Entertainer Alfons Haider sprach mit der „Krone“ über sein Buch „Meine Mama, die Löwin“, seine besonderen Momente und Freunde in seiner zweiten Heimat Tirol und seine Gefühle in Sachen Trauer.
„Krone“: Was hat Sie denn dazu inspiriert, dieses Buch über Ihre Mutter zu schreiben?
Alfons Haider: Sehr häufig bin ich von Menschen auf meine Beziehung zu meiner Mutter und meinen Umgang mit meiner Mutter angesprochen worden. Und da meine Mutter mir nicht nur mein Leben schenkte, mich prägte und mich auch nicht nur durch glückliche, sondern auch durch sehr schwierige Phasen meines Lebens begleitete und mich immer unterstützt hat, möchte ich ihr mit diesem Buch auch Danke sagen, denn ohne sie würde es mich in dieser Form nicht geben.
Wie haben Sie die Zeit des Schreibens empfunden? Gab es besondere Herausforderungen oder emotionale Momente?
Das Schreiben des Buches war für mich eine Achterbahn, weil ich währenddessen natürlich immer wieder mit ihrem Tod konfrontiert wurde. Die Entscheidung, über die Zeit kurz vor dem Tod meiner Mutter zu reden, war schwer für mich. Aber auch der Tod gehört zum Leben und deshalb wollte ich auch absolut ehrlich sein und nichts verschweigen. Die Liebe meiner Mutter war aber auch so groß, dass sie sogar auf dem Sterbebett an mich dachte. Während des Ringens mit dem Tod ist der Körper – auch durch die Schmerzen – entstellt. Doch letztendlich schenkte mir meine Mutter, die letzten Endes doch friedlich schlafend, mit ihrer Hand in meiner da lag, eine wunderschöne Erinnerung.
Könnten Sie uns mehr über die Bedeutung von Tirol in Ihrer gemeinsamen Zeit erzählen?
Tirol wurde zweifellos unsere zweite Heimat. Und die wahnsinnig enge Verbindung, die wir mit der Familie Hörtnagl hatten, besteht auch heute noch. Meine Mutsch, die Erna Hörtnagl und ihr Sohn Peter Hörtnagl und meine Tante Herma waren eine große Familie. Wir haben jedes Weihnachts- und Osterfest miteinander gefeiert. Sowohl die Erna als auch meine Mutter hatten kein einfaches Leben. Aber beide kämpften wie Löwinnen um ihre Kinder, das schweißt zusammen. Sie waren beide auch sehr bodenständige und sehr herzliche Frauen. Nach Ernas Tod hat meine Mutter auch so ein bisschen die Mutterfunktion für Peter übernommen. Und mit Peter Hörtnagl habe ich auch heute noch eine wahnsinnig enge Beziehung. Er ist mein Lebensmensch.
Meine Mutter hat mich begleitet, auf mich aufgepasst, hat sich aber nie massiv in mein Leben eingemischt.
Alfons Haider
Haben Sie in diesem Buch über das Leben mit Ihrer Mutter auch besondere Momente ihrer Zeit in Tirol geteilt?
Ja, da gab es auch viele wunderschöne Geschichten mit meiner Mutter und den Tieren. Das war immer lustig. Wo sich beispielsweise meine Mutter aufhielt, die von den Hunden als Rudelchefin angesehen wurde, war auch die Hündin Mädi, die völlig verschossen in meine Mutter war, nicht weit.
Was waren einige der größten Lektionen, die Sie von Ihrer Mutter gelernt haben?
Von meiner Mutter habe ich gelernt, Schicksalsschläge anzunehmen, sie zu definieren und einzuordnen und sie dann langsam ausklingen zu lassen, damit man sie nicht ein ganzes Leben lang mitschleppt. Ich habe aber auch von ihr gelernt, Spaß am Leben zu haben und dass das Lachen sehr wichtig ist. Meine Mutsch war ein fröhlicher Mensch. Zusätzlich brachte sie mir Loyalität und Treue bei.
Wie würden Sie Ihre Mutter beschreiben? Welche Eigenschaften machten sie zur „Löwin“?
Sie hat mich begleitet, auf mich aufgepasst, hat sich aber nie massiv in mein Leben eingemischt. Bei meinem Outing, der größten Krise meines Lebens, stand sie zu und hinter mir, obwohl ihr bewusst war, dass sie wahrscheinlich nie Enkelkinder haben wird. Wenn sie hörte, dass ich attackiert wurde oder jemand schlecht über mich redete, hat sie mich verteidigt und dann war mit der Anna nicht mehr gut, Kirschen zu essen.
Bei meinem Outing, der größten Krise meines Lebens, stand sie zu und hinter mir, obwohl ihr bewusst war, dass sie wahrscheinlich nie Enkelkinder haben wird.
Alfons Haider
Welche Rolle spielt die Trauer in diesem Buch, und wie beeinflusst sie die Erzählung?
Die Aussage, dass im Leben der Schmerz über einen Verlust irgendwann leichter wird, stimmt nur bedingt. Es wird ein bisschen leichter, aber niemals wieder gut. So habe ich beispielsweise eine sehr lange Zeit gebraucht, bis ich das Zimmer meiner Mutter in meiner Wohnung wieder betreten konnte. In diesem Zimmer passierte in den Jahren, während ich meine Mutter pflegte, auch sehr viel Leid. Irgendwann war das Zimmer wie ein kleines Gefängnis, aber zumindest war meine Mutsch zu Hause, denn das war ihr größter Wunsch. Aber ich beklage mich nicht, denn dadurch konnte ich ihre große Liebe bis zu ihrem letzten Atemzug miterleben.
Was hoffen Sie, wird Ihr Publikum nach der Lektüre von „Meine Mama, die Löwin“ mitnehmen?
Mit dem Buch möchte ich nicht nur meine eigene Mutter huldigen, sondern alle Mütter hervorheben und ihnen eine Stimme geben. Es ist nicht nur eine Liebeserklärung an meine Mutsch, sondern an alle Mütter. Zudem betrachte ich das Buch auch ein bisschen als Ratgeber, der aufzeigt, dass man, auch wenn man sehr eng miteinander ist, genügend Freiraum geben sollte und erkennen muss, dass es wichtig ist, am Ende loslassen zu können. Zudem sollte man sich auch in guten Zeiten schon Gedanken über den Tod und die Sterbebegleitung machen. Denn das ist der größte Liebesbeweis – auch wenn das Loch, in das man danach fällt, sehr, sehr tief ist.
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