Seit Montag muss sich jener Vorarlberger vor dem Schöffensenat in Feldkirch verantworten, der mehrere Jahre als Zahnarzt Patienten behandelte, ohne jemals Zahnmedizin studiert zu haben. Ihm werden schwere Körperverletzung, Kurpfuscherei und Betrug vorgeworfen.
Gemäß Anklage hatte der 55-Jährige wahrheitswidrig vorgebracht, ein qualifizierter Zahnarzt zu sein, der seit vielen Jahren praktiziert. Vor Richter Alexander Wehinger gibt der „falsche Zahnarzt“ an, dass er das Studium der Zahnmedizin an der Universität Stellenbosch in Südafrika erfolgreich abgeschlossen habe. Bei dem ihm verliehenen Diplom handle es sich um ein vollwertiges zahnmedizinisches Studium, welches mit dem in Österreich vergleichbar sei. Die zivilrechtliche Prozesslawine habe ihn bereits 780.000 Euro gekostet, mit den Hypotheken auf seine Liegenschaften komme er auf eine Summe von zwei Millionen Euro Schulden.
Der Verteidiger fordert in allen Anklagepunkten einen Freispruch
Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Martin Trefalt, kritisiert in seinem Eingangsplädoyer wiederholte und erhebliche Verfahrensmängel. So habe die Zahnärztekammer bewusst ihren eigenen Privatgutachter bezüglich zweier geschädigter Patienten bestellt. Der Verteidiger weist zudem auf eine Urkunde aus Flandern hin, die seinen Mandanten als Zahnarzt mit einer gleichwertigen Ausbildung wie in Österreich zertifiziert. Er fordert in allen Anklagepunkten einen Freispruch.
Der Angeklagte bekennt sich nicht schuldig. Er sei unter anderem Mitglied der Österreichischen Gesellschaft ästhetischer Zahnheilkunde. „Ich habe etliche Kurse und Vorträge auf Universitäten abgehalten und wurde deshalb von dieser Gesellschaft eingeladen.“ Mitglied der österreichischen Zahnärztekammer zu werden, sei nie seine Intention gewesen. Er habe selbstständig werden wollen und sich vor allem auf Demonstrationen wie etwa das Anbringen von Veneers konzentriert. Den Vorhalt, wonach Dokumente aufgefunden worden waren, die dem Angeklagten den Doktortitel attestierten, bezeichnet der 55-Jährige als „Schwachsinn“ und schiebt den Schwarzen Peter einer ehemaligen Praktikantin zu: „Die hat sich sehr für Grafik interessiert und an Dokumenten herumprobiert. Wahrscheinlich hat sie den Titel hinzugefügt.“ Sie sei daraufhin entlassen worden.
Die Verhandlung wurde vertagt
Auf den Hinweis des Richters, dass bereits einige Mitarbeiter im Labor des Beschuldigten wegen falscher Beweisaussage geständig waren und verurteilt wurden, sagt er, dass Aussage gegen Aussage stehe. „Zudem gibt es viele Menschen, die von mir behandelt wurden und auf Videos lachen. Und plötzlich war die Behandlung dann nicht mehr so toll?“ Wegen Anträgen auf die Einvernahme von mehreren Zeugen in Südafrika via Zoom, wo der Angeklagte auch aktiv war und ist, beschließt das Gericht, die Verhandlung zu vertagen.
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