Weil ihre Besitzerin Tierarztbesuche als Tierquälerei betrachtete, blieben unkastrierte Vierbeiner jahrelang ohne medizinische Versorgung. Die geretteten Samtpfoten sind in erbärmlichem Zustand.
Einem dramatischen Fall von Animal Hoarding haben Tierschützer im Waldviertel ein Ende gesetzt. Nicht weniger als 18 schwerkranke Katzen wurden ihrer Besitzerin abgenommen. Die Liste der Leiden der Vierbeiner ist lang: Jungtiere mit völlig zugeschwollenen Augen, ein Kater mit einer tennisballgroßen Pfote infolge einer eingewachsenen Kralle, eine Mutterkatze, die zu schwach war, um ihren Nachwuchs zu versorgen. Doch das ist nicht alles: Die Tiere hausten nicht nur in ihren eigenen Exkrementen, sondern auch zwischen den Kadavern toter Artgenossen.
Es ist ein typischer Animal-Hoarding-Fall. Die Betroffenen erkennen das Tierleid nicht mehr, verhalten sich uneinsichtig und werden rasch rückfällig.
Andrea Specht, Tierheim Krems
Unklar, wie viele gerettet werden können
Den Fall ins Rollen brachten Nachbarn. Ihnen waren die unkastrierten Freigänger der Frau aufgefallen. Aufgrund ihres augenscheinlich schlechten Zustands wurde die Amtsärztin eingeschaltet, die umgehend reagiert hatte. Zusammen mit der Polizei wurden die armen Geschöpfe aus ihrem Gefängnis befreit. „Einige Tiere ringen mit dem Tod. Wir können aktuell nicht sagen, wie viele wir retten können“, schildert Andrea Specht vom Tierheim Krems die dramatische Situation.
Die übrigens nur passieren konnte, weil die Katzenhalterin überzeugt war, dass es Tierquälerei sei, die Katzen tierärztlich versorgen zu lassen. „Sie ließ sie daher lieber sterben, als sie einem Veterinärmediziner zur Behandlung zu überlassen“, kritisieren die Tierschützer.
Kostenintensiver Kampf
Die 18 Vierbeiner wurden auf die Tierheime Krems, St. Pölten und den Dechanthof in Mistelbach aufgeteilt, wo man nun verzweifelt um das Leben der Samtpfoten kämpft. Und gleichzeitig auch um Spenden bittet: Denn die hohen Tierarztkosten belasten die Budgets der Einrichtungen massiv. Die betroffene Halterin wurde angezeigt, auch der Sozialdienst und der Amtsarzt wurden mittlerweile eingeschaltet.
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