Unter dem Titel „Wo tuat’s weh?“ haben die NEOS in den vergangenen Wochen eine Vorarlberg-weite Umfrage zum Gesundheitssystem durchgeführt. 700 Vorarlberger beteiligten sich, 32 Prozent der Befragten arbeiten davon im Gesundheitsbereich. Das Ergebnis: Zufriedenheit sieht anders aus!
Lange Wartezeiten, zu wenig Zeit für Patienten, Personalmangel im Spital und in der Pflege sowie zu wenig wohnortnahe Angebote – das sind die Hauptkritikpunkte, die die rund 700 Befragten äußerten. „Das Ergebnis ist ein kollektives Misstrauensvotum gegen die Gesundheitspolitik der Landesregierung“, resümierte NEOS-Chefin Claudia Gamon. Gemäß der Umfrage hat das Vorarlberger Gesundheitssystem im Durchschnitt eine Wertung von nur 2,71 von 5 möglichen Punkten erhalten. Ein eher mittelmäßiges Ergebnis, insbesondere dann, wenn man bedenkt, wie viele Ressourcen und finanzielle Mittel in dieses System fließen.
16 Monate Wartezeit für Hüft- oder Knieersatz
Unzufrieden sind die Befragten vor allem wegen der langen Wartezeiten auf Operationstermine. 70 Prozent nannten diese als das größte Problem. „Was die Landesregierung selbst in ihrer Anfragebeantwortung vom April dokumentiert, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig“, meinte Gamon. So belaufen sich die Wartezeiten in der Orthopädie inzwischen auf weit über ein Jahr. Wer ein neues Hüft- oder Kniegelenk benötigt, muss am Dornbirner Krankenhaus statt acht Monaten (im Jahr 2021) inzwischen 16 Monate warten. Am Landeskrankenhaus Feldkirch beträgt die Wartezeit bei der Endoprothetik „nur“ 33 Wochen, im Jahr 2021 waren es noch knapp 17 Wochen.
Besonders verärgert sind die Pinken über die Antwort auf die Frage nach konkreten Maßnahmen zur Wartezeit-Reduktion: „Schwer zu prognostizieren“ lautete diese. „Das ist keine Gesundheitspolitik. Die Lage verschlechtert sich seit Jahren, und die Verantwortlichen haben keine Antwort. Eine Lösungssuche ist ebenfalls nicht erkennbar“, echauffierte sich Gamon.
Mangel an Personal zieht Konsequenzen nach sich
Was das Pflegepersonal betrifft, nannten 74 Prozent den Personalmangel als Hauptproblem. 55 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeitsbedingungen schlecht seien, 44 Prozent sprachen von einer unzureichenden Bezahlung. Besonders auffallend: 40 Prozent geben Bürokratie als Belastung an, dabei könnten durch effiziente Digitalisierung und Entbürokratisierung Ressourcen für direkten Pflegekontakt freigeschaufelt und der Personalmangel reduziert werden.
Gesundheitspolitik darf kein reines Planspiel sein. Sie betrifft echte Menschen – mit echten Problemen und Sorgen.
Claudia Gamon
Auch bezüglich der Personalengpässe gibt es eine Anfragebeantwortung von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Darin heißt es, dass bis zum Jahr 2030 rund 2400 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. Die pinke Landtagsabgeordnete Katharina Fuchs kann dabei nicht nachvollziehen, weshalb die Landesregierung von einer verbesserten Ausgangslage am Arbeitsmarkt spreche, während gleichzeitig dutzende Stellen unbesetzt sind und Betten gesperrt bleiben. Sie spricht von „politischer Schönrederei“.
Groß ist der Ärger offenbar auch, was die Kommunikation rund um das Thema Spitalsreform angeht. 59 Prozent der Befragten fühlen sich über geplante Veränderungen im Gesundheitssystem nicht ausreichend informiert. Besonders problematisch ist aus Sicht der Neos, dass die Debatte über die Änderungen falsch geführt wird. „Es geht nicht um einzelne Standorte oder Gebäude – es geht um die Qualität der Versorgung. Strategien und Reformen müssen auch verständlich erklärt und nachvollziehbar gemacht werden“, betont Gamon. Zudem könne Effizienz und Sparsamkeit nur geschaffen werden, wenn es tiefgreifende strukturelle Reformen gebe.
Was derzeit passiert, sei aber das Gegenteil: Informiert und diskutiert werde über Zusammenlegungen einzelner Stationen. Das „Big Picture“ oder einen fertigen Fahrplan könne die Landesregierung nicht aufzeigen. „An das Einsparungspotenzial dieser Maßnahmen glaubt man in der Landesregierung selbst nicht“, höhnen die Pinken. Während über Reformen geredet werde, würden die Verantwortlichen der Krankenhausbetriebsgesellschaft an einzelnen Posten wie Kernöl und Parmesan schrauben, um Einsparungen zu finden.
Wer im System arbeitet, weiß am besten, wo es klemmt – und diese Menschen rufen seit Jahren um Hilfe. Die Landesregierung hört offensichtlich weg.
Katharina Fuchs
„Unsere Umfrage zeigt klar auf, dass die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger bereit für tiefgreifende Reformen sind“, betont Gamon. So hätten sich 77 Prozent für ein Modell mit weniger und dafür spezialisierten Krankenhäusern ausgesprochen – auch wenn die Anfahrtswege dadurch länger wären.
Von einem Reformprogramm wären die Regierungsverantwortlichen aber weit entfernt. Beim bisher Präsentierten handle es sich eher um „Krisenmanagement auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger“.
Lange Wartezeiten auf Operationen sind seit Jahren an der Tagesordnung. Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. Unter dem Titel „Wo tuat’s weh?“ haben die NEOS eine landesweite Umfrage zum Gesundheitssystem durchgeführt. 700 Vorarlberger beteiligten sich, davon arbeiten 32 Prozent im Gesundheitsbereich.
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