Drohnen auf Russland

Ukraine zerstört seltene „Seebären“ am Flugfeld

Ukraine-Krieg
02.06.2026 11:12
Porträt von krone.at
Von krone.at

Mit einem nächtlichen Drohnenangriff tief im russischen Hinterland ist der Ukraine wohl ein prestigeträchtiger Schlag gelungen. Wie ukrainische Militärquellen berichten, sollen zwei russische Langstreckenflugzeuge sowie ein Iskander-Raketensystems zerstört worden sein. Fraglich ist nun, ob es sich bei den getroffenen Flugzeugen tatsächlich um aktive Einsatzmaschinen handelte.

Laut Angaben des „Kyiv Independent“ und Aussagen des Kommandeurs der ukrainischen Unmanned Systems Forces, Robert „Magyar“ Brovdi, wurden in der Nacht auf Samstag zwei russische Tu-142-Marineaufklärungsflugzeuge – sogenannte „Seebären“ – sowie ein ballistisches Raketensystem bei einem Angriff auf einen Militärflugplatz in der Stadt Taganrog zerstört.

Die Aktion sei demnach durch die 1. Einheit der ukrainischen Unmanned Systems Forces durchgeführt worden, die auf tiefreichende Drohnenoperationen spezialisiert ist.

Schmerzliche Treffer für Russland
Die Tu-142 sind laut den Berichten russische Langstrecken-Marineaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeuge, basierend auf der Tu-95-Plattform, die auch für weitreichende Marschflugkörperangriffe eingesetzt wird. Das Iskander-System wiederum gilt als russisches operativ-taktisches Raketensystem mit einer Reichweite von bis zu rund 500 Kilometern und spielt eine zentrale Rolle bei Angriffen auf ukrainische Städte und Energieinfrastruktur.

Brände im Hafenbereich gemeldet
Der Gouverneur der Region Rostov Oblast, Yuri Slusar, bestätigte auf Telegram Brände in der Hafenstadt Taganrog nach einem Drohnenangriff. Demnach seien ein Treibstofftank, ein Öltanker sowie ein Verwaltungsgebäude betroffen gewesen. Zudem habe es zwei Verletzte gegeben.

Taganrog liegt am Asowschen Meer, nur wenige Dutzend Kilometer von der Grenze zum heute von Russland besetzten Teil der ukrainischen Region Donezk entfernt. Die Stadt wurde in der Vergangenheit wiederholt Ziel ukrainischer Drohnenangriffe.

„Decoys“ oder echte Einsatzgeräte?
Deutlich differenzierter fällt die Einschätzung des Luftfahrt-Analyseportals „Aerospace Global News“ aus. Demnach sollen die angegriffenen Tu-142-Flugzeuge möglicherweise keine aktiven Einsatzmaschinen gewesen sein, sondern sogenannte „Decoys“ – also nicht einsatzfähige oder ausgemusterte Flugzeuge, die auf dem Flugfeld platziert worden seien.

Satellitenbilder und OSINT-Analysen deuten laut dem Bericht darauf hin, dass die Maschinen seit Jahren auf dem Gelände gestanden hätten. Russische militärnahe Quellen behaupteten zudem, es habe sich um ältere, nicht mehr operative Tu-142-Varianten gehandelt, die bereits in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren zur Überholung überstellt worden seien.

Auch die Zahl der tatsächlich noch aktiven Tu-142-Flugzeuge in russischem Dienst wird in dem Zusammenhang auf Basis von IISS-Daten mit rund zwei Dutzend angegeben.

Strategische Bedeutung der Angriffe
Unabhängig vom Status der getroffenen Flugzeuge unterstreicht der Angriff nach Einschätzung von Analysten die wachsende Reichweite ukrainischer Drohnenoperationen tief in russischem Gebiet. Besonders der Einsatz gegen ein Iskander-System gilt als militärisch relevant, da diese Waffensysteme nur schwer abzufangen sind und häufig gegen kritische Infrastruktur eingesetzt werden.

Gleichzeitig verweisen Experten darauf, dass sowohl Russland als auch die Ukraine zunehmend mit Täuschkörpern arbeiten – darunter ausgemusterte Flugzeuge, Attrappen oder auf dem Rollfeld platzierte „Fake-Ziele“, um gegnerische Angriffe zu verwirren und Munition zu binden.

Unsicherheit über tatsächliches Ausmaß
Ob die angegriffenen Tu-142 tatsächlich einsatzfähig waren, ist nach aktuellem Stand nicht eindeutig verifizierbar. Während ukrainische Stellen von einer Zerstörung sprechen, gehen mehrere Analysequellen davon aus, dass es sich zumindest teilweise um nicht mehr flugfähige oder seit Jahren abgestellte Maschinen gehandelt haben könnte.

Fest steht laut den Berichten jedoch: Die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand militärischer Ziele wird zunehmend selbst zu einem Faktor im Informationskrieg.

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