Erwin Steinhauer bleibt im Unruhestand: Der vielseitige Schauspieler und Kabarettist wird zwar im Herbst seinen 75. Geburtstag feiern, doch die Bühne bleibt sein zweites Zuhause. Im Stadttheater Gmunden hebt er zu einem humorvollen Höhenflug ab – mit Literatur und Musik.
Im September wird Erwin Steinhauer seinen 75. Geburtstag feiern, doch die Bühne bleibt sein zweites Zuhause.
Neben Filmdrehs ist er u. a. mit Heinz Marecek (80) unterwegs, präsentiert den Abend „Was lachen Sie?“ am 20. Juli im Rosengarten in Linz und auch am 14. Dezember im Posthof.
Wortwitz, Charme: Was er am besten kann
Ein Solo mit Steinhauer gibt es bei den Festwochen Gmunden. Bereits am Samstag, 20. Juni, ist er hier mit dem Programm „Flieger, grüß mir die Sonne“ zu Gast. Er widmet sich mit Charme und subtilem Wortwitz Texten von H. C. Artmann, unterstützt wird er von den drei Musikern Georg Graf, Joe Pinkl und Peter Rosmanith.
Im „Krone“-Interview lässt Steinhauer hinter die Kulissen seines Geburtstags und des Flieger-Abends blicken.
„Krone“: Herr Steinhauer, ist Altern ein Teil des Lebens oder wächst man in eine Rolle hinein? Lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben?
Erwin Steinhauer: Für die Rolle des Lebens gibt es keine Probe. Ab 50 spürt man, dass sich was ändert und die Wehwehchen kommen. Man muss dann disziplinierter leben, die Süchte des Lebens – Rauchen, Essen, Trinken – kontrollieren, und versuchen, den Beginn der Verwitterung etwas in die Länge zu ziehen.
Das Altern hat auch Vorteile, wie ich oft höre. Man freut sich, weil man bestimmte Dinge nicht mehr tun muss. Wie ist das bei Ihnen?
Ich muss keine Jobs machen, um zu überleben. Ich nehme nur Angebote an, die mir wirklich Spaß machen, mit Leuten, die ich mag.
In Ihrem Programm „Flieger, grüß mir die Sonne“ geht es um die Höhenflüge der Phantasie und auch um Sehnsüchte. Beides kennt ja kein Alter. Verraten Sie uns, welchen Höhenflug Sie planen oder welche Sehnsucht Sie schon lange verfolgen?
Ich bin sonnenhungrig und hatte immer eine große Sehnsucht nach dem Meer. Nachdem ich am Attersee vor vielen Jahren meinen Segelschein machte, kam der Traum von einer größeren Segeljacht, um damit mit guten Freunden den Atlantik zu überqueren. Aber: Es fehlten die Mittel, es fehlte an Freizeit.
Die Musik an dem Flieger-Abend widmet sich auch Tanzrhythmen: Tango, Walzer, Rumba. Tanzen Sie an diesem Abend oder sonst auch?
Ein gutes Rhythmusgefühl hatte ich immer, getanzt habe ich auch gern. Das ist leider vorbei. Es ist gewesen. Und im H.C. Artmann-Abend, keine Sorge, wird nicht getanzt.
Wie viel Widerstand steckt heute noch im Kabarett, wenn das Publikum vor allem lachen und nicht erschüttert werden will?
Wer hören will, der höre. Es gibt einige Kollegen, die mit großem Erfolg politisches Kabarett machen. Große Konkurrenz kommt von der Comedy, die ausschließlich auf den einfachen Lacher aus ist. Ich komme aus der Tradition von Gerhard Bronner, Helmut Qualtinger sowie Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder. Der Humor der heutigen Jugend ist ein anderer.
Aber wäre Österreich ohne Ironie überlebensfähig?
Nein. Absolut nicht. Ironie arbeitet ja mit dem Mittel der vorgetäuschten Unwissenheit. Also würde ich sagen: Wir bedanken uns bei der österreichischen Bevölkerung für ihre Reife, ihren Weitblick, ihre Solidarität und Menschlichkeit.
Sie feiern im September ihren 75. Geburtstag. Verraten Sie uns, wie Sie diesen Tag verbringen werden?
Zuerst dachte ich, wäre doch witzig zum 75. Geburtstag 75 Freunde einzuladen. Jetzt wird es eine abgespeckte Version: Ich gehe mit meinen drei Kindern essen! That’s it!
Zur Info: „Flieger, grüß mir die Sonne“ findet am Samstag, 20. Juni, 19.30 Uhr, im Stadttheater Gmunden statt.
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