Es klang zunächst wie eine österreichische Erfolgsgeschichte: 136 Anleger investierten 2021 ihr Vermögen in ein Start-up für Medizinprodukte. Nach mehreren Eigentümerwechseln fehlt von dem einbezahlten Geld seit Juni 2025 aber jede Spur. Der Verdacht der Veruntreuung von 5,5 Millionen Euro steht im Raum.
Wer in Österreich einen Teil seines Geldes investieren möchte, ist bei einer Vermögensveranlagungs-Plattform wie der Arax-Gruppe an und für sich gut aufgehoben. Das dachten sich im Jahr 2021 auch 136 österreichische Anleger, die dort auch noch in das heimische Medizinprodukt-Start-up Biocrates investierten. Ein sicherer Hafen, bei dem sich sämtliche Beteiligten in Österreich befinden. Sollte man zumindest meinen, es kam – mutmaßlich – ganz anders.
Verkauf von Start-up, dann passierte nichts mehr
2025 wurde das Start-up an einen weltweit führenden Hersteller wissenschaftlicher Instrumente verkauft. Auch das klang nach Erfolgsgeschichte. Seither warten die Anleger jedoch auf die Auszahlung ihrer veranlagten 5,5 Millionen Euro. Jene hätte laut Closing bereits im Juni 2025 stattfinden sollen. Der Wiener Jurist Mag. Georg Royer, der einige der Anleger rechtlich vertritt, hegt den „begründeten Verdacht, dass über 5 Millionen Euro auf mehrere Konten anderer Gesellschaften transferiert wurden“.
Es muss unverzüglich aufgeklärt werden, wo sich das Geld der Anleger befindet.

Mag. Georg Royer vertritt die Interessen der möglichen Geschädigten
Bild: different marketing
Drei Eigentümerwechsel führten ins Chaos
Möglicher Hintergrund: Bei der Arax Capital und den dazugehörigen Treuhandfirmen kam es seit Sommer 2025 gleich zu dreimaligen Eigentümerwechseln. Die Namen der zwischenzeitlichen Geschäftsführer tauchen laut „Krone“-Informationen auch in anderen Ermittlungsverfahren auf, zum Beispiel im Zusammenhang mit Insolvenzen der Firma SVETA. Da jedoch selbstverständlich für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung gilt, nimmt die „Krone“ vorläufig davon Abstand, deren Namen zu nennen.
Als Anleger glaubt man, in Österreich auf der sicheren Seite zu sein. Jetzt frage ich mich ernsthaft, wo hier die Rechtssicherheit bleibt.
Hans Peter J. bangt um sein veranlagtes Geld
Landeskriminalamt ermittelt, WKStA schweigt
Selbstverständlich, so einer der Betroffenen aus der Steiermark, würde man bei solchen Investitionen „mit einem gewissen Risiko rechnen“, sein Geld zu verlieren. Man bekomme jedoch bis heute keine Informationen, Rückfragen an die aktuellen Geschäftsführer der Arax-Gruppe sollen unbeantwortet bleiben. Der Tatbestand der (qualifizierten) Veruntreuung der Gelder liegt zumindest nahe. Bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wollte man zu dem laufenden Verfahren, in dem auch das Landeskriminalamt Wien ermittelt, der „Krone“ gegenüber keine Auskunft erteilen.
Nach Auskunft unseres Mandanten wurden in der Zeit seiner Zugehörigkeit zur Unternehmensgruppe alle Tätigkeiten ordnungsgemäß abgewickelt.
Jurist Dr. Franz Markus Nestl vertritt einen der nun Verdächtigten.
Beschuldigter weist Anschuldigungen von sich
Was genau bei der Projektgesellschaft „Arax Projekt zwei GmbH & Co KG“ passiert ist, müssen nun wohl die Strafverfolgungsbehörden herausfinden. Einer der laut Ermittlungen Beschuldigten gab gegenüber der „Krone“ an, zum Zeitpunkt seiner Abberufung als Geschäftsführer (10.06.2025, Anmerkung der Redaktion) wären „sämtliche Anlegergelder ordnungsgemäß und vollständig auf dem hierfür vorgesehenen Treuhandkonto verbucht“ gewesen. Die erhobenen Anschuldigungen weist er ausdrücklich zurück.
Zum Zeitpunkt meiner Abberufung waren sämtliche Anlegergelder ordnungsgemäß und vollständig auf dem vorgesehenen Treuhandkonto verbucht.
Einer der Beschuldigten, der am 10.06.2025 aus der Arax-Gruppe ausgeschieden ist.
„Wo bleibt die Rechtssicherheit?“
Die „Krone“ erreichte den Anwalt eines weiteren Verdächtigen in der Causa. Rechtsanwalt Dr. Franz Markus Nestl betonte, dass auch in der Geschäftsführerzeit seines Mandanten „alle Tätigkeiten ordnungsgemäß abgewickelt wurden“. Weitere Auskünfte werde es nicht geben. Wo sein Geld geblieben ist, klären derartige Antworten jedoch nicht, meint Hans Peter J. „Als Anleger glaubt man, in Österreich auf der sicheren Seite zu sein“, seufzt er. Er frage sich mittlerweile ernsthaft, „wo hier die Rechtssicherheit bleibt“.
Anwaltsschreiben bleibt seit Monaten unbeantwortet
„Es muss unverzüglich aufgeklärt werden, wo sich das Geld der Anleger befindet“, betont Jurist Mag. Georg Royer gegenüber der „Krone“. Der Erlös aus dem erfolgreichen Verkauf der Anteile an Biocrates befindet sich offensichtlich nicht auf dem hierfür vorgesehenen Konto. Auch ein anwaltliches Schreiben mit der Frage zum Verbleib der 5,5 Millionen Euro blieb seit Dezember 2025 unbeantwortet.
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