Neue EU-SILC-Daten

Armutsgefährdung: Risiko in Vorarlberg am höchsten

Vorarlberg
19.05.2026 05:55
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Die neuen EU-SILC-Daten der Statistik Austria zeigen einen deutlichen Anstieg von Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich.  Besonders alarmierend ist die Entwicklung in Vorarlberg: Hier liegt die Armutsgefährdungsquote mittlerweile mehr als drei Prozentpunkte über dem Österreichschnitt. 

Aus Sicht der führenden Köpfe der Vorarlberger Armutskonferenz unterstreichen die jüngsten Daten der Statistik Austria vier zentrale Knackpunkte: Zum einen werde Wohnen zunehmend zur sozialen Schlüsselfrage. Zum anderen wachse der Druck durch hohe Wohnkosten weit über klassische Armutsgruppen hinaus. Drittens würden hohe Mieten immer stärker mit Geldtransfers statt mit leistbarem Wohnraum kompensiert. Und nicht zuletzt müsse der Fokus stärker auf Armutsprävention liegen. 

Die soziale Frage wird zunehmend zur Wohnungsfrage
„Vorarlberg gehört wirtschaftlich zu den stärksten Regionen Österreichs und weist gleichzeitig eine der höchsten Wohnkostenbelastungen des Landes auf. Diese Kombination wird zunehmend zum sozialen Risiko“, heißt es in einer Presseaussendung der Armutskonferenz Vorarlberg. Gemäß der EU-SILC-Daten sind in Vorarlberg bereits 8 Prozent der Haushalte von einer Wohnkostenüberbelastung betroffen. Soll meinen: Diese Haushalte müssen mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für das Grundbedürfnis Wohnen aufbringen. Das ist der zweithöchste Wert aller Bundesländer hinter Wien.

Auch andere aktuelle Erhebungen wie beispielsweise jene durch die Arbeiterkammer Vorarlberg bestätigen diese Entwicklung: Demnach geben Vorarlberger Haushalte durchschnittlich rund ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aus. Bei Haushalten mit niedrigem Einkommen liegt die Belastung bereits bei rund 44 Prozent, im privaten Mietsegment bei durchschnittlich 38 Prozent.

Armutsrisiko reicht bis in die Mitte der Gesellschaft
„Zusammengefasst zeigen diese Daten, dass hohe Wohnkosten längst nicht mehr nur einzelne Randgruppen betreffen. Wohnen entwickelt sich zunehmend zu einem Armutsrisiko bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein“, lautet ein weiteres Resümee der Verantwortlichen der Armutskonferenz. Gleichzeitig würden die Zahlen auch eine strukturelle Schieflage in der Wohnpolitik aufzeigen: Hohe Wohnkosten werden zunehmend durch Geldtransfers abgefedert, während die Schaffung von dauerhaft leistbarem Wohnraum zu kurz kommt.

Im Ländle ist diese Schieflage besonders drastisch: Der Anteil gemeinnütziger Wohnungen liegt in Vorarlberg bei lediglich 13 Prozent – deutlich unter dem Österreichschnitt von 24 Prozent. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Neubau: Zwischen 2022 und 2024 wurden im westlichsten Bundesland lediglich 9 Prozent der Neubauten von gemeinnützigen Bauträgern errichtet – der niedrigste Wert im Bundesländervergleich.

Leistungen nicht an reale Entwicklung angepasst
Die Mitglieder der Armutskonferenz verweisen zudem darauf, dass zentrale wohnbezogene Transferleistungen in den vergangenen Jahren vielfach nicht ausreichend an die reale Kostenentwicklung angepasst wurden. So wurden etwa die Wohnsätze in der Sozialhilfe seit 2022 für viele Haushaltskonstellationen nicht erhöht, während gleichzeitig auch die Einkommensgrenzen der Wohnbeihilfe meist nicht mit der tatsächlichen Einkommens- und Preisentwicklung Schritt gehalten haben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

5° / 16°
Symbol wolkig
6° / 19°
Symbol wolkig
6° / 19°
Symbol wolkig
7° / 19°
Symbol wolkig
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung