„Bin nicht allein“

Der Mann, der Ende Mai den Brenner lahmlegen lässt

Tirol
02.05.2026 06:00

Am 30. Mai geht auf der Brennerstrecke in Tirol nichts mehr. Grund ist eine Anti-Transit-Demo auf der Autobahn A13. Bürgermeister Karl Mühlsteiger aus Gries hat sie beantragt. Mit der „Krone“ sprach er über E-Mail-Fluten, Kritiker des Protests und darüber, warum es gerade der Termin sein muss.  

„Krone“: Herr Bürgermeister Mühlsteiger, Sie sind seit Dienstag als der Mann bekannt, der die Brennerroute lahmlegen lässt. Wie fühlt man sich dabei?
Karl Mühlsteiger: Das Land betont zwar immer, dass der Antrag für diese Versammlung von einer Privatperson gestellt wurde, aber das ist nur eine formale Spitzfindigkeit. Einer muss auf dem Antrag stehen. Aber hinter dem Anliegen, die hohe Politik aufzurütteln, stehen viele. Allen voran meine Amtskollegen im Wipptal, die wie ich als direkt gewählte Vertreter der Bevölkerung ein Zeichen setzen wollen. Natürlich haben wir uns abgestimmt. Wir wollen aufzeigen, dass die Grenze der Belastbarkeit überschritten ist. Es braucht Verkehrsentlastung und keine Aufweichung bestehender Transitmaßnahmen, die durch die Klage des italienischen Verkehrsministers vor dem EuGH zu befürchten ist.

Zitat Icon

Überraschend viele derer, die die Protestmaßnahme als wichtiges Signal bezeichnen, stammen aus Deutschland und Italien.

Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner

Was hat sich seit Bekanntwerden des Demonstrationstermins getan? Nennt man Sie schon Transit-Rebell?
Nein, als Rebell wurde ich noch nicht bezeichnet. Aber ich hätte nicht mit so vielen Reaktionen gerechnet. Zum Thema sind bei mir seit Dienstagnachmittag mehr als 300 E-Mails eingegangen, großteils mit Worten der Unterstützung für unsere Sache. Das ist motivierend und auch bewegend, wenn mir Menschen ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen. Überraschend viele derer, die die Protestmaßnahme als wichtiges Signal bezeichnen, stammen aus Deutschland und Italien. Auch dort leidet die Bevölkerung unter den Folgen des Verkehrs. Das wird im politischen Hickhack oft vergessen.

Land, Asfinag und Polizei haben umfassende Sperren und Fahrverbote für den Tag der Versammlung ...
Land, Asfinag und Polizei haben umfassende Sperren und Fahrverbote für den Tag der Versammlung erlassen.(Bild: Claudia Thurner)

Nicht nur Zustimmung für Protest
Aber es gibt wohl auch negative Reaktionen, hat doch die Autobahnblockade weitreichende Auswirkungen für all jene, die an diesem Tag unterwegs sind.

Es gibt auch ein paar negative Meldungen, aber vergleichsweise wenige. Einer hat moniert, dass wir seine Anreise in den Urlaub behindern. Dem Herrn werde ich natürlich auch zurückschreiben und ihm zu erklären versuchen, warum wir zu dieser Maßnahme greifen, dass dies nicht aus Jux und Tollerei passiert.

Der Termin für den Protest wird kritisiert. Die Asfinag spricht von einem der verkehrsstärksten Tage im Jahr. Das Land gibt an, alternative Zeiten im April oder Oktober angeregt zu haben. Warum musste es der 30. Mai sein?
Es ging uns nicht explizit um dieses Datum. Aber im April und Oktober ist die Gefahr von Schneefällen deutlich höher. Wir müssen ja auch auf die Teilnehmer der Versammlung schauen. Wie Asfinag und Land wissen, wollten wir ursprünglich einen anderen Termin. Aber bei jedem Vorschlag hieß es, das lässt sich mit dem Reiseverkehr nicht machen. Wir wollen kein Chaos provozieren. Daher haben wir den Samstagnachmittag gewählt, weil das Lkw-Wochenendfahrverbot greift.

Was tun Sie, wenn nur wenige Menschen zu der Versammlung kommen?
Nach den Rückmeldungen der letzten Tage glaube ich das nicht. Aber sollte es so sein, dann sehe ich es als Botschaft, die zu akzeptieren ist und aus der wir dann unsere Schlüsse ziehen werden. 

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung