In seiner neuesten Kolumne macht „Krone“-Autor Harald Petermichl seinen Ärger über einen gewissen FIFA-Boss kund. Natürlich sehr berechtigt, denn der Chef des Fußball-Weltverbands hat nun die glorreiche Idee, in Gaza ein Stadion zu bauen. Als ob es da nichts dringenderes zu tun gäbe.
Bei manchen Nachrichten kann man eigentlich nur hoffen, dass gestern der 31. März war. Leider trifft dies im vorliegenden Fall nicht zu, denn die Meldung auf der Website der FIFA stammt vom 19. Februar. In bewährter Vollmundigkeit wird dort verkündet, die FIFA sei eine „strategische Partnerschaft zur Unterstützung von Wiederaufbau und Frieden mithilfe des Fußballs“ mit dem Friedensrat eingegangen. Friedensrat? Genau, das ist diese von einem in Washington wirkenden rechtskräftig verurteilten immobilienmakelnden Straftäter eingerichtete Ansammlung von ca. 30 Staaten, die sich fürderhin um den Weltfrieden kümmern sollen, weil besagter Makler wenig von der UNO hält. Vorzeige-Demokratien wie Saudi-Arabien, Kambodscha, El Salvador und Belarus sind ebenso Mitglieder dieses illustren Clubs wie Bulgarien und Ungarn, die als bewährte Hüter der europäischen Idee nicht fehlen dürfen.
Die FIFA konkretisiert, „dass sich die strategischen Ziele des Präsidenten auf die soziale Verantwortung, insbesondere auf die Menschenrechte und klimarelevante Aspekte“ bezögen und den Anfang macht man im Gazastreifen, wo in einem mehrstufigen Projekt der soziale Zusammenhalt gefördert und der wirtschaftliche Aufschwung gesichert werden soll, unter anderem durch den Bau von Fußball-Spielfeldern und eines Nationalstadions mit 20.000 Plätzen. Damit wären dann die drängendsten Probleme, die man in dieser Region hat, mit einem Schlag gelöst und man fragt sich, was denn bisher so schwierig gewesen sein mag, wenn es doch so einfach ist, den „Wiederaufbauprozess in ehemaligen (sic!) Konfliktgebieten zu unterstützen“.
Bis dato ist unklar, ob Infantino von seinem Verband überhaupt ein Mandat für diese Aktion hatte oder wie gewohnt im Alleingang vorgeprescht ist; die FIFA äußert sich dazu bezeichnenderweise nicht und ist damit in bester Gesellschaft mit dem weltweit größten nationalen Sportfachverband, dem DFB, dessen Präsident mal wieder schweigt, weil man sich „zu internen Vorgängen innerhalb der FIFA“ (Doppel-sic!) nicht äußern wolle. Was lernen wir daraus? Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem die wichtigen Verbände Infantino und damit auch Trump nicht mehr länger in den Allerwertesten kriechen, sondern selbstbewusst und in aller Sachlichkeit mitteilen sollten, dass „das größte Turnier aller Zeiten“, die WM 2026, bitte ohne sie stattfinden möge. Falls es zu diesem längst überfälligen Boykott nicht kommt, wovon leider auszugehen ist, wird das den Weltfußball für alle Zeiten massiv beschädigen.
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