Fels, Kumpel, Therapeut, Ernährer, Gefühlsmanager, Bastelprofi: Der Papa wird’s schon richten – und am besten alles gleichzeitig. Familien- und Männerberater Peter Pimann aus Ottensheim (OÖ) über das Vatersein zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Am Samstagvormittag am Fußballplatz, beim Elternabend oder beim Warten vor der Volksschule: Väter sind heute sichtbarer als noch vor wenigen Jahrzehnten. Sie wickeln, kochen, begleiten ihre Kinder zum Arzt und nehmen sich bewusst Zeit für die Familie. Ein positiver Wandel, wie Peter Pimann findet. „Und doch merkt man, dass sich nicht so viel bewegt, wie es sollte. Solange Väterkarenz und Papamonat immer noch viel zu wenig in Anspruch genommen und berufstätige Mütter als ,Mitverdienerinnen‘ bezeichnet werden, besteht Handlungsbedarf.“
Pimann ist Familien- und Männerberater bei beziehungleben.at und als solcher in Rohrbach, Ebelsberg und Linz im Einsatz. Er selbst lebt mit seiner Frau und den drei Söhnen (15, 13 und 11 Jahre) in Ottensheim. „Die Vaterrolle ist vielfältiger geworden“, beobachtet der 46-Jährige. „Die Lebendigkeit von Vätern darf heute mehr Platz finden. Ich merke auch in der Beratung, dass sich immer mehr Männer überlegen: Wie möchte ich sein? Wie möchte ich wirken in der Welt, in der Familie, in meinen Beziehungen?“
Vom Ernährer zum Alltagshelden: Vorbilder fehlen
Warum diese Fragen heute so präsent sind? „Weil wir keine Role Models haben, die uns gezeigt hätten, wie man beziehungs- und kinderorientierte Partnerschaft leben kann.“ Um das zu verstehen, lohnt sich laut Pimann ein Blick in die Geschichte. Die Ursachen für die emotionale Distanz vieler Väter früherer Generationen liegen für ihn in den Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. „Nach dem Krieg waren die Väterbilder schwer verwundet. Große Helden gab es nicht. Es ging viel um Leistung, Aufbau und Fortschritt.“ Gleichzeitig habe das Ideal der heilen Familie mit klaren Regeln dominiert. Erst mit wachsender wirtschaftlicher Sicherheit entstand wieder Raum für Gefühle und Beziehung.
Die traditionelle Rolle des Ernährers sei deshalb aber nicht verschwunden, sondern erweitert worden. Genau darin liege jedoch eine Herausforderung. „Unsere Väter und Großväter wünschten heute, sie hätten mehr Zeit mit ihren Kindern gehabt. Wir versuchen jetzt, dass wir das alles unter einen Hut bekommen – das geht sich in Summe aber nicht aus.“ Für viele Männer bedeutet das einen ständigen Balanceakt zwischen Beruf, Partnerschaft und Familienleben. „Das trifft vor allem auch getrennt lebende Väter, die Gott sei Dank nicht automatisch auch Randväter sein müssen: Qualität, Verlässlichkeit und Alltäglichkeit spielen hier eine wichtige Rolle.“ Unter „Mental Load“ leiden Väter dennoch nicht – denn dabei geht es Pimann zufolge um Aufgaben, die immer noch fast zur Gänze Frauen obliegen. Überforderung kennen Männer eher im beruflichen Kontext, so der Experte.
Was macht einen guten Vater aus?
Für Pimann hat Vatersein wenig mit Perfektion zu tun. „Ein guter Papa ist nicht der, der nie wütend wird. Sondern der Verantwortung für die Wut übernimmt.“ Wichtig sei die aktive Beteiligung am Familienleben. „Nicht der ewige Praktikant im Haushalt zu sein. Und auch nicht nur der Event-Papa am Wochenende, der den coolen Radlausflug macht.“ Ein guter Vater kenne die Freunde seines Kindes, wisse, was es gerne isst, womit es spielt – und übernehme selbstverständlich seinen Teil der Familienarbeit.
Für Männer, die sich mit ihrer Vaterrolle bewusster auseinandersetzen möchten, hat Pimann einen einfachen Rat: hinschauen und reflektieren. Welche Väter im eigenen Umfeld wirken inspirierend? Was gefällt, was nicht? Auch der Blick auf den eigenen Vater könne helfen, das eigene Rollenbild zu schärfen. „Nicht bewerten, sondern herausfinden: Wie fühlt sich das für mich an? Wie würde ich dieses Thema lösen?“
„Wünsche Männern Austauschmöglichkeiten“
Neben der persönlichen Reflexion braucht es aus seiner Sicht aber auch Räume für Begegnung. „Ich wünsche Männern Austauschmöglichkeiten, damit sie in einem Rahmen, der konkurrenzlos ist, ganz offen und ehrlich über das Vatersein reden können.“ Nicht im Sinne von „besser, schneller, weiter“, sondern mit der Frage: Wie gehen wir mit Überforderung um? Unterstützung könne professionelle Beratung bieten, auch die KI könne laut Pimann wertvolle Denkanstöße liefern.
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