Mit Elektronik und Tanz wagte das „Ensemble Plus“ mit seinem Leiter Guy Speyers am Freitagabend im „vorarlberg museum“ Neues und war damit überaus erfolgreich.
Was im Bereich der Popmusik längst so normal ist, dass es kaum jemand hinterfragt, ist im Rahmen der sogenannten Ernsten Musik immer noch die berühmte heiße Kartoffel, die man nicht gerne in die Hand nimmt. Gemeint ist die Einbindung der Elektronik. Selbst in der Neuen Musik tut man sich mit der Verbindung zur Steckdose schwer, was das „Ensemble Plus“ selbst beweist. Es hat sich in den dreißig Jahren seines Bestehens vor allem Neuer Musik gewidmet, aber fast nur mit herkömmlichen Instrumenten. „Mir ist im Ländle kein Ensemble bekannt, das Neue Musik mit Elektronik verbindet, also machen wir es jetzt“, sagt Guy Speyers.
Programm für eine kleine Zielgruppe
Dem engagierten Musiker, der vor einigen Jahren das Ensemble Plus vom langjährigen Leiter Andreas Ticozzi übernommen hat, darf man hier allerdings entgegnen, dass die „Bludenzer Tage zeitgemäßer Musik“ Neue Musik mit Elektronik seit Langem im Programm haben, jedoch vor allem mit internationalen Musikern und vor meist recht kleinem Publikum. Nun, allzu reich war der Besuch auch beim Konzert des „Ensemble Plus“ am Freitag im „vorarlberg museum“ nicht, doch die wenigen Reihen im Atrium waren großteils besetzt. „Es ist uns bewusst, dass wir hier ein lediglich ausgewähltes Publikum erreichen“, sagt Speyers. Ob die Entscheidung, Tanz in die Aufführung einzubeziehen, dieser Überlegung geschuldet ist, sei dahingestellt, jedenfalls gelang damit ein optimales Format.
„Transhumane“ Musik und emotionaler Tanz
Denn die Musik, so hervorragend sie auch dargeboten wurde, bleibt kalt, um nicht zu sagen, transhuman, auch wenn der Keyboarder Benny Omerzell sich vor seine Instrumente sogar hingekniet hat. Der Tanz der beiden Frauen, Marina Rützler und Silvia Salzmann, brachte die emotionale Ebene ins Spiel. Die Bewegungen der beiden zwischen Annäherung und individuellem Tun, zwischen Kraft und Erschlaffung, zwischen Strahlen und Schmerz berührten und nahmen die Menschen im Raum mit. Die beiden Tänzerinnen schufen ihre Bewegungen aus dem Moment heraus, ebenso wie die Musik improvisiert war. Der Dialog zwischen diesen beiden Kunstformen gelang wunderbar und faszinierte durch die ganze Aufführung hindurch.
Ein Erleben aus dem Moment heraus
Guy Speyers, selbst an der Viola und einem Chaos Tab, sowie Marcus Huemer mit seinem ebenfalls elektronisch angeschlossenen Kontrabass sind Musiker, die aus der „Ernsten Musik“ kommen, der Schlagzeuger Michael Naphegyi und Benny Omerzell an den Tasten sind eher dem Jazz verbunden. Die vier erschufen Klangflächen, legten anhaltende Töne zugrunde, bauten Steigerungen bis zur Schmerzgrenze auf und beruhigten. Zusammen mit dem Tanz schufen sie ein Erleben aus dem Moment heraus sowie einen Raum zur Begegnung und zur Überwindung von Barrieren.
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