Per Krankenschein

„Wäre sinnvoll, Leute in die Natur zu schicken“

Salzburg
24.05.2026 17:00

Die Natur auf dem Krankenschein: Das ist das Ziel von Salzburger Forschern. Mit 20 älteren Bürgern wanderten und waldbadeten sie diese Woche im Lungau – alles für die Wissenschaft! Ein Professor erklärt der „Krone“, wie Bewegung in der Natur sogar den Staatsfinanzen helfen könne.

Im Saumoos die Seele baumeln lassen und durch die Wälder des Lungaus streifen – bei Vogelgezwitscher und Frühlingserwachen. Was nach Urlaub klingt, ist Teil einer wissenschaftlichen Studie. Denn vor und nach dem Wandern müssen Fragebögen ausgefüllt und ständig Messungen durchgeführt werden. Das war am Programm von 34 Einheimischen zwischen 60 und 75 Jahren, begleitet von Wissenschaftlern der Paracelsus Medizinischen Universität (PMU) und der Biosphärenpark-Rangerin Verena Gruber.

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Ich hatte selbst mal ein Burnout und weiß, wie wichtig die Vorbeugung sein kann. Es wäre sinnvoll, wenn die Leute in die Natur geschickt werden.

Teilnehmer Harald Steinhagen (65)

Über die ganze Woche wanderten und waldbadeten Teilnehmer der Connaturalp-Studie unter der Leitung von Professor Arnulf Hartl und Barbara Fixl. „Man muss das erleben, das kann man nicht beschreiben“, berichtet Teilnehmer Harald Steinhagen.

Nicht nur Wanderer, auch der Wald wird gemessen
Der Salzburger und pensionierte Krankenpfleger hatte „zufällig von Bekannten“ von der Studie erfahren: „Ich bin positiv überrascht. Ein Lob an das Team. Ich nehme sehr viel Wissen mit. Ein bisschen Muskelkater habe ich schon, und es ist auch jeden Tag viel zum Dokumentieren, aber alles wird sehr professionell durchgeführt.“ Er habe „neue Seiten“ der Natur kennengelernt: „Es tut gut, weil man es bewusst macht. Das würde viele Leute wieder auf andere Gedanken bringen.“

Forscherin Vera Foisner begleitet eine sichtlich erfreute Teilnehmerin (l.).
Forscherin Vera Foisner begleitet eine sichtlich erfreute Teilnehmerin (l.).(Bild: Roland Holitzky)

Doch was soll die Studie überhaupt bringen? „Es geht um gesunde Lebensjahre. Fakt ist, dass es in 14 Jahren um 35 Prozent mehr Menschen über 65 Jahre bei uns geben wird. Und gesunde Menschen kosten uns weniger“, erklärt Professor Arnulf Hartl und spricht die Überalterung der Gesellschaft an. Klar ist: Je älter die Gesellschaft, desto teurer die Gesundheitsversorgung. Allein im Sinne der Staatsfinanzen brauche es gesündere Bürger. Deshalb will Hartl die Frage klären: „Wie viel Natur tut gut?“

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Gesunde Menschen werden uns künftig als Gesellschaft weniger kosten. Und die effektivste Art, gesund zu bleiben, ist einfach die Bewegung in der Natur. 

Professor Arnulf Hartl, Leiter des Instituts Ökomedizin an der PMU

Dazu nutzen Forscher psychologische Fragebögen gepaart mit Messungen der Lungenfunktion, Herzfrequenz, Blutdruck und weiteren Parametern. Die Wanderwege sind ebenso im Blick der Wissenschaftler: mit 360-Grad-Kameras zur Messung der Artenvielfalt. Denn auch die Wirkung der unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten auf das Wohlbefinden wollen die Forscher ergründen.

Biosphärenpark-Rangerin Verena Gruber mit am Baum angebrachter Messtechnologie.
Biosphärenpark-Rangerin Verena Gruber mit am Baum angebrachter Messtechnologie.(Bild: Roland Holitzky)

Ergebnisse werden verglichen, beispielsweise mit Kollegen der italienischen Universität Padua, die eine ähnliche Studie machen. Unterschied: Während im Lungau „normal alternde“ Leute wandern, sind es in Italien Menschen, die den Krebs besiegt haben.

Das Ziel wäre, das Bewegen in der Natur auf den Krankenschein zu bringen. Quasi vom Doktor verordnet zu bekommen. Und dazu braucht es eine wissenschaftliche Basis.

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