Brauchtum im Lungau

Hochburg der Tradition: Jeder Vierte bei Verein

Salzburg
15.05.2026 08:00

Im Engagement für Brauchtum ist der Lungau kaum zu schlagen. Die Vielfalt in Salzburgs kleinstem Bezirk ist enorm: Von den Kinderschützen bis zum Samson oder zum Volkstanz.

Zur Lungauer Volkskultur gehören 63 Vereine – ohne Schützen und Blasmusikkapellen, die separat organisiert sind. Etwa 5000 Mitglieder halten damit die Traditionen am Leben und investieren Stunden über Stunden ehrenamtlich. „Daraus ergibt sich ein gewaltiger Schnitt“, ist Wolfgang Eßl, Obmann der Volkskultur, zurecht stolz. Rund jeder vierte Lungauer ist bei einem Brauchtumsverein.

Lebendige Traditionen verbinden Generationen
Die Vielfalt ist enorm. Schon die Kleinsten schlüpfen gern in Trachten und marschieren bei Ausrückungen mit. Allen voran die Schrefelschützen aus Mauterndorf, stolze „Stöpsel“ von sechs bis zwölf Jahren, die ihre geschnitzten Holzgewehre mit eigenem, kindersicheren Mechanismus bedienen. Hauptmann Hermann Prodinger: „Begehrter Lohn für die Ausrückungen ist a gute Jausn.“

Daten & Fakten

  • Die Lungauer Volkskultur zählt 63 Vereine, davon allein rund 600 Mitglieder in 27 Chören. Verschiedene Besonderheiten, wie der Samson, der auf eine biblische Gestalt zurückgeht, haben sich erhalten.
  • Mit den Schrefelschützen in Mauterndorf gibt es eine weitere Besonderheit: Der Kinderverein – die Mitglieder sind sechs bis zwölf Jahre alt – feierte im Jahr 1982 seine Wiedergründung. 

Die Samsongruppen pflegen das wohl älteste Brauchtum. Seit rund 300 Jahren erinnern die Riesen an eine biblische Figur mit übermenschlicher Kraft. Getragen werden sie von besonders starken Burschen. Warum sie sich das antun? „Es geht sehr viel um den Zusammenhalt in der Gruppe“, meint Referent Hans König. „Samson-Träger kommen im Ansehen gleich nach dem Bürgermeister“, lacht er. 

Auch Frauen sind in den Traditionsvereinen kein generelles Tabuthema mehr. „Bei uns kann sich der Anteil sehen lassen“, meint Obmann Eßl. Sogar bei den Schrefelschützen marschierten schon Mädchen mit. Und Volkstanzgruppen oder Chöre heben den Schnitt insgesamt. 

Adi Ginzinger ist einer der ältesten Mitglieder in den Lungauer Brauchtumsvereinen. „So komme ich unter die Leute. Das muss einfach sein“, sagt der 88-Jährige, der schon seit 1978 stolzes Mitglied in der „Der Bundschuh“ in Mauterndorf ist. Die Gruppe ist historisch gekleidet und erinnert an die Bauernkriege. Der Hut mit den breiten Krempen steht Ginzinger gut. Auf Einladung marschiert der kleine Verein bei Festivitäten mit. Dass so viele Lungauer für Traditionen aktiv sind, findet Ginzinger großartig: „Es soll ja unbedingt weitergegeben werden!“

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