Einmal mehr sorgt ein Ballettabend an der Grazer Oper für Begeisterung. In „Modern Times“ entwickelten Katarzyna Kozielska, Anne Jung und Giovanni Insaudo drei Stücke über die Beziehung von Mensch und Maschine in unseren Tagen. Ein entfesseltes Ensemble nahm das Publikum mit auf diese Reise.
Drei Stücke, drei Choreografen – ein Thema: Basierend auf Charlie Chaplins Filmklassiker „Modern Times“ setzten sich Katarzyna Kozielska, Anne Jung und Giovanni Insaudo mit den Herausforderungen unserer modernen Welt auseinander. Das Verhältnis von Mensch und Technik, ein Umfeld, in dem man mitläuft oder isoliert ist, eine Arbeitswelt, die oft überfordert, all das wird hier in so mitreißende wie beklemmende Bilder übersetzt.
Großartiges Ensemble
Dafür sind nicht nur die beeindruckenden Choreografien, sondern auch die ästhetischen Kostüme von Silke Fischer und Elisabeth Perteneder und vor allem die großartigen Lichtstimmungen von Martin Schwarz verantwortlich. Und natürlich die herausragenden Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer, die einen sowohl solistisch als auch im Ensemble immer wieder atemlos zurücklassen. Was für eine Compagnie!
Den Auftakt setzt Katarzyna Kozielska mit „404 – Not Found“. Sie findet selbst im gnadenlosen Takt unserer Zeit (Sounddesign: Benjamin Magnin) Räume für emotionale Ausbrüche, für Momente der Selbstbetrachtung und zwischenmenschliche Beziehungen. Doch die Realität schaut anders aus, wie der Titel des Stücks – eine wohlbekannte Fehlermeldung – impliziert.
Gnadenloses Tempo unserer Zeit
Tempo bis hin zur absoluten Rastlosigkeit bestimmt Anne Jungs „Drift“, für das Davidson Jaconello den Sound geschaffen hat. Die Choreografin zeigt eine knallharte Welt, in der man sich ständig auf Neues einstellen muss, keine Zeit hat, um mit Prozessen warmzuwerden. Permanenter Druck, ständiges schneller, höher, weiter und bis zum Anschlag gedrehte Schrauben bestimmen ihre Bewegungsabläufe, und doch schaffen es auch hier Einzelne wie Yuka Eda und Thibault Lucas Nury oder Kirsty Clarke und Leonardo Germani in spannenden Duetten aus dem Trott auszubrechen.
Mensch und Maschine führt schließlich Giovanni Insaudo in der sehr narrativen Choreografie „The Gravity of Iron“ zusammen. Das Ergebnis ist eine gut geölte Moderne, die allerdings längst überholt ist. Aus dem monotonen Gleichklang von einst wird bei ihm im Sounddesign von Hodei Iriarte Kaperotxipi ein Meer aus Vielstimmigkeit, in dem es aber umso schwerer ist, sich als Individuum Gehör zu verschaffen. Auch hier beeindruckt Yuka Eda als scheinbar knochenloser Mensch.
Trotz der drei unterschiedlichen choreografischen Sprachen fügt sich dieser Abend zu einem Ganzen, das atemberaubend, aber auch beklemmend ist. Unbedingt sehenswert!
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