Von Pleite bedroht

Wie Unternehmern das Leben schwer gemacht wird

Tirol
10.03.2026 21:02

Das drohende Aus der Spedition Nothegger sendet Schockwellen durch Tirol und über die Landesgrenzen hinaus. In einer detaillierten Schilderung zeigt der Firmenchef auf, mit welch haarsträubenden Erschwernissen er zu kämpfen hat – teils seien diese von der Politik hausgemacht. 

„Grundsätzlich absurd“ sei die von der ÖGK betriebene Konkurseröffnung gegen die Nothegger Transport Logistik GmbH, nahm Seniorchef Karl Nothegger am Dienstagabend ausführlich Stellung zu dem aufsehenerrengenden Fall. 300 Mitarbeiter, davon 200 in Tirol, bangen wie berichtet um ihren Job. 

Rückstand bei ÖGK wäre abgedeckt
In der Vorwoche habe man dem Gericht einen Kaufvertrag für eine Liegenschaft in Wien vorgelegt, die einer Gesellschaft in der Gruppe gehört und deren Erlös über die Holding in die Transport Logistik eingebracht werden sollte. „Der Erlös hätte den Rückstand bei der ÖGK doppelt abgedeckt“, zeigt Nothegger auf. 

Hohe Zinsen berechnet
Die Herkunft der Verbindlichkeiten gegen die ÖGK wirft auch einige Fragen auf: „Die Verbindlichkeiten stammen zu einem großen Teil aus einer Prüfung der Jahre 2008 bis 2013, bei der nach abenteuerlichen Schätzungen 9 Millionen Euro Abgaben vorgeschrieben wurden. Nach einem fünf Jahre dauernden Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht wurde eine Million  nachgelassen, aber gleichzeitig 2,6 Millionen Euro Zinsen vorgeschrieben – das sind mehr als 9 %, obwohl damals der Zinssatz bei 1,5 % lag“, betont der Firmenchef. Seitens der ÖGK sei Entgegenkommen signalisiert worden, „stattdessen wurde ein Konkursantrag eingereicht“. 

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Als kleiner Fisch im Haifisch-Becken des Intermodalverkehrs sind wir zu klein, deshalb sind wir mit zwei großen Konzernspeditionen im Gespräch.

Karl Nothegger sen.

Verlagerung auf die Straße: Viele Hürden
Seine Spedition im Allgemeinen und er im Speziellen habe sich der von der Politik stets propagierten Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene verschrieben, im Fachjargon „Intermodalverkehr“. „Nach anfänglichen Erfolgen ist die Qualität der Bahnen enorm gesunken und hat dadurch enorme Verluste verursacht. Im Spitzenjahr 2021 wurden pro Woche 2000 Ladungen auf die Bahn gebracht zwischen Österreich, Italien, Deutschland, Schweiz, Frankreich und Türkei. Dieser Anteil im kombinierten Verkehr ist nun auf 400 Ladungen pro Woche gesunken, weil ein positives Wirtschaften nicht möglich war. Neben mangelnden Lokführern, Zugausfällen, Streckensperrungen waren vor allem schlechte Organisation seitens der Bahnbetreiber die Kostentreiber. Lkw für den Nachlauf auf der Straße warten auf nicht ankommende Züge in den Terminals, Container mussten wegen Zugausfällen wieder auf die Straße geholt werden, das Terminal Verona versendet um 10 Uhr eine E-mail, dass Container erst wieder am nächsten Tag um 18 Uhr abgegeben werden. Der Lkw sollte vom Terminal wieder einen Container abholen, kann dies jedoch nicht und steht einen ganzen Tag herum. Hier ist die Differenz zwischen dem politischen Willen und der praktischen Funktionalität enorm“, schildert Nothegger Beispiele aus der Praxis. 

Gespräche nun auf Eis gelegt
Trotzdem habe man in den vergangenen 15 Jahren mehr als 100.000 Ladungen vom und zum Terminal Hall nach Süditalien befördert, „pro Zug mit je 34 Lkw-Ladungen, die die Brennerautobahn nicht belastet haben. Als kleiner Fisch im Haifisch-Becken des Intermodalverkehrs sind wir zu klein, deshalb sind wir mit zwei großen Konzernspeditionen im Gespräch, um den Intermodal mit fremder Hilfe und Kapitalkraft zu entwickeln, damit Ganzzüge mit Privatbahnen in größerem Stil entwickelt werden können. Unsere leidvollen Erfahrungen und das Know-how sind sehr gefragt. Durch die Konkurseröffnung sind nun diese Gespräche geschädigt und derzeit unterbrochen“, bedauert Nothegger die Entwicklungen.

Abrechnung mit der Tiroler Transitpolitik
Und er nimmt auch Stellung zur Tiroler Transitpolitik: „Ein starker wirtschaftlicher Schaden sind auch die laufenden Behinderungen des Landes Tirol durch Fahrverbote und Blockabfertigungen. Es gibt Fahrzeuge, die von München nach St. Johann zehn Stunden brauchen, weil sie in Bayern im Stau stehen, statt eines Gewinns von 20 Euro entsteht in diesem Fall ein Verlust  von 250 Euro!“, zeigt der langjährige Unternehmer auf. 

Durch die verlängerten Samstagfahrverbote könnten Lkw nicht mehr am Samstag weg- bzw. nach Hause fahren, „diese Maßnahmen haben allein 2025 mehr als 1 Million Schaden verursacht. Die Maßnahmen gegen den Transitverkehr schaden der einheimischen Wirtschaft mehr als den Transitfahrern“, ist Nothegger überzeugt. 

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