Israel-Boykott bei ESC

Palästinensischer Botschafter nimmt an Demo teil

Song Contest
01.05.2026 13:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Zuletzt sind immer wieder Stimmen laut geworden, die den Ausschluss Israels vom Song Contest in Wien fordern. Auch der palästinensische Botschafter in Wien, Salah Abdel Shafi, begrüßt den Boykott einiger Länder. Er kündigte an, persönlich an Protestveranstaltungen teilzunehmen.

Shafi wird am 15. Mai bei der Veranstaltung in der Venediger Au („No stage for genocide“) und am 16. Mai bei der Demonstration gegen die Teilnahme Israels erwartet. „Ein Land, das einen Völkermord begangen hat, beziehungsweise nach wie vor begeht, müsste von allen Veranstaltungen ausgeschlossen werden“, sagte der Botschafter.

Der israelische Botschafter in Österreich, David Roet, sieht den Eurovision Song Contest hingegen nicht als politische Veranstaltung. Jede und jeder sollte daran teilnehmen können, sagte er. Er könne „nicht verstehen, dass ausgerechnet in Österreich Juden oder Israelis wieder von einer Kulturveranstaltung ausgeschlossen werden sollten“. Er sorge sich, „dass es Menschen geben wird, die versuchen werden, diese schöne Feier zu ruinieren“, sagte Roet.

Völkerrechtler: Gemeinsamkeiten mit Russland
Der Völkerrechtler Ralph Janik sieht Gemeinsamkeiten zwischen Israel und Russland. „Sowohl Russland als auch Israel verletzen das Völkerrecht, konkret das Gewaltverbot und das Kriegsrecht“, sagte er. Allerdings lebe Israel in einem anderen sicherheitspolitischen Umfeld als Russland, sei von der palästinensischen Terrororganisation Hamas attackiert und vom Iran bedroht worden. „Die Ukraine hat Russland weder angegriffen noch bedroht“, ergänzte der Professor der Sigmund Freud Privatuniversität. Russland war wegen seines Kriegs gegen die Ukraine 2022 vom ESC ausgeschlossen worden.

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In Russland gibt es keine unabhängige Kunst, da wäre jeder Vertreter ein Abgesandter des Putin'schen Regimes.

Ralph Janik, Völkerrechtler

„Aber das ändert nichts daran, dass Israels Kriege in der Form, wie sie geführt werden, gegen das Völkerrecht verstoßen. Aber der Hintergrund ist dennoch ein anderer“, hielt Janik fest. In Russland gebe es zudem keine unabhängige Kunst mehr, Israel sei noch ein wesentlich freierer Staat. Ein israelischer Künstler könne den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu scharf kritisieren, ohne im Gefängnis zu landen. Bei einem russischen wäre das anders, meinte der Fachmann.

„Österreich heuchlerisch“
Viele Kritikerinnen und Kritiker hätten auch kein Problem mit der Bevölkerung Israels, sondern mit den Kriegen und der Regierung Netanyahus. Länder wie Österreich, die Israel unterstützen, gelten „in anderen Erdteilen als heuchlerisch“, meinte er. Aufgrund der Teilnahme Israels haben Irland, Island, die Niederlande, Spanien und Slowenien angekündigt, dem Musikwettbewerb in Wien in diesem Jahr fernzubleiben.

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