Die Wiener Festwochen zeigen William Shakespeares „The Tempest“ („Der Sturm“), das Abschiedswerk aller Abschiedswerke des Bühnenmagiers Robert Wilson (1941-2025), als pures, tröstendes Märchen und Lächeln unter Tränen am Wiener Burgtheater.
Vor einem Jahr ist in hohem Alter der amerikanische Regie- und Bildmagier Robert Wilson gestorben. Kurz davor entstand in Düsseldorf sein mächtiger, hoch ästhetischer „Moby Dick“, der jetzt um die Welt zieht. Doch wie schön: Die Festwochen zeigen lieber das Abschiedswerk aller Abschiedswerke - als pures, tröstendes Märchen und Lächeln unter Tränen. Wilson hat den „Sturm“ im Corona-Jahr 2021 für das Nationaltheater Sofia gefertigt, und die Weltsprache Shakespeare korrespondiert traumhaft mit Wilsons Welt aus Wort und Bild. Der Abend dauert nur 90 Minuten, aber er lässt sich alle Zeit, um mit konzentriertem Textmaterial zur Essenz zu gelangen.
Wilsons Theater ist schritt- und gestengenau in eine Welt aus Dunkel, Licht und Gegenlicht choreografiert. Aber was man ihm anfangs als Entmenschlichung der Schauspieler verübelt hat, ist im Alter zu humaner Größe gereift. Zum Beginn stellen sich die Gestalten mit kuriosen Sprüngen und Lauten vor, ein Panoptikum aus Clownerie, Hanswurstiade und Comic. Und, ein Wunder: Sie alle sehen genauso aus wie Prospero, Miranda, Ariel, Caliban in glücklicheren Theaterzeiten. Nichts wird ihnen aufgebürdet, der Wikipedia-Anteil liegt bei null.
Vielleicht jubelt das Publikum zuletzt deshalb so erlöst auf, während Schauspieler und Team zum Meister in den Himmel zeigen. Den feinen Darstellern wird man wegen der Sprachbarriere vielleicht nie mehr begegnen, aber wenigstens Veselin Mezeklievs Prospero, Vasilena Vincenzos Ariel und Stefan Kushevs Trinculo dürfen nicht ungenannt bleiben. Mit den anderen hat die Produktionsdramaturgin Jutta Ferbers zum Himmel gezeigt, die Lebensgefährtin Claus Peymanns, der uns auch Richtung Unsterblichkeit verlassen hat. Da war schon die eine oder andere Träne angebracht.
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