In der Abo-Reihe des Kammerorchesters Arpeggione in Hohenems waren mit Charlotte Melkonian und Fridolin Schöbi zwei erstaunliche junge Streicher zu hören. Das Publikum war hingerissen.
Hohenems ist besonders. Die an sich schon sehenswerte Stadt hat sich in den letzten Jahren äußerst erfreulich entwickelt. Dazu beherbergt sie das bedeutende Festival „Schubertiade“ und leistet sich ein eigenes Orchester, das Kammerorchester Arpeggione Hohenems, das, auch dank einer großzügigen Unterstützung mehrerer ansässiger Firmen, seit vielen Jahren einen beliebten Abo-Zyklus anbietet. Die Konzerte finden fast immer im Palast Hohenems statt, dort, wo vor 5o Jahren auf Initiative von Hermann Prey die Schubertiade begonnen hat. Beim aktuellen Konzert erlebte das Publikum den Dirigenten Yalchin Adigezalow aus Aserbaidschan, elegant in seiner Erscheinung und seinen Aktionen, der den Musikern einen schlanken, sauberen und sehr agilen Klang abverlangte. Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“, die barocke Tänze zum Vorbild hatte, klang fast, als wäre ein Ensemble zugange, das in der historischen Aufführungspraxis geschult ist.
Ein zwölf Jahre altes Wunderkind
Beim folgenden Werk, einem Cellokonzert Luigi Boccherinis in B-Dur, richtete sich dann das Interesse ganz auf die erst zwölfjährige Solistin Charlotte Melkonian. Dieses erstaunliche Mädchen, Trägerin eines Stipendiums der „Deutschen Stiftung Musikleben“, spielte technisch so souverän, so blitzsauber und musikalisch gereift, dass man es kaum glauben konnte. Der Klang ihres Cellos aus der Werkstatt Scarapella in Mantua klang wunderbar, auch bei der Zugabe von Bach, die die junge Musikerin, die schon in den großen Konzertsälen der Welt aufgetreten ist, dem jubelnden Publikum gewährte. Der vierundzwanzigjährige Bratschist Fridolin Schöbi hatte es danach nicht ganz leicht zu punkten, jedoch genoss er als Vorarlberger Heimvorteil. Er ließ sein in allen Lagen wunderbar klingendes Spiel mit der „Trauermusik“ von Paul Hindemith hören. Selbst Bratscher, komponierte Hindemith das Werk 1936 spontan anlässlich des Todes von König George V. in London. Fridolin Schöbi verzichtete auf eine Zugabe und reihte sich für den letzten Programmpunkt bescheiden ins Orchester ein.
Verdiente Standing Ovations
Und dieser Abschluss des beeindruckenden Konzerts war gewichtig. Vom Dmitri Schostakowitsch zuerst als Streichquartett komponiert, bearbeitete Rudolf Barschai es für Streichorchester. In dieser Form, nun als Kammersinfonie Opus 110a, wurde das Werk berühmt, nicht zuletzt, weil es in hohem Maße die Tragik des Lebens Schostakowitschs im sowjetischen Russland spiegelte. Unter Yalchin Adigezalow spielte das Kammerorchester Arpeggione wunderschön klar und interpretierte die beiden langsamen Sätze mit berührendem Ausdruck und großem Respekt. Die Botschaft kam beim Publikum an, es spendete Standing Ovations.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.