Premierenfahrt (nach kurzer Schrecksekunde) geglückt: Seit Mittwoch ist die erste neue Flexity-Straßenbahn in Graz unterwegs. Warum sie „Theodora“ heißt und wann die alten Bims endlich in Pension gehen, lesen Sie hier.
Die Tapfersten waren an diesem brütend-heißen Vormittag die Kleinsten: Eine Stunde lang mussten die Mädchen und Buben des Kindergartens Eckertstraße ausharren, ehe sie als Ehrengäste die Premierenfahrt der neuen (und zum Glück klimatisierten) Grazer Straßenbahn erleben durften. Als Nervennahrung zwischendurch gab es große Brezeln.
Dabei hielten sich die Redner in der Remise Eggenberg kurz, von Bürgermeisterin Elke Kahr über Stellvertreterin Judith Schwentner bis zu Holding-Graz-Chef Gert Heigl. Ein ganz besonderer Tag war es für seinen Vorstandskollegen Mark Perz, der für die Linien zuständig ist. Er schwärmte, wie viele, von den Ledersitzen, der Barrierefreiheit und der Möglichkeit, das Handy aufzuladen. „Der größte Luxus ist es aber, einen Platz in der Frühspitze zu bekommen.“
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30 Prozent mehr Platz für Fahrgäste
Zu dieser Tageszeit kommt der öffentliche Verkehr in Graz regelmäßig an seine Grenzen. Die bei Alstom in Wien hergestellten Flexity-Straßenbahnen sind mit 34 Metern deutlich länger und bieten 200 Fahrgästen Platz, ein Plus von 30 Prozent. „Und das Beschleunigungs- und Bremsverhalten ist wesentlich besser, es gibt keinen Ruck mehr“, berichtet Straßenbahnfahrer Wolfgang Rosenberger, der – nach zahlreichen Testfahrten – bei der Premierenfahrt zum Einsatz kam. „Eine Riesenehre, ich freue mich sehr.“
Das Beschleunigungs- und Bremsverhalten ist wesentlich besser, es gibt keinen Ruck beim Bremsen mehr.

Straßenbahnfahrer Wolfgang Rosenberger
Bild: Christian Jauschowetz
Die erste Bim wurde mit einer Zuckerwasserflasche auch getauft – auf den Namen „Theodora“. Mittendrin: Namensgeberin Theodora Acham. Sie war, gemeinsam mit Ingeborg Steiner, die erste Grazer Straßenbahnfahrerin. „Am 4. April 1988, gleich nach Ostern“, erinnern sich die beiden, die in Hönigtal und Laßnitzhöhe schon gemeinsam in die Schule gingen.
„Es war eine reine Männerwelt“
„Mein Vater hatte kein Auto, wir sind immer mit dem Zug nach Gleisdorf oder Graz gefahren“, berichtet Acham. Nach einem Job im Einzelhandel hat sie sich auf einen Aufruf der damaligen GVB beworben und wurde aufgenommen. „Es war eine reine Männerwelt, ich wurde aber herzlich empfangen.“ Einzig der Betriebsrat leistete zunächst Widerstand – und so mancher Fahrgast wollte zunächst nicht einsteigen...
Das war an diesem Mittwoch anders, die Flexity war rappelvoll. Nach einem kurzen technischen Problem startete die Premierenfahrt pünktlich um 11.30 Uhr in Richtung Jakominplatz – viele Passanten zückten ihre Handys. Die ersten acht Flexity-Straßenbahnen werden nun sukzessive in Betrieb genommen und vor allem auf den stark befahrenen Linien 4, 7 und 17 zum Einsatz kommen. Bis Ende des Jahres folgen weitere sieben Fahrzeuge, bis 2028 sind es dann schon 31 Stück. Und im Juni-Gemeinderat soll der Ankauf von 24 weiteren Garnituren beschlossen werden.
Langfristig nur noch zwei Straßenbahn-Typen in Graz
Ab 2030 soll es dann nur noch zwei Straßenbahntypen in Graz geben: neben dann 55 Flexity- die bestehenden 45 Variobahnen. Die Cityrunner und die alte grüne 500er-Serie scheiden aus. „Das wird auch für unsere Fahrer vieles einfacher machen“, freut sich Betriebsratschef Horst Schachner. Der Name für die zweite Straßenbahn steht übrigens auch schon fest: „Ingeborg“.
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