Investoren haben am Freitag eine Dreiviertelmilliarde Dollar auf sinkende Ölpreise gesetzt – nur 20 Minuten, bevor der Iran die Öffnung der Straße von Hormuz bekannt gab. Das Timing riecht streng nach einer kriminellen Insider-Wette.
Innerhalb von nur einer Minute, zwischen 14.24 Uhr und 14.25 Uhr unserer Zeit, verkauften Investoren am Freitag insgesamt 7990 Einheiten an Futures für die Rohöl-Sorte Brent. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Daten der Londoner Börse. Dieser Handel war zu dem Zeitpunkt 760 Millionen US-Dollar (rund 646 Mio. Euro) wert.
Ölpreis fiel rasant
Nur 20 Minuten später, um 14.45 Uhr, gab der iranische Außenminister Abbas Araghchi auf der Plattform X bekannt, dass die Straße von Hormuz für alle Handelsschiffe geöffnet sei. In den Minuten darauf fiel der Ölpreis rasant um bis zu elf Prozent.
Mit dem Verkauf von Futures, also Termingeschäfte, die erst zu einem späteren Zeitpunkt schlagend wurden, hatten die Investoren genau darauf gesetzt. Die knapp acht Millionen Barrel, um die es ging, mussten sie für diese Art Börsenhandel auch gar nicht wirklich besitzen. Die gigantische Menge Öl konnten sie nach dem Preisverfall viel billiger zurückkaufen.
Kurz: Wenige Klicks zur richtigen Zeit brachten den Verkäufern einen Millionen-Gewinn. Der Verdacht liegt nahe, dass jemand schon im Vorhinein von der Hormuz-Öffnung wusste und sich damit illegal einen Vorteil verschaffte.
Mehrere Verdachtsfälle
Es ist nicht der erste Fall von mutmaßlichem Insider-Handel in Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Am 23. März verkauften Investoren Öl im Wert von 500 Mio. US-Dollar 15 Minuten, bevor US-Präsident Donald Trump Gespräche mit dem Iran bekannt gab, was den Ölpreis um 15 Prozent fallen ließ. Gleiches Spiel mit noch größerem Einsatz gab es am 7. April: Stunden, bevor die zweiwöchige Waffenruhe bekannt gegeben wurde, setzte jemand 950 Mio. US-Dollar darauf, dass der Ölpreis fällt.
Der mutmaßliche Insider-Handel rief die US-Aufsichtsbehörde für Future-Handel (CTFC) mit Sitz in Washington auf den Plan. Es geht um Transaktionen kurz vor wichtigen politischen Kursänderungen, die den Iran-Krieg betreffen, wie eine nicht namentlich genannte, mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Bezeichnend ist, dass das Weiße Haus mit einem Rundschreiben Mitarbeiter davor warnte, geheime Informationen für persönliche Investments zu nutzen. Versendet wurde die Mail am 24. März – einen Tag, nachdem die ersten Millionenwetten auf fallende Ölpreise für Aufregung und Empörung gesorgt hatten.
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