Ein ohrenbetäubender Knall, ein riesiger Feuerball: Vergangenen Herbst ereignete sich auf der A9 in der Steiermark ein schrecklicher Unfall. Ein betrunkener Steirer krachte mit fast 200 km/h ungebremst in ein Auto – das Fahrzeug fing Feuer, zwei Ungarn verbrannten hilflos. Am Mittwoch stand der Lenker (38) vor Gericht.
Die Wucht des Aufpralls war so massiv, dass das Auto der beiden Ungarn 250 Meter weit geschleudert wurde und sich dabei dreimal um die eigene Achse drehte. Der Pkw war so deformiert, dass die Hinterachse nach vorn geschoben wurde. Der Tank wurde aufgerissen, und durch die Funken der Karosserie, die über den Asphalt schliff, ging der Wagen sofort in Flammen auf. Die Folge war ein gigantischer Feuerball.
„Nachkommende Autofahrer versuchten noch, mit einem Feuerlöscher den Brand zu bekämpfen. Aber die Hilfe kam zu spät“, schildert Richter Gerhard Leitgeb am Mittwoch beim Prozess in Graz. Die jungen Männer (27 und 30 Jahre alt) waren schon hilflos im Wrack ihres Alfa Romeo verbrannt.
Verursacht hat den Horror-Unfall auf der A9 kurz vor der Abfahrt Gralla ein 38-jähriger Steirer. Laut Staatsanwaltschaft war er mit stark überhöhter Geschwindigkeit (195 km/h) und unter Einfluss von Alkohol (1,43 Promille) und Drogen (Cannabis) unterwegs. „Sie sind ohne jegliche Bremsreaktion auf das Auto der Ungarn aufgefahren“, so Leitgeb weiter.
Hier sind zwei unschuldige Menschen zum Handkuss gekommen.
Staatsanwältin Laura Markt-Holzmann
Bei einem Freund sehr viel Bier getrunken
„Mein Mandant weiß, dass er etwas ganz Schlimmes getan hat, das er in seinem ganzen Leben nicht mehr gutmachen kann“, betont Verteidiger Andreas Hirschbichler. „Er wird die volle Verantwortung übernehmen.“ – „Wie ist es überhaupt dazu gekommen?“, fragt der Richter den Angeklagten. „Ich war einen Freund in Graz besuchen, und es ist länger geworden“, erzählt der 38-Jährige. Man habe Bier getrunken, sehr viel Bier.
21 leere Bierdosen und Schnapsflaschen im Auto
Dann stieg der Zimmermann ins Auto, um heimzufahren. „Und im Auto haben Sie weitergetrunken. In der Mittelkonsole war eine halbvolle Bierdose“, sagt Leitgeb und zeigt Fotos des Unfallwagens. „21 leere Bierdosen und Schnapsflaschen waren in dem Fahrzeug. Das ist doch wahnsinnig“, wirft Staatsanwältin Laure Markt-Holzmann ein. „Und das Cannabis griffbereit in der Mittelkonsole!“, schüttelt sie den Kopf.
Sie müssen sich vorstellen, Ihr Kind fährt irgendwo ins Ausland und kommt nicht mehr heim.

Richter Gerhard Leitgeb
Bild: Eva Stockner
„Ich habe seitdem keinen Tropfen getrunken und nichts mehr geraucht“, beteuert der Angeklagte mit Tränen in den Augen. Sein Anwalt legt neben einem Drogentest zudem Bestätigungen einer stationären Entwöhnungstherapie vor. „Sie müssen sich vorstellen, Ihr Kind fährt irgendwo ins Ausland und kommt nicht mehr heim. Sie verstehen, dass das sanktioniert gehört“, betont der Vorsitzende.
Es tut mir furchtbar, furchtbar leid. Ich werde nie wieder in meinem Leben etwas konsumieren.
Der Angeklagte in seinen Schlussworten
Wegen des reumütigen Geständnisses, der Schuldeinsicht und weil er schon in Therapie ist, kommt der Steirer relativ glimpflich davon. Ein Jahr Haft, davon vier Monate unbedingt. „Die müssen Sie absitzen, das ist generalpräventiv notwendig“, begründet der Richter. Aus rechtlichen Gründen müssen die Hinterbliebenen ihre Schmerzensgeldforderung in der Höhe von 160.000 Euro auf dem Zivilrechtsweg erkämpfen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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