Ewald Palmetshofers raffinierter „Sankt Falstaff“ scheitert im Wiener Burgtheater trotz toller Besetzung an Karin Henkels Penetranz-Regie. Erlebenswert sind jedoch Maria Happels grotesker Königsleichnam und Birgit Minichmayrs elementarer Falstaff.
Auf den Flügeln der Verfallenheitsbekundungen des Feuilletons und der von ihm bestückten Theaterjurys trägt es die deutsche Regisseurin Karin Henkel von Triumph zu Trophäe. Das Prinzip ist dabei häufig das gleiche: Ein klassischer Stoff wird mit Kalauern, Ekeldrastik und politischen Banalitäten aufgeladen, im Zentrum steht eine als Mann kostümierte Frau monströsen Formats („Richard III.“ in Salzburg). Oder eine ikonische Rolle wird bis zur Unkenntlichkeit auf eine demonstrativ unspektakuläre Besetzung verteilt (der noch vor Kurzem gezeigte „Hamlet“ an der Burg).
Nun scheint es, als wäre der Neuling des österreichischen Sprachvirtuosen Ewald Palmetshofer quasi auf den Stil Karin Henkels geschrieben (die Zeiten, da sich der Regisseur dem Stück verpflichtete, sind ja vorerst ausgesetzt). Palmetshofer hat Shakespeares „Heinrich IV.“ überschrieben, und das mit Stil und Hintersinn. Zoten und schwülstige politische Erlösungsmanifeste, beide in massiv ordinärer und doch metrisch kunstvoller Sprache, werden in die Luft geworfen und formen sich dort zu etwas Schlüssigem: Dem Verfaulen des Autokraten König Heinz steht die Tragikomödie des proletarischen Falstaff gegenüber.
An der Burg vermittelt sich das kaum. In einem bühnengroßen Gerippe (Thilo Reuther) lokalisiert, verwirren sich die Ereignisse unter dem gnadenlosen Zugriff deutschen Dauerhumors bis zur Undurchschaubarkeit. Erlebenswert sind Maria Happels grotesker Königsleichnam und Birgit Minichmayrs elementarer Falstaff – hier legitimiert sich die an sich unmotivierte „Cross“-Besetzung durch Qualität. Dagegen wird Bibiana Beglau übel mitgespielt. Der hier abzuliefernde Krampfkasper ist der Wunderschauspielerin definitiv nicht würdig. Und angesichts der Mühewaltungen der Herren Tim Werths, Tristan Witzel und Oliver Nägele kommt man aus dem Erröten nicht heraus.
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