irgendwie der Sportfreunde-Sound raus. Dann beginnen wir aber herumzuprobieren, holen im Studio Synthies raus oder schauen, wo der Groove hingehen kann. Dann tun sich diese unterschiedlichen Richtungen auf.“
„Happy Birthday“ beginnt mit dem klaren Statement „Immer noch hier“. Im Text des Liedes heißt es mit Ironie: „Wenn wer fragt, wann war unsere beste Zeit, sagen wir zwischen Geburt und Tod.“ Aber was würde Brugger, ernsthaft gefragt, im Blick auf 30 Jahre Bandgeschichte als Highlights hervorheben? „Im Start lag natürlich eine ganz besondere Energie“, antwortete der Musiker. „Das merke ich, wenn ich Bilder von damals anschaue – wie viel Bock wir hatten und wie wir uns da reingehauen haben. Das kann man schwer wiederholen. Aber wir hatten, unsere Karriere verlief ja wellenartig, verschiedenste Höhepunkte.“
„Groß geworden und es nicht richtig gecheckt“
2004 sei etwa ein „heftiges Jahr“ für das Trio gewesen: „Da sind wir groß geworden und haben es gar nicht richtig gecheckt. Auf den Festivals hatten wir noch keine Headliner-Slots, waren oft am Nachmittag dran – plötzlich waren alle Leute vor der Bühne, und es ging ab wie die Sau.“ 2006 landete die Band mit „‘54, ‘74, ‘90, 2006“ zur Fußball-WM in Deutschland ihren größten Hit: „Dieser unvergessene Sommer“, erinnerte sich Brugger, „wo wir auf einer Welle getragen wurden und sich unser Land von einer Seite gezeigt hat, die ich mir wünschen würde, dass es das wieder hinkriegt. Diese Offenheit, dieses freudige Feiern und alle willkommen heißen, das war so schön.“ Nicht zuletzt erwähnte er das Unplugged-Album von 2009: „Rein musikalisch war das eine total tolle Erfahrung.“
Gigs in Österreich
Konzerte der Jubiläumstournee sind zum Teil bereits ausverkauft, so auch die Gastspiele am 18. und 23. Juli in Wien (Arena Open Air) bzw. Graz (Kasematten). Für die Konzerte am 12. und 28. Oktober in Linz (Posthof) bzw. Wien (Gasometer) gibt es noch Karten. Über das ungebremste Interesse an den Sportfreunden sagte Brugger: „Wir sind demütig und dankbar, dass nach all der Zeit die Leute weiter Bock haben, uns live zu hören, denn live ist ja unser Lebenselixier. Da kommen wir her, und das ist auch das, was wir immer machen wollen, was uns unmittelbar mit den Leuten verbindet.“
Die Karriere des Trios fast die Dokumentation „Mit dem Herz in der Hand“ zusammen. Am 12. Juni (23.30 Uhr) ist der Film in der ARD zu sehen.
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