Die „Verurteilung“ von Kratzkater „Leo“ schlägt in Vorarlberg immer noch hohe Wellen. Die „Krone“ hat mit Marco Miholnic vom Vorarlberger Tierschutzheim über den Fall gesprochen.
Es ist eine skurrile Angelegenheit, die dennoch die Menschen im Ländle – und nicht nur dort – auf besondere Weise zu bewegen scheint: Weil die Nachbarskatze immer wieder die Holzfassade ihres Hauses zerkratzte, hatte eine Familie in Feldkirch am Bezirksgericht Klage eingereicht – und sie bekam Recht. Die Katzenhalterin muss künftig unter anderem dafür Sorge tragen, dass „Leo“ seine Krallen nicht mehr auf der Nachbarfassade verewigt. Damit würde allerdings auch sein bisheriges Freigängerleben arg beschnitten – und genau das will Frauchen nicht akzeptieren, ebenfalls keine Option ist es für sie, sich vom Tier zu trennen. Die Katzenhalterin hat bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen, sogar der Gang bis zum Obersten Gerichtshof ist nicht ausgeschlossen.
Richtungsstreit in den Sozialen Medien
Seit der Fall publik geworden ist, tobt auf den Sozialen Medien, speziell auch jenen der „Krone“, ein regelrechter Richtungsstreit – die einen solidarisieren sich mit der Katzenhalterin und ihrem Vierbeiner, die anderen mit den Hausbesitzern. Auch im Vorarlberger Tierschutzheim in Dornbirn verfolgt man den Fall aufmerksam. Die „Krone“ hat mit Tierpflegeleiter Marco Miholnic über die „Causa Leo“ gesprochen. Er plädiert für eine Versachlichung der Debatte – statt aus der Emotion heraus Radikalpositionen einzunehmen, sollte man vielmehr gemeinsam nach pragmatischen Lösungen suchen. Zum einen müsse klar sein, dass Kater „Leo“ nicht vorsätzlich Vandalenakte begehe, sondern nur seinem natürlichen Verhalten folge. „In so einer Katze steckt noch viel Wildtier drinnen.“ Und dazu gehöre eben auch, seine Krallen zu wetzen und Markierungen zu setzen. Miholnics Vorschlag: „Man könnte für das Tier mit dem gleichen Material eine Alternative schaffen, zum Beispiel im eigenen Garten.“ Eine weitere Option wäre ein spezieller Katzenzaun, der die Kreise des Katers einengen würde, ohne ihm gleich alle Freiheiten zu nehmen.
Wird Leo zum Präzedenzfall?
Ein Szenario macht Miholnic ganz spezielle Sorgen – wenn nämlich die Sache tatsächlich bis zum OGH ausgefochten werden würde und das Höchstgericht den Klägern letztinstanzlich recht gibt. „Das wäre dann ein Präzedenzfall und würde bedeuten, dass alle Katzenhalter in Zukunft ihr Tier genau unter Kontrolle halten müssten, damit es zum Beispiel nicht in einem fremden Hochbeet sein Geschäft verrichtet oder irgendetwas zerkratzt.“ Sein Appell: „Vielleicht sollten alle Beteiligten über die möglichen Folgen noch einmal nachdenken. Wenn man jede Freilaufkatze einsperren müsste, wo führt denn das hin?“
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