Am 30. Mai geht auf der Brennerstrecke in Tirol nichts mehr. Grund ist eine Anti-Transit-Demo auf der Autobahn A13. Bürgermeister Karl Mühlsteiger aus Gries hat sie beantragt. Mit der „Krone“ sprach er über E-Mail-Fluten, Kritiker des Protests und darüber, warum es gerade der Termin sein muss.
„Krone“: Herr Bürgermeister Mühlsteiger, Sie sind seit Dienstag als der Mann bekannt, der die Brennerroute lahmlegen lässt. Wie fühlt man sich dabei?
Karl Mühlsteiger: Das Land betont zwar immer, dass der Antrag für diese Versammlung von einer Privatperson gestellt wurde, aber das ist nur eine formale Spitzfindigkeit. Einer muss auf dem Antrag stehen. Aber hinter dem Anliegen, die hohe Politik aufzurütteln, stehen viele. Allen voran meine Amtskollegen im Wipptal, die wie ich als direkt gewählte Vertreter der Bevölkerung ein Zeichen setzen wollen. Natürlich haben wir uns abgestimmt. Wir wollen aufzeigen, dass die Grenze der Belastbarkeit überschritten ist. Es braucht Verkehrsentlastung und keine Aufweichung bestehender Transitmaßnahmen, die durch die Klage des italienischen Verkehrsministers vor dem EuGH zu befürchten ist.
Überraschend viele derer, die die Protestmaßnahme als wichtiges Signal bezeichnen, stammen aus Deutschland und Italien.

Karl Mühlsteiger, Bürgermeister von Gries am Brenner
Bild: Christof Birbaumer
Was hat sich seit Bekanntwerden des Demonstrationstermins getan? Nennt man Sie schon Transit-Rebell?
Nein, als Rebell wurde ich noch nicht bezeichnet. Aber ich hätte nicht mit so vielen Reaktionen gerechnet. Zum Thema sind bei mir seit Dienstagnachmittag mehr als 300 E-Mails eingegangen, großteils mit Worten der Unterstützung für unsere Sache. Das ist motivierend und auch bewegend, wenn mir Menschen ihre ganz persönlichen Geschichten erzählen. Überraschend viele derer, die die Protestmaßnahme als wichtiges Signal bezeichnen, stammen aus Deutschland und Italien. Auch dort leidet die Bevölkerung unter den Folgen des Verkehrs. Das wird im politischen Hickhack oft vergessen.
Nicht nur Zustimmung für Protest
Aber es gibt wohl auch negative Reaktionen, hat doch die Autobahnblockade weitreichende Auswirkungen für all jene, die an diesem Tag unterwegs sind.
Es gibt auch ein paar negative Meldungen, aber vergleichsweise wenige. Einer hat moniert, dass wir seine Anreise in den Urlaub behindern. Dem Herrn werde ich natürlich auch zurückschreiben und ihm zu erklären versuchen, warum wir zu dieser Maßnahme greifen, dass dies nicht aus Jux und Tollerei passiert.
Der Termin für den Protest wird kritisiert. Die Asfinag spricht von einem der verkehrsstärksten Tage im Jahr. Das Land gibt an, alternative Zeiten im April oder Oktober angeregt zu haben. Warum musste es der 30. Mai sein?
Es ging uns nicht explizit um dieses Datum. Aber im April und Oktober ist die Gefahr von Schneefällen deutlich höher. Wir müssen ja auch auf die Teilnehmer der Versammlung schauen. Wie Asfinag und Land wissen, wollten wir ursprünglich einen anderen Termin. Aber bei jedem Vorschlag hieß es, das lässt sich mit dem Reiseverkehr nicht machen. Wir wollen kein Chaos provozieren. Daher haben wir den Samstagnachmittag gewählt, weil das Lkw-Wochenendfahrverbot greift.
Was tun Sie, wenn nur wenige Menschen zu der Versammlung kommen?
Nach den Rückmeldungen der letzten Tage glaube ich das nicht. Aber sollte es so sein, dann sehe ich es als Botschaft, die zu akzeptieren ist und aus der wir dann unsere Schlüsse ziehen werden.
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