„Hohes Unfallrisiko“

Russische Raketen flogen in Nähe von Tschernobyl

Ausland
22.04.2026 12:27
Porträt von krone.at
Von krone.at

Russland hat bei Angriffen auf die Ukraine wiederholt Drohnen und Raketen auf Flugbahnen in Nähe des Kernkraftwerks Tschernobyl abgefeuert. Das erhöhe das Risiko eines schweren Unfalls, sagte Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko am Mittwoch.

Krawtschenko schilderte in einer schriftlichen Stellungnahme die Aktivitäten Russlands. Insgesamt habe die Ukraine 35 Hyperschallraketen und mindestens 92 russische Drohnen in Nähe von Kernkraftwerken entdeckt.

Kernkraftwerke unter Beschuss
Sowohl der Standort Tschernobyl als auch das ukrainische Kernkraftwerk Chmelnyzkyj befänden sich seit der Invasion auf der Flugbahn russischer Hyperschallraketen vom Typ Kinschal, sagte Krawtschenko. Insgesamt habe man 35 Kinschal-Raketen innerhalb eines Umkreises von etwa 20 Kilometern der beiden Anlagen entdeckt, erklärte er.

„Es ist offensichtlich, dass die Flüge über die Nuklearanlagen ausschließlich zum Zweck der Einschüchterung und des Terrors durchgeführt werden“, sagte Krawtschenko. Das russische Verteidigungsministerium reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters um Stellungnahme.

Ein russischer MiG-31-Kampfjet mit einer „Kinschal“-Hyperschallrakete
Ein russischer MiG-31-Kampfjet mit einer „Kinschal“-Hyperschallrakete(Bild: AP/Russian Defense Ministry Press Service)

Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erklärte, sie habe wiederholt über militärische Aktivitäten in der Nähe von Kernkraftwerken berichtet. „IAEA-Generaldirektor Grossi hat wiederholt seine tiefe Besorgnis über die Risiken und Gefahren dieser militärischen Aktivitäten für die nukleare Sicherheit und Sicherung zum Ausdruck gebracht“, hieß es in der Erklärung.

Hyperschallraketen stürzten bei Kernkraftwerk ab
Die Hyperschallrakete Kinschal kann einen Sprengkopf von 500 Kilogramm tragen. Sie erreicht eine Geschwindigkeit von 6500 km/h und legt in wenigen Sekunden 5 km zurück. Drei Kinschal-Raketen seien in etwa 10 km Entfernung vom Kernkraftwerk Chmelnyzkyj gelandet, sagte Krawtschenko. Der Grund für den Absturz der drei Raketen sei unklar. Denn die Trümmer hätten keine Anzeichen darauf aufgewiesen, dass sie abgefangen worden seien, sagte Krawtschenko.

Eine Explosion in Tschernobyl verbreitete im Jahr 1986 radioaktive Strahlung über ganz Europa. Der letzte betriebene Reaktor des Kraftwerks wurde im Jahr 2000 stillgelegt. Russland besetzte das Kraftwerk in den ersten Wochen seiner Invasion der Ukraine für über ein Monat.

Seit Juli 2024 hätten ukrainische Radarsysteme laut Krawtschenko mindestens 92 russische Drohnen in Nähe des Kraftwerks Tschernobyl erfasst. „Absichtliche Flüge von (Drohnen) mit einem mächtigen Sprengkopf über eine Nuklearanlage sind zumindest äußerst unverantwortlich und zeugen von völliger Missachtung ... der Sicherheit von Zivilisten nicht nur in der Ukraine, sondern in ganz Europa“, sagte er.

500 Millionen Euro Reparaturkosten
Im Februar letzten Jahres traf eine mutmaßlich russische Langstrecken-Angriffsdrohne die Anlage in Tschernobyl und durchbohrte die Strahlenschutzhülle des Kraftwerks. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) schätzte die Kosten für die Reparatur des Kraftwerks auf mindestens 500 Millionen Euro.

Der Kreml bestritt damals eine russische Beteiligung und erklärte, russische Streitkräfte würden keine nukleare Infrastruktur angreifen. Krawtschenko sagte, das russische Militär nutze Tschernobyl wahrscheinlich als Angriffsroute für Drohnen, um dichte Bereiche der ukrainischen Luftabwehr zu umgehen.

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